Erfreuliche Resonanz

TRIER-SÜD. (red) Zum vierten Mal in Folge präsentierte der Orgelbauverein Herz Jesu e.V. sein Konzert "Organ Fireworks" in der Silvesternacht. Vollbesetzte Bankreihen wie schon in den Vorjahren, ein gespannt lauschendes Publikum, zum Teil von weit her angereist, und nicht zuletzt ein prall gefülltes Spendenkörbchen – so die erfreulich positive Bilanz des um die Orgelrenovierung bemühten Vereins in Trier-Süd.

Wolfgang Valerius, selbst aktiv im Orgelbauverein, hatte ein Programm zusammengestellt, das eine ausgewogene Mischung bot aus Brillant-Virtuosem und Nachdenklichem, Bekanntem und weniger Bekanntem. Dem Titel des Konzertes gemäß stand zu Beginn die Ouvertüre aus Händels "Music for the Royal Fireworks" ebenso wie dessen "Halleluja" in einer Transkription von Karg-Elert. Zwei weitere Male noch kam Händel ins Spiel, jedoch in Kompositionen von Alexandre Guilmant, der Werke Händels als Vorlage für seine eigenen Schöpfungen heranzog. Von ihm erklangen die Paraphrase über "Tochter Zion" und der Marsch über "Hoch, tut euch auf" aus dem "Messias". Welche reichen Klangmöglichkeiten die Sebald-Orgel in Herz Jesu zu bieten hat, demonstrierte Wolfgang Valerius überzeugend in Karg-Elerts "Näher, mein Gott, zu dir". Der tragische Untergang der "Titanic" war Auslöser für dieses Werk, das den Hergang der Katastrophe musikalisch beschreibt. Zunächst erklingt der Choral in schlichter Harmonisierung. Dann entfernt sich die Musik jedoch mehr und mehr von der Grundtonart, und das Schiff steuert geradewegs auf die Katastrophe zu. Dramatische Pausen, panisch dahin eilende Tonleitern und fürchterliche Dissonanzen künden die Tragödie an. Mitten in der Katastrophe dann ein Aufschrei: "Aus tiefer Not schrei ich zu dir!" Noch einmal erklingt der Choral "grandioso e maestoso", ehe die Musik im vierfachen Pianissimo schwebender Klänge entschwindet. Mit spannungsreicher Stringenz wusste der Interpret seine Zuhörer ebenso zu fesseln wie mit einer höchst differenzierten Farbgestaltung, die eindrücklich zeigte, dass die betagte "Orgeldame" in Herz Jesu, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert, weitaus mehr kann, als mancher ihr aufgrund ihres Erbauungsjahres zutraut. Und dass diese vermeintlich neobarocke Orgel durchaus auch französisch-sinfonisches Timbre zu bieten hat, belegte die interpretatorisch wie klanglich höchst überzeugende Wiedergabe von César Francks Choral in h-Moll, entstanden im Todesjahr des Komponisten. Nach diesem nachdenklichen Einschub verklang das Jahr sodann mit der heiter-unbeschwerten Caprice des Engländers Cuthbert Harris sowie dem fulminant-virtuosen Finale aus der Orgelsymphonie Nr. 1 von Louis Vierne. Die zahlreichen Zuhörer bedankten sich am Ende mit herzlichem Applaus und einer großen Spendenfreudigkeit. Und so stieg kurz vor Jahresschluss der Kontostand des Orgelbauvereins um stolze 857,69 Euro. Aber ebenso erfreulich sind auch schon die Aussichten für dieses Jahr: Die ursprünglich für das Konzert eingeplante Star-Organisten und Preisträgerin des "Echo Klassik 2005", Iveta Apkalna aus Riga, wird nun am 31. März, exakt am 50. Weihetag der Orgel, in Herz Jesu zu hören sein.