Erheblicher Nachholbedarf

Zum Bericht "Ruwerort als Standplatz für die Müllwagenflotte" und Kommentar "Anonym ist schlechter Stil" (TV vom 25. September):

Der Kommentar von Friedhelm Knopp zu den Aktivitäten von Opponenten des ART-Großprojekts in Mertesdorf ist geradezu absurd. Wenn ein Bürger, der sich Gedanken macht über die Zukunft unseres Dorfes, von Haus zu Haus geht mit einer Resolution und Nachbarn um Unterstützung bittet: Was soll eigentlich daran "anonym" sein? Er steht ja nicht maskiert vor der Tür, sondern er exponiert sich ganz persönlich, um die Mertesdorfer über seine Bedenken zu informieren. Bei einer Resolution kommt es nicht darauf an, wer sie formuliert hat, sondern auf den Inhalt und ob man damit einverstanden ist.

Was Herr Knopp gerne wissen möchte ist: "Sind es viele oder wenige", die dahinter stehen? Geht die Sache vielleicht doch nicht so glatt über die Bühne?

Seit einer kurzen Mitteilung im Oktober 2009 hat der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen über das Projekt verhandelt, ohne ein Wort über Ausmaße der Überbauung zu verlieren. Der Rat interessiert sich offensichtlich überhaupt nicht für die Meinung der Betroffenen. Die Ortsbürgermeisterin begründet dies mir gegenüber mit dem Hinweis, wir lebten ja in einer "repräsentativen Demokratie". Wen aber haben die Abgeordneten zu repräsentieren, das heißt zu vertreten, wenn nicht die Menschen, die sie gewählt haben? Nun sind wir alle zu einer "Bürgerinformation" am 6. Oktober eingeladen. Dabei kommen zu Wort die Herren Schartz, Busch und Monzel. Also eine reine Werbeveranstaltung für das Projekt.

Herr Knopp sorgt sich, dass Bürger, die anderer Meinung sind, durch eine Resolution "verärgert" werden könnten, da sie "möglicherweise zur schweigenden Mehrheit" gehören. Dieses "möglicherweise" kann nur geklärt werden in einer offenen Diskussion. Diese kann es nicht geben in einer Gemeinde, wo jedes Hinterfragen des obrigkeitlichen Handelns als unanständig gilt. Gerade die Leute, die das Wort "Demokratie" ständig im Mund führen, haben da noch erheblichen Nachholbedarf, das erschreckende Ausmaß an Drückebergertum und Politikverdrossenheit abzubauen.Jörg Hasler, Mertesdorf

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