Erntedank vor der Trierer Porta NIgra: Ein fröhliches Fest mit ernsten Worten

Trier · Beste Bedingungen beim Erntedankfest am Samstag vor der Porta Nigra: gutes Wetter und eine volle Innenstadt. Trotzdem ist es in diesem Jahr für die Landwirtschaft nicht ideal gelaufen.

Fröhliche Gesichter beim Erntedankumzug durch Trier: die rheinland-pfälzische Milchkönigin Vera Schückler (links) und die frisch gekürte Moselweinkönigin Lisa Dieterichs. TV-Foto: Nina Altmaier

Trier. Faszinierte Trierer und Besucher haben einen weiten Kreis gebildet und sehen den Männern aus der Kulturgruppe Schillingen zu, während diese im Rhythmus der Akkordeonmusik die Peitschen knallen lassen. Immer, wenn der Erntedankzug kurz hält, zeigen sie den Passanten ihr Können. Die Kulturgruppe hat viele der Werkzeuge dabei, die früher für die Ernte genutzt wurden und vermittelt so ein Stück Vergangenheit. Vom Domfreihof durch die Liebfrauenstraße, die Konstantinstraße und die Brotstraße bin hin zum Bauernmarkt an der Porta Nigra geht der Zug. Dort bieten Landwirtschaftsbetriebe der Region ihre frisch geerntete Ware an.Kritisches Jahr für Landwirte


Zwar ist das zentrale Erntedankfest des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, das jedes Jahr abwechselnd in Trier und Koblenz stattfindet, eigentlich ein fröhlicher Anlass, aber Leo Blum, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes, findet auch einige ernste Worte. Es sei ein kritisches Jahr gewesen, auch wenn das erste Halbjahr nach dem milden Winter vielversprechend begonnen hatte. Die Getreidepreise seien ein großes Problem, und für die Schweinebauern sei es ein Katastrophenjahr gewesen.
Globale Krisen, wie das Russlandembargo, hätten sich in unterdurchschnittlichen Preisen niedergeschlagen.
Blum kritisiert außerdem die zunehmende Ökologisierung, die strenge Auflagen zur Folge habe und so die Produktion verringere. In der Landwirtschaft gehe es um die Produktion von Lebensmitteln, "das ist unsere Hauptaufgabe, nicht Blümchenwiesen pflanzen", sagt Blum. Diese Lebensmittel solle man dann auch ohne Vorbehalte genießen, so sein Appell. Michael Anell sieht die aktuellen Veränderungen in der Landwirtschaft auch in seinem Heimatdorf Schillingen. Nur für die wenigen Großbetriebe lohne sich die Produktion noch, und die produzierten vor allem in Monokulturen für die Biogas-Herstellung. Darunter leide vor allem die Vielfalt, Rüben zum Beispiel brauche heute keiner mehr.
Es sind globale Problemstellungen, die auch die rheinlandpfälzische Landwirtschaft treffen und gerade deswegen werben die Landwirte beim Erntedankfest darum, dass sich mehr Verbraucher für regionale Produkte entscheiden. Der Bauernmarkt ist jedenfalls ein Erfolg, vor der Porta Nigra ist fast kein Durchkommen mehr und vor den Ständen haben sich Schlangen gebildet. Anders als im Supermarkt kann man sich hier auch durch die verschiedensten Lebensmittel durchprobieren, bevor man seine Entscheidung fällt. Das Interesse an den Erzeugnissen aus der Region ist bei den Besuchern aller Altersgruppen geweckt. nia