Erst mal über die Sickingenstraße

Erst mal über die Sickingenstraße

TRIER. Die Tür für den "Petrisberg-Aufstieg" bleibt offen. Wenn der Stadtrat ja sagt zu den Plänen des Rathauses, rückt die Realisierung der ÖPNV-Querachse zwischen City und Höhenstadtteilen nicht zeitlich näher, aber die Option auf das 70-Millionen-Euro-Projekt wird gewahrt. Kurzfristig könnte eine Einbeziehung der Sickingenstraße ins Stadtbus-Liniennetz eine neue Anbindung schaffen.

Zehn Jahre alt ist die Idee vom "Spurbus", der auf einer eigenen Trasse die Talstadt via Petrisberg mit dem Uni-Campus und den BU-Neubaugebieten verbindet und somit dem Verkehrskollaps in Kürenz und Olewig entgegenwirkt. Seither ist viel diskutiert, geprüft, geplant und gerechnet worden. Am kommenden Dienstag entscheidet der Stadtrat, wie und ob es weitergeht. Zukunfts-Option offen halten

Das von Beobachtern erwartete Ja - der Ortsbeirat Kürenz hat bereits einvernehmlich zugestimmt - würde dem Projekt die Zukunftsoption erhalten. "Das Rathaus hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt geht es darum, am Ball zu bleiben", erläutert Baudezernent Peter Dietze. Standardisierte Bewertungen bescheinigen der ÖPNV-Querung die grundsätzliche Machbar- und Förderfähigkeit und prognostiziere einen wirtschaftlichen Betrieb. Der springende Punkt: Um in den Genuss der notwendigen Förderung von Bund und Land zu kommen, die rund 80 Prozent der Baukosten von knapp 70 Millionen übernehmen sollen, bedarf es eines Verkehrssystems aus der Kategorie "Schienenfahrzeug von der Stange". Für Trier infrage käme ein spurgeführter und gummibereifter "Duobus", der neben einem Diesel-Aggregat auch einen elektrischen Antrieb besitzt. Der Elektro-Antrieb ist erforderlich, um die bis zu 13-prozentigen Steigungen auf der Petrisberg-Teilstrecke zu bewältigen; der Dieselantrieb ermöglicht den Verzicht auf eine Elektrifizierung der ebenen Streckenabschnitte. So etwas fährt bereits in Nancy (Frankreich), gilt aber nach den Vorgaben des Bundesverkehrsministeriums nicht als Schienenfahrzeug. Dietze: "Das Projekt braucht jetzt einen Kümmerer, der die Entwicklung der Verkehrssysteme und der Finanzierungsbedingungen im Auge behält." Diese Rolle sollen die Stadtwerke erfüllen und dem Stadtrat regelmäßig Bericht erstatten, erstmals im Januar 2008. Eingedenk einer Bauzeit von sechs Jahren für die sechs Kilometer lange Strecke, die unter anderem eine Brücke über das Bahnhofsgelände erfordert, lässt sich schon jetzt sagen, dass frühestens 2014 die Spurbusse im geplanten Fünf-Minuten-Takt den Petrisberg auf einer Querachse zwischen Bahnhof und Wissenschaftspark erklimmen werden. Um die Zukunft nicht zu verbauen, will die Stadt die notwendigen Grundstücke frei halten und die ÖPNV-Trasse in den Flächennutzungsplan aufnehmen. Weil die langfristige Perspektive keine aktuellen Verkehrsprobleme lösen hilft, wird über Alternativen nachgedacht. "Wir prüfen eine neue Bus-Linienführung über die Sickingenstraße", bestätigt Frank Birkhäuer, Chef des Stadtwerke-Verkehrsbetriebs. Vorteil: Über die "Sickinger" können Wissenschaftspark und Geo-Zentrum direkter an die City angebunden werden (möglicherweise bis Weismark/Heiligkreuz). Nachteil: Auf der engen, steilen und kurvenreichen Strecke können nur Solobusse, aber keine Gelenkwagen eingesetzt werden. Start der neuen Linie: Voraussichtlich zum nächsten Fahrplanwechsel im kommenden Dezember.

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