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Gedenken: Erinnerungen an die Ermordete

Gedenken : Erinnerungen an die Ermordete

Der Tod der japanischen Studentin Mutsuko Ayano liegt 35 Jahre zurück, beschäftigt viele Menschen aber heute noch. Die Uni Trier hat eine Gedenkveranstaltung organisiert.

Es ist ein kalter Morgen, auf dem Kreuzweg unterhalb der Kapelle am Petrisberg ist es still. Man hört nur Hilaria Gößmann, Professorin für Japanologie an der Universität Trier, wie sie aus den Briefen von Mutsuko Ayano vorliest, die sie mit ihren Studenten übersetzt hat.

Auf dem Kreuzweg am Petrisberg starb die japanische Studentin Ayano. Auf dem Weg zur Universität wurde sie am 17. November des Jahres 1983 Opfer eines Raubüberfalls. Wenige Tage später, am 21. November, starb sie in einem Trierer Krankenhaus. Der Täter wurde im Dezember in Regensburg nach einem weiteren Raubüberfall gefasst, auch in diesem Fall erlag das Opfer seinen Verletzungen, und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Am Ort des Verbrechens steht heute eine Gedenkstele für Ayano, die vom Trierer Bildhauer Jupp Zimmer gefertigt wurde. Vor dieser Stele versammeln sich auf Einladung der Universität rund 30 Menschen, um der japanischen Studentin zu gedenken.

Der Tenor der Reden: Ayano war eine junge Frau voller Hoffnungen und Träume. Man hört aus jeder Zeile, die Gößmann aus Ayanos Briefen vorliest, dass sie die deutsche Sprache und Kultur bewunderte. Dass sie gerne in Deutschland lebte und viele Freunde gefunden hatte. Teilweise fast philosophisch muten die Texte der Japanerin an, in denen sie die Unterschiede zweier entfernter Kulturen reflektiert und sich dahingehend vor allem mit dem Leben der Frauen in Deutschland auseinandersetzte.

Gebannt folgen die Besucher der Gedenkveranstaltung Gößmanns Worten, als sie am Ende der Veranstaltung den letzten Brief der Studentin vorliest, den sie kurz vor ihrem Tod verfasste. In diesem letzten Brief schrieb sie ihre Gedanken zu einem möglichen Abschied von ihren Freunden in Deutschland nieder und wie schwer es ihr fallen würde, sich irgendwann mal verabschieden zu müssen. Die letzten Worte des Briefs trägt Gößmann auf japanisch vor.

Zwischen Gößmanns Beiträgen sprechen Jan Eitel und Andreas Regelsberger zu den Anwesenden. Eitel, Vizepräsident des Rotary Club, verweist auf die besondere Bindung Ayanos zum Rotary Club. Sie war damals als Rotary-Stipendiatin in Deutschland. Regelsberger, Professor für Japanologie an der Universität Trier, spricht davon, wie viel Hoffnung aus Ayanos Briefen heraus zu lesen sei. Ihre Briefe seien Dokumente, um Ayano zu verstehen, und ein Zeugnis dafür, dass sie versuchte, Brücken zwischen der japanischen und der deutschen Kultur zu bauen.

Gedenken: Erinnerungen an die Ermordete
Foto: Friedemann Vetter

Universitätspräsident Michael Jäckel eröffnet und schließt die Veranstaltung. Zuvor hat Triers Baudezernent  Andreas Ludwig in Vertretung der Stadt einen Kranz vor der Gedenkstele niedergelegt.  Jäckel erklärt in seiner Eröffnungsrede, dass die Gedenkveranstaltung in diesem Jahr auch für Mutsukos Vater stattfinde, denn dieser sei im Juli diesen Jahres verstorben. Neben Auszügen aus Ayanos Briefen  erinnert der Unipräsident an die Bedeutung des Mutsuko Ayano-Fonds, der von ihren Eltern gegründet wurde. Der vom Freundeskreis Trierer Universität verwaltete Fonds förderte bis heute  50 Japaner und ermöglichte ihnen einen Studienaufenthalt an der Universität Trier.