Erregern auf der Spur

TRIER. Tagtäglich Krankheitserregern auf der Spur sind die Mitarbeiter des Trierer Instituts für Hygiene und Infektionsschutz (IHIS). Im Schatten des Petrisbergs hat sich das frühere Medizinaluntersuchungsamt zu einem Vorzeigelabor gemausert.

Typhus in Trier - noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts grassierten im Regierungsbezirk kleinere und größere Epidemien der gefährlichen Infektionskrankheit. Das alarmierte selbst den preußischen Kultusminister im fernen Berlin, Robert Koch. Mit Erregern kannte sich der spätere Nobelpreisträger bestens aus; 1905 entdeckte er den Tuberkelbazillus. Doch schon einige Jahre zuvor hatte Koch seine bewährtesten Mitarbeiter in die südwestdeutsche Provinz, entsandt, auf dass diese dem Typhuserreger den Garaus machen sollten. Auch ein Teil des "Berliner Instituts für Infektionskrankheiten", des heutigen Robert-Koch-Instituts, wurde zu diesem Zweck nach Trier verlegt. Bereits 1902 starteten planmäßige Untersuchungen zur Typhusverbreitung- und Bekämpfung. Wenige Jahre später war die Region Trier de facto frei von Typhus. Weißes Pulver verunsichert Ängstliche

Amt und Anspruch existieren noch heute, doch Bezeichnung und Standort wechselten des öfteren. 1920 wurde aus dem einstigen "Bakteriellen Institut" ein Staatliches Medizinaluntersuchungsamt. Seit nunmehr vier Jahren firmiert das Institut als Außenstelle des Landesuntersuchungsamts. Ob Trink- oder Badewasser, Lebensmittel oder Spielsand - im IHIS wird untersucht, was bakterielle Krankheitserreger beherbergen könnte. Das 35 Mitarbeiter zählende Team um IHIS-Chefin Maria Schmitt arbeitet anderen Behörden zu. Werden etwa Salmonellen-Erreger im Cremekuchen gefunden, kümmert sich die Lebensmittelkontrolle um den betroffenen Konditor. Auch Privatpersonen werden in wohnungs- und umwelthygienischen Fragen wie Problemen mit Schimmelpilzen beraten. "Wir wollen vor allem Bewusstsein schaffen und fachliche Beratung bieten", sagt Schmitt. Zu diesem Zweck werden im IHIS auch Gesundheitsaufseher, Hygienefachkräfte sowie Lebensmittelkontrolleure weitergebildet. Zudem absolvieren die Auszubildenden der benachbarten Schule für Medizinisch-Technische Assistentinnen einen Teil ihrer Praktika im IHIS. Ängste zu nehmen gehört zur Arbeit von Maria Schmitt und ihrem Team. So wird das IHIS hin und wieder mit Anthrax-Verdachtsfällen konfrontiert. Weißes Pulver im Briefumschlag - das verunsichert nicht nur hysterische Zeitgenossen. "Wir suchen zunächst gemeinsam mit den verängstigten Menschen nach einer einfachen Erklärung", erläutert Schmitt die Vorgehensweise. Mitunter stellt sich dann auch ohne aufwändige Prüfung heraus, dass es sich bei dem ominösen Pulver um Reste von Puderzucker oder verschüttetes Scheuerpulver handelt. Scheiden solch simple Erklärungen jedoch aus, wird das IHIS tätig. Bislang wurde noch nie ein Anthraxerreger aufgespürt. Labortechnisch wird das IHIS dennoch aufgerüstet und wird schon bald auch für bioterroristische Anschläge gewappnet sein: In Trier entsteht das landesweit erste staatliche Labor der Sicherheitsklasse 3. Nicht nur in puncto Anthraxerreger wird das Institut sicherheitstechnisch noch besser ausgestattet sein. "Wir werden dann die Tuberkulosedifferenzierung für ganz Rheinland-Pfalz durchführen", kündigt Jutta Föhr, Technische Angestellte des IHIS an. "Das ist eine enorme Aufwertung für den Standort Trier", freut sich Maria Schmitt, die mit einem weiteren Aushängeschild des Instituts aufwarten kann: dem bislang einzigen staatlichen Gen-Technik-Labor in Rheinland-Pfalz. Hier können auch gentechnische Veränderungen in Lebensmitteln nachgewiesen werden.

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