Ernst und getragen, lebhaft und vergnügt
Trier · Der Hospizverein wird 15, das Haus in der Ostallee fünf Jahre alt. Zum Doppelgeburtstag präsentierte der Verein viele Aspekte seiner Arbeit. Neben den ernsten und getragenen Inhalten fanden die mehr als 100 Besucher auch Kraft, Helligkeit und Energie.
Trier. Im Rokoko-Saal des Kurfüstlichen Palais eröffnen die "Reed Bulls" den Festakt zum Doppeljubiläum des Trierer Hospiz-Vereins - und fast könnte man die Aufmachung der vier Blasmusiker, grelle Turnschuhe zu dunklen Anzügen, als Symbol für das nehmen, was es im Laufe des Abends über die Vereinsarbeit zu hören gibt: Gerade in den Erzählungen von Menschen, deren Angehörige sich in der stationären oder ambulanten Betreuung des Vereins befinden, drängt in das Ernste und Getragene immer wieder kraftvoll das helle, vergnügte Leben.
In drei Gesprächsrunden mit wechselnden Teilnehmern, moderiert von TV-Redakteur Dieter Lintz, erkunden Angehörige und Vereinsmitglieder das Gestern, Heute und Morgen des Hospizvereins.
So erzählt Thomas Palm etwa, wie sein Onkel, "ein lebensfroher Single-Charmeur" sich erst mal über die unsterile Einrichtung des Hospiz-Hauses gefreut hat: "Hier komme ich mir vor wie im Landschulheim." Als der Onkel elf Wochen später starb, war es für Palm an der Zeit, sich zu wundern - über das rege Treiben in der Villa gegenüber den Kaiserthermen, wo so gar keine Totenstille herrschen wollte. Für die Bemerkung, dass die ja eher an so manchem Arbeitsplatz oder in anderen Alltagssituationen herrsche, schallt Gelächter durch den Festsaal.
Und auch wenn Christa Lehnertz über ihre Erfahrungen mit der ambulanten Betreuung sagt, sie könne das nicht mit Worten ausdrücken, versucht sie es doch. Überraschend lange 13 Monate habe die letzte Lebensphase ihrer Schwester gedauert. In dieser Zeit sei ihr der Hospizverein eine ständige und enorm wichtige Unterstützung gewesen. "Immer standen mir die Vereinsmitglieder mit praktischer Hilfe und wertvollen Gesprächen zur Seite, notfalls auch in der Nacht." Eine unschätzbar wertvolle Hilfe sei das gewesen, "denn das kann man gar nicht alleine schaffen."
Neue Bestimmungen
In der nächsten Runde fragt Dieter Lintz, ob denn solche intensive Betreuung auch noch in Zukunft möglich sein werde: Aufgrund der demografischen Entwicklung werde der Bedarf ja sicherlich steigen, außerdem fordert seit einigen Jahren ein Gesetz zur "Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung" standardisiertes Vorgehen.
"Das ist schon unheimlich", gibt Ruth Krell zu. Sie arbeitet im ambulanten Beratungsdienst und denkt auch, dass es fraglich sei, ob unter den neuen gesetzlichen Bestimmungen, die im Land aber noch nicht umgesetzt sind, die Qualität der Versorgung nicht langfristig leiden werde.
Als Leiterin des Hospizhauses überlegt Sieglinde Gross, dass es vielleicht gar nicht Sinn des Vereins sei, immer weiter zu wachsen: Im Grunde wolle ja eine solche Einrichtung auch wieder sensibilisieren und daran erinnern, dass der Tod zum Leben gehört: "Das Sterben sollte eher wieder in den Familien stattfinden."
Da schließt sich Franz-Josef Tentrup als ehemaliger Chefarzt und Palliativmediziner des Mutterhauses Trier an: "Sterben ist die intensivste Zeit des Lebens, die den Leuten viel bewusster sein sollte. Und weil wir alle sterben werden, ist Engagement in dieser Sache auch Zukunftssicherung." Und dass auch über diesen Satz gelacht wurde, soll nicht heißen, dass man ihn unwahr fand."Viele haben mittlerweile Erfahrungen mit dem Hospizverein gemacht oder von ihm gehört, und dann eigentlich nur Gutes. Ich glaube daher schon, dass der Verein und das Haus die Sichtweise auf das Sterben und den Tod verändert haben." "Als Mitgesellschafter des Hospizes hat es unseren Umgang mit dem Tod wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Ich finde es übrigens gut, dass das Hospiz nicht auf der grünen Wiese gebaut wurde, sondern sich mitten in der Stadt befindet." "Die Menschen erkennen, dass es eine Chance gibt, sich selbst und dem sterbenden Angehörigen das Leben zu erleichtern. Leuten aus meinem Bekanntenkreis, die rein altersmäßig weit entfernt vom Tod sind, wollen vom Hospiz aber meistens lieber nichts wissen."