Ermesgraben-Bewohner befürchten Chaos

Ermesgraben-Bewohner befürchten Chaos

Während der Stadtrat Schweich am Donnerstag den Bebauungsplan für die geplanten Schulneubauten im Norden konkretisiert hat, üben Anwohner aus dem Ermesgraben Kritik. Unmittelbar an ihren Häusern soll eine über 100 Meter lange Fußgängerrampe samt Brücke gebaut werden.

Schweich. Fast die Hälfte der 338 Baustellen im Ermesgraben sind bebaut. Die Besiedlung des größten Baugebiets von Rheinland-Pfalz ist in den vergangenen drei Jahren ohne größere Probleme verlaufen. Doch jetzt werden Klagen laut: Anwohner aus dem Bereich Mäuskarl/Im Ermesgraben beschweren sich über den geplanten Fußgänger- und Radweg, der ihr Wohngebiet mit dem künftigen Schulzentrum jenseits der Kreisstraße 39 verbinden soll.
Die Hauptkritik: Am Rampenaufgang im Ermesgraben wird zu schnell gefahren, es sei viel zu gefährlich für Kinder. Der Bereich liegt im Einmündungsbereich mehrerer Straßen, unmittelbar an der Mäuskarl-Zufahrt. "Da werden später viele Eltern ihre Kinder absetzen. Wie soll das gehen, es gibt ja noch nicht mal Parkmöglichkeiten", sagt Anwohner Christian Hoffmann. Er und seine Nachbarn befürchten auch Einschränkungen ihrer eigenen Lebensqualität: Neugierige Blicke von oben auf ihre Anwesen und weniger Tageslicht. Wenn auf den bestehenden Erdwall ein Weg mit seitlichen Sichtschutzblenden draufgesattelt werde, müsse sie in den Garten gehen, um den Himmel zu sehen, sagt Brigitte Stabel. Sie hat im Parterre eine Eigentumswohnung. Auch bemängeln die Ermesgraben-Bewohner, dass sie nicht über die Pläne der Stadt informiert worden seien. "Der Wall war nie als Fußweg ausgewiesen, davon haben wir erst aus der Zeitung erfahren", sagt Hoffmann.
Mittlerweile steht fest, dass der Fuß- und Radweg tatsächlich entlang dieses Walls geführt wird. In Höhe der Mäuskarl-Häuser überquert er dann die K 39 in fünf Metern Höhe. Laut Planer Hubert Bruch (igr AG) wird der Weg nicht über die Wallkrone geführt.
Fünf Meter hoch, dann runter


Er schlängele sich straßenseitig, also entgegengesetzt des Wohngebiets Mäuskarl, über eine Länge von gut 100 Metern von null auf fünf Meter hoch und dann wieder abwärts zu den Schulen. "Der Weg ist ja in erster Linie für Rollstuhlfahrer der Trevererschule gedacht", sagt Bruch.
"Inklusion" spielt bei dem Gemeinschaftsprojekt von Kreis (Schulträger Trevererschule) und VG (Grundschule) eine große Rolle. Die mehr als 500 Förder- und Regelschüler sollen räumlich und pädagogisch zusammengeführt werden. Wo es Gemeinsamkeiten geben kann, das ist auch das Thema einer Arbeitsgruppe aus Eltern und Lehrern beider Schulen. Auch die Planer machen sich Gedanken, wie Synergieeffekte genutzt werden können. Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen Architektenwettbewerb. Die Ausschreibung läuft europaweit.
Um den Architekten Spielraum zu lassen, war der Bebauungsplan für die Schulen zunächst wenig konkret. Auf Anraten eines Beraters, des Trierer Juristen Paul Henseler, hat der Schweicher Stadtrat am Donnerstag doch noch einige Festlegungen getroffen (siehe Extra), bevor der Plan - voraussichtlich in der nächsten Woche - offengelegt wird. Dann können die Bürger Anregungen und Bedenken vorbringen.
Einige Räte, darunter Johannes Lehnert und Gerhard Ludes (FWG) äußerten Bedenken wegen der Verkehrssituation im Bereich Ermesgraben/Gemeinbedarfsgebiet. (Es gibt nur eine Zufahrt von der Bahnhofstraße.) Ludes regte an, erneut mit den Straßenplanern Kontakt aufzunehmen, um Ermesgraben und Schulzentrum über einen Kreisverkehr anzubinden. Er erhob seine Forderung zum Antrag. Zwecklos, meinten unsisono Planer Bruch und Bürgermeister Otmar Rößler. Ein Kreisel werde vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) nicht akzeptiert. Bei vier Jastimmen lehnte die Ratsmehrheit Ludes\' Antrag ab.Meinung

Ohne Kreisel geht\\'s nicht
Der Ärger der Mäuskarl-Anwohner ist nachvollziehbar. Sie haben erst für viel Geld Grundstücke im Ermesgraben erworben, und nun überrascht sie die Stadt mit einem neuen Bebauungsplan. Wie stark dieser ihr Lebensumfeld beeinträchtigt, wird man sehen, wenn die Verbindung vom Ermesgraben zu den Schulen einmal steht. Der Grundstein wird vermutlich nicht vor 2015 gelegt. Dennoch ist schon heute absehbar, dass der Schweicher Norden ein Verkehrsproblem bekommen wird. Helfen könnte ein Kreisel an der K 39 mit Zubringer zu den Schulen. Das werden eines Tages auch die Straßenplaner einsehen. Nur: Im Gegensatz zum anderen Ende des Ermesgrabens, wo es mit dem neuen Kreisel viel besser läuft, wird es an dieser Ecke dann keine Möglichkeit geben, um nachzubessern. a.follmann@volksfreund.deExtra

Festlegungen: 1. Es wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen des Lärms auf das benachbarte Lebenshilfe-Projekt (Wohnheim, integrativer Kindergarten) sowie die Firma Wendel und die Wohnanlage "Schilling" zu prüfen. 2. Die Standorte der Parkplätze und der Fußgängerbrücke über die K 39 (siehe Bericht) werden festgelegt. Demnach sollen nur Busse und Kleinbusse weiter in das Gelände bis zu einem Wendehammer fahren können. Eltern dürfen nur bis zu einem Parkplatz in der Nähe der Lebenshilfe vorfahren. 3. Auf dem Gelände wird das Regenwasser in Mulden aufgefangen; es darf nicht in den Kanal geleitet werden. alf