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Erfolgserlebnisse im Weinberg

Erfolgserlebnisse im Weinberg

Schüler, die aufgrund ihrer Leistungsschwäche oder der wirtschaftlichen Lage keine Lehrstelle finden, können in einem Berufsvorbereitungsjahr den Hauptschulabschluss erwerben und sich beruflich orientieren. Die Berufsbildende Schule Cochem hat mit dem Maschinenring Trier-Wittlich und dem DLR Mosel ein Projekt gestartet, in dem sich die Jugendlichen für Arbeiten im Weinbau qualifizieren können.

Bernkastel-Kues. "Nach zwei Tagen konnte Maximilian schon ganz alleine einen Rebstock schneiden. Das hat alles prima geklappt." Winzer Jörg Trossen aus Traben-Trarbach hat durchweg gute Erfahrungen mit dem 16-Jährigen gemacht, der zurzeit an der Berufsbildenden Schule (BBS) Cochem sein Berufsvorbereitungsjahr absolviert. Maximilian hat wie viele seiner Mitschüler Lernprobleme, kann nicht so gut rechnen wie die meisten Gleichaltrigen, aber er ist ein Praktiker und "Schaffer". Drei Wochen im Januar und Februar lernte er im Weingut Trossen das Schneiden und Binden der Reben. Das alles hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er nun auch für die Schule wieder mehr Interesse zeigt und voraussichtlich den Hauptschulabschluss machen wird. Maximilian und neun andere Mitschüler erhielten nun in Bernkastel-Kues ihre Zertifikate im "Qualifizierungsbaustein Rebschnitt". Im Sommer folgt der Baustein Laubarbeiten. Der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, Josef Peter Mertes, war sogar eigens angereist, um den Absolventen ihre Zertifikate zu überreichen. Er werde das Projekt nach besten Kräften unterstützen, versprach er.Der Leiter der BBS Cochem, Werner Esch, sagt: "Viele unserer Schüler hatten bislang kaum Erfolgserlebnisse. In der praktischen Arbeit bewähren sie sich, bekommen Selbstbewusstsein und machen dann auch in der Schule wieder Fortschritte."

Stefan Lehnertz, Lehrer an der BBS Cochem, hofft, dass über diesen Einstieg in die weinbauliche Praxis feste Ausbildungsverhältnisse entstehen. Das ist in einigen Fällen bereits geschehen. Die Schüler werden nicht unvorbereitet in die Weinbaubetriebe geschickt. Sie erhalten in der Schule theoretischen Unterricht und machen ihre ersten praktischen Erfahrungen in einem Schulweinberg. Danach folgt das Praktikum im Betrieb.

Die Jugendlichen, die fit gemacht werden in Sachen Rebschnitt, Binden und anderen Arbeiten, dürften an der Mosel genügend Arbeit vorfinden. Rudolf Hayer, Geschäftsführer des Maschinenrings Trier-Wittlich, geht davon aus, dass pro Jahr in den Mosel-Weinbergen zehn Millionen Arbeitsstunden anfallen. Die Betriebe könnten diese Arbeiten nur zur Hälfte allein leisten.

Hayer zu den Schülern: "Wir brauchen euch."