Kolumne : Erwartung

Bald ist es soweit. Weihnachten. Nur noch wenige Tage. Zu keiner Zeit im Jahr gibt es so viel Erwartung. In den Köpfen. Und in den Herzen.

Was kriege ich wohl geschenkt? Denken nicht nur die Kinder. Werden wir uns wieder streiten? Oder gibt es vielleicht doch ein friedliches Zusammensein? Dabei zeigt die Erfahrung: Oft wird alles ganz anders, als wir es uns gewünscht oder erwartet haben.

Damals, vor mehr als 2000 Jahren, hatten die Menschen auch eine ganz bestimmte Erwartung. Die von einem großen König, der kommt und alles ändert. Die von einem Heiland, der mit Macht und Getöse die ungerechten Verhältnisse, die Armut und Not, endlich umkehrt. Und stattdessen? Wurde ein kleines Kind geboren. In einer Krippe, in einem zugigen, alten, dreckigen Stall. Ohne Macht. Und schon gar kein Getöse. Still und leise war er da. Der Sohn Gottes. Manch einer mag auch damals furchtbar enttäuscht gewesen sein. Aber ein Geheimnis von Weihnachten ist auch, dass es anders kommt, als man denkt und plant. Gott kommt anders als erwartet. Und durchkreuzt die Erwartungen.

Ich finde das entlastend. Wenn es eh anders kommt als geplant, dann kann ich mich doch eigentlich entspannen. Es liegt nicht nur an mir, wie das Fest laufen wird. Vielleicht stehen mir meine Erwartungen sogar im Weg? Es wäre doch mal schön, ganz ohne Erwartungen in dieses Weihnachtsfest zu starten. So, als ob es das erste Mal wäre.

Onkel Max zu begrüßen ohne ihm heimlich zu unterstellen, dass er gleich wieder merkwürdige Witze erzählen wird. Die Schwiegermutter zu umarmen und keine Angst zu haben, dass ihr der Braten zu trocken ist. Die Kinder einfach lassen, ohne Sorge, dass es gleich wieder Streit geben wird. Und vielleicht geht es genau darum. Um diese Offenheit, die wir uns verordnen sollten: Es kommt ganz anders. Gott kommt ganz anders. Warte mal ab.