Erstklässler-Anmeldungen: Die Verteilung klafft auseinander

Erstklässler-Anmeldungen: Die Verteilung klafft auseinander

In der Stadt Trier wächst zum neuen Schuljahr die Zahl der Erstklässler. Fast 800 Sechsjährige werden im August an den 23 städtischen Schulen Einzug halten - letztes Jahr waren es 730. Die Zuwächse schlagen sich allerdings ganz unterschiedlich nieder.

Trier. Voraussichtlich werden mindestens 43 Klassen an den städtischen Grundschulen eingerichtet, um die "I-Gackchen", wie es auf Trierisch heißt, unterzubringen. Genau kann das bei der Stadt derzeit niemand sagen, weil offiziell noch nicht verkündet ist, wie viele Kinder pro Klasse die Landesregierung ab dem Schuljahr, das in drei Wochen beginnt, pro Klasse zulässt.
Die neue städtische Schul-Managerin Helga Schneider-Gräfer geht davon aus, dass die Obergrenze im Regelfall künftig bei 24 liegt - bislang wurde erst ab dem dreißigsten Schüler eine neue Klasse eingerichtet. Dadurch dürfte die eine oder andere zuvor einzügige Schule - wie etwa Mariahof - zweizügig werden.
Größter "Zugewinner" unter den Grundschulen ist Tarforst, wo 72 Erstklässler eingeschult werden - 18 mehr als bisher. Die dafür notwendige dritte Klasse ist das Letzte, was sich aus der Bausubstanz herausholen lässt - nächstes Jahr schlägt die Stunde der Wahrheit. Die Schüler umverteilen oder das Gebäude erweitern: Eines von beiden lässt sich nicht vermeiden.
Manche Anmeldezahlen sind schwer zu erklären: Die Barbara-Grundschule in Trier-Süd wächst um 50 Prozent, die Grundschule in Ruwer kann dagegen nur noch halb so viele Schüler neu aufnehmen wie vor Jahresfrist. Olewig legt wieder deutlich zu, vielleicht wäre Tarforst sonst noch stärker überlaufen. Die Schule in Feyen, die aus allen Nähten platzt, wird dagegen noch ein bisschen voller - trotz aller Bemühungen der Schulverwaltung, die Schülerströme umzuleiten. Das scheint schwieriger zu sein als gedacht.
Außergewöhnliche Entwicklungen sieht Expertin Schneider-Gräfer nicht. "Insgesamt gibt es keine Überraschungen", lautet ihre Analyse. Kopfzerbrechen dürfte der Stadt aber der ungebremste Abwärtstrend einzelner Schulen bereiten. In Kürenz wird es noch 15 Schulanfänger geben, in Pallien 14, in Ruwer 13 und in Pfalzel gar nur 11. Bei letzterer prognostiziert der städtische Schulentwicklungsplan angesichts der Bevölkerungsentwicklung aber irgendwann wieder wachsende Zahlen.
Mit der Qualität der jeweiligen Schule müssen die rückläufigen Schülerzahlen nicht unbedingt zu tun haben - entscheidend ist eher, wie viele junge Familien im Umfeld wohnen. Wo sich die Zahl allerdings konstant in Richtung Einstelligkeit entwickelt, wird sich irgendwann die Existenzfrage stellen.Meinung

Die Trends rechtzeitig wahrnehmen
Statistisch gesehen kommen in Trier künftig 17 Schüler auf eine Grundschulklasse. Das ist toll - theoretisch. In der Praxis werden aber die Zahlen auseinanderklaffen: Manche werden zu elft in der Klasse sein, andere mit 24. Schon das macht deutlich, dass die Stadt bei den Grundschulen nicht nach dem Motto "Augen zu und durch" verfahren kann. Für die baulichen und ausstattungsmäßigen Probleme sind Lösungen nicht in Sicht. Und es wird sie auch nicht geben, wenn man stur am Status quo festhält und den Erhalt jeder Schule zum Maßstab macht. Die Anmeldezahlen sind kein Grund, in Aktionismus zu verfallen. Aber sie bestätigen viele Trends. Die Politik sollte sie rechtzeitig wahrnehmen. d.lintz@volksfreund.de Die aktuellen Erstklässler-Zahlen für die städtischen Schulen in Trier (in Klammern die Vorjahreszahl): Ambrosius/Trier-Nord 33 (33); Ausonius/Stadtmitte 34 (36); Egbert/Innenstadt 35 (34); Barbara/Trier-Süd 25 (17); GHS Zewen 30 (23); Heiligkreuz 46 (57); Kürenz 15 (19); St. Peter/Ehrang 49 (44); Biewer 30 (42); Johann-Hermann/Euren 35 (32); Feyen 43 (38); Irsch 38 (33); Mariahof 32 (24); Olewig 23 (13); Pallien 14 (13); Quint 27 (22); Reichertsberg/Trier-West 37 (29); Tarforst 72 (54); Keune/Neukürenz 61 (50); Martin/Maarviertel 52 (31); Matthias/Trier-Süd 43 (41); Gregor-von-Pfalzel-Schule 11 (17); Ruwer 13 (27). Datenbasis: Stadt Trier/ADD. Nicht berücksichtigt in dieser Auflistung sind die Privatschulen St. Paulin und Waldorf, die eigene Aufnahmekriterien haben. DiL