Erinnerung an die Bombardierung Triers: Als der Tod vom Himmel fiel

Kostenpflichtiger Inhalt: Vor 75 Jahren : Erinnerung an die Bombardierung Triers: Als der Tod vom Himmel fiel

Vor 75 Jahren legten alliierte Bomber Trier in Schutt und Asche. In der Stadt und den Vororten starben mindestens 570 Menschen. Volksfreund.de nimmt Sie mit ins Jahr 1944.

Triers finsterste Stunden des vergangenen Jahrtausends. Am 19., 21. und 23. Dezember 1944 legte die britische Royal Air Force Deutschlands älteste Stadt systematisch in Schutt und Asche. Mehr als 420 Menschen starben. Wertvolle Kulturgüter gingen im Bombenhagel unwiederbringlich verloren.

Die massiven Angriffe auf das Trierer Land stehen in direktem Zusammenhang mit Hitlers Ardennen-Offensive, die am 16. Dezember 1944 begann. Die zunächst stark bedrängten Briten und Amerikaner schlagen schnell zurück. „Abriegelung des Gefechtsfeldes“, lautet der Befehl, der jeglichen Wehrmachts-Nachschub unterbinden soll. Im Visier der Alliierten: Bahnstrecken, Verladestellen, Brücken, Tunnels, Straßenkreuzungen, Fernmeldeeinrichtungen, Lagerhallen und alles, was sonst noch mit Militär zu tun haben könnte.

„Aber auch ohne Ardennen-Offensive wäre Trier zum Ziel britischer Großangriffe geworden“, sagt der Trierer Militärexperte Hans-Jürgen Hauprich (64). Seine These basiert auf jahrelangen Forschungen in deutschen und alliierten Archiven und auf Gesprächen mit Veteranen. Die Planung der „Operation Sunfish“, so der Deckname der Dreifach-Attacke, sei bereits ein halbes Jahr vorher ausgearbeitet worden. Hauprich: „Trier stand seit Mai 1944 auf der Liste des Bomberkommandos der Royal Air Force unter Leitung von Luftmarschall Arthur Harris. Es war alles nur eine Frage der Zeit.“

Allenfalls ein schnelleres Vorstoßen amerikanischer Truppen auf deutschen Boden hätte den Kelch der verheerenden Flächenbombardements an Trier vorüber gehen lassen können. Aber gerade das verhinderte – wenn auch nur zeitweilig – Hitlers Befreiungsschlag-Versuch in den Ardennen.

Die britischen Verbündeten schlugen heftig und gründlich zurück. Was sie anrichteten, hat der Trier-Eurener Heimatforscher Adolf Welter (85) akribisch recherchiert: Ihre erste Attacke auf die Stadt, die von der Zivilbevölkerung seit Wochen verlassen ist und in der sich noch rund 5000 Menschen aufhalten, fliegen die Briten am 19. Dezember 1944. 30 viermotorige Lancaster-Maschinen werfen kurz nach 15.30 Uhr 136 Tonnen Sprengbomben. Eine davon durchbricht im Bürgerhospital St. Irminen eine Schutzkeller-Decke. 18 Ordensfrauen, 33 Hausangestellte und 31 Helfer verlieren alleine dort ihr Leben.

Zwei Tage später der nächste Großangriff. Am 21. Dezember laden ab 14 Uhr 94 Lancaster-Bomber 427 Tonnen ihrer Tod und Zerstörung bringenden Last ab. Als Jagdschutz stoßen 47 US-Thunderbolt-Jäger dazu; die Hälfte davon führt Napalm- und Flammstrahl-Bomben mit, die ebenfalls auf Trier niederregnen. Brände lassen sich nicht mehr löschen – der starke Frost hat die Schläuche einfrieren lassen.

Es kommt noch schlimmer. Am 23. Dezember um 13 Uhr bricht die schwerste aller Heimsuchungen seit der Normannen-Invasion 882 über Trier herein. Diesmal sind es 153 Viermotorer. Sie werfen 700 Tonnen Brand- und Sprengbomben sowie Luftminen ab, treffen dabei neben der Altstadt auch Außenbezirke (Trier-Süd, Heiligkreuz, Olewig, Trier-West, Euren). Die 52 ausbrechenden Groß- und Flächenbrände gehen laut Hans-Jürgen Hauprich auf den Einsatz von pyrotechnischen Markierungsbomben zurück: „Diese schleuderten beim Aufprall unzählige kleine Magnesiumfackeln in einen Umkreis von etwa 100 Metern umher.“ Kaum sind die Bomber weg, eröffnet US-Artillerie von Luxemburg aus wieder das Feuer.

An Heiligabend legt die US-Luftwaffe nach. Kurz nach 11 Uhr werfen zehn zweimotorige Lightning-Jäger im Sturzflug je zwei 250-kg-Bomben ab. Sie treffen das Ostviertel erneut schwer. Am Nachmittag bricht in den Vororten Pfalzel und Ruwer das Inferno aus. US-Bombardements kosten etwa 150 Menschen das Leben; allein in Pfalzel werden 116 Tote registriert.

Die Bilanz ist erschütternd. Die Dezember-Angriffe kosten nach Recherchen von Adolf Welter alleine in Trier (ohne die damaligen Vororte Ehrang, Pfalzel und Ruwer) mindestens 420 Menschenleben. Überlebende sprechen von der Hölle auf Erden. Die Angreifer registrieren nur wenig Gegenwehr. Lediglich eine Lancaster erhält über Kaschenbach/Eifel einen Flak-Treffer und stürzt ab. „Dennoch hat Trier – wenn man so sagen darf – noch Glück gehabt“, resümiert Welter. „Für die Angriffe auf unsere Stadt waren deutlich mehr Maschinen eingeplant. Doch ein Teil der Flugzeuge konnte wegen ungünstiger Witterung und aus technischen Gründen nicht starten oder musste unterwegs umkehren.“

Triers Schutzräume halten dem Inferno stand. Der Hochbunker am Augustinerhof, in dem die Leitung von Stadtverwaltung und Feuerwehr, der Luftschutzwarndienst und der Technische Notdienst untergebracht und ein Operationsraum eingerichtet sind, bebt zwar, aber er fällt nicht.

 Mit bloßen Händen: Kriegsgefangene bei Bergungsarbeiten in der Trierer Hosenstraße. Foto: Stadtarchiv Trier

Auch Saarburg bleibt nicht von massiven alliierten Luftattacken verschont. Am 23. Dezember ist die Altstadtbrücke Ziel von US-Bombern, die aber auch den Staden und die Laurentiuskirche weitgehend zerstören. 19 Menschen sterben, 13 von ihnen in einem Luftschutzkeller im Stadtteil Beurig.