Es führt eine Brücke nach Nirgendwo

Es führt eine Brücke nach Nirgendwo

Wo soll die Fußgängerbrücke hinkommen? Weil die Lage der Schulen im künftigen Schulzentrum noch nicht feststeht, sieht sich der Schweicher Stadtrat außerstande, einen genauen Standort zu bestimmen. Fest steht nur: Die Brücke soll die K 39 im mittleren Abschnitt überqueren.

Schweich. Etwa 500 Schüler sollen später im neuen Schweicher Schulzentrum unterrichtet werden - 400 an der Grundschule und 100 an der Treverer-Förderschule. Damit sie von ihren Schulen im Dreieck Bahnhofsstraße/K 39/B 53 sicher in Richtung Stadt und den Ermesgraben gelangen, soll eine Fußgänger- und Radbrücke über die Kreisstraße gebaut werden.
Planer Hubert Bruch stellte dem Stadtrat am Donnerstagabend vier Brückenvarianten vor, die sich in Konstruktion und Lage unterscheiden, wobei die Varianten 1 a und 1 b ähnlich sind. Sie haben den gleichen Ausgangspunkt im Ermesgraben, verlaufen aber leicht versetzt in Richtung Straße. Bei den Varianten 1 und 2 handelt es sich um gepflasterte Fußwege mit Stützwänden in Stahlbeton. Kämen sie zum Zuge, müsste der Ermesgraben-Wall erneuert werden; in seinem jetzigen Zustand wäre er nicht tragfähig genug. Bei Variante 2 dockt der Rampenanfang an einen bestehenden Fußweg im Ermesgraben an, was sicherer wäre als der Rampenein- und -ausstieg an einer Straßenkreuzung (1). Auch könnte bei Nummer 2 eine Treppe gebaut werden, was den Weg verkürzt. Variante 3 ist eine reine Metallkonstruktion auf Stützen; der drei Meter breite Weg schlängelt sich schachtelförmig hoch bis zur Straße, die in 5,50 Metern Höhe überquert wird. Der Erdwall müsste nicht verändert werden, auch wäre diese Brücke mit 116 Metern kürzer als die anderen. Nachteil: Sie wäre mit 710 000 Euro weitaus teurer als die Varianten 1 (440 000 Euro) und 2 (480 000 Euro).
Mit klarer Mehrheit votierte der Rat nach eingehender Diskussion für einen Brückenstandort, der zwischen 1 b und 2 liegt; bei der Konstruktion geht die Tendenz zur Variante 2. Um Baurecht zu erlangen, muss der Bebauungsplan Ermesgraben geändert werden. Das Endstück der Brücke aufseiten der Schulen ist Bestandteil des Architektenwettbewerbs für das Gemeindebedarfsgebiet. Auch stimmte der Rat dem Ausbau eines Fußwegs von Issel zum künftigen Schulzentrum zu (siehe Extra).Meinung

Ungelegte Eier im Schweicher Norden
Am Donnerstag machte der Stadtrat die Erfahrung, wie unbefriedigend es ist, sich über ungelegte Eier zu unterhalten. Zweifellos ist die Fußgängerbrücke ein wichtiges Thema, doch solange man nicht weiß, wo sie genau hinführen soll, ist auch eine Standortdiskussion müßig. Immerhin hat man sich mit der Wahl der goldenen Mitte auf einen Kompromiss geeinigt, der am ehesten zu den Schulplänen passen könnte. Besser wäre natürlich eine Planung aus einem Guss: Schulzentrum und Brücke in einem Entwurf. Aber wer weiß: Die Führung der Fußgänger und Radfahrer könnte sich noch als das geringste Problem erweisen. Viel schwerer zu lenken sind die Autofahrer. Die meisten Eltern werden ihre Kinder zum Schulzentrum fahren, dort gibt es nur eine Einfahrt und in der Nachbarschaft entsteht ein riesiger Wohnkomplex an einer sowieso vielbefahrenen Straße. Auch ist die Verlockung groß, die Kinder mal eben an der neuen Brücke abzusetzen oder aufzugabeln. Im Schweicher Norden ist das Verkehrschaos programmiert. a.follmann@volksfreund.deExtra

Kontrovers diskutiert wurde im Stadtrat über einen Fußweg aus Issel zum künftigen Schulzentrum. Insbesondere der Sicherheitsaspekt und die Frage der Akzeptanz standen bei den Redebeiträgen im Vordergrund. Issels Ortsvorsteher Kurt Heinz sagte, die Eltern bevorzugten die Variante ab der Brunnenstraße entlang des Merzbachs (Kosten: 185 000 Euro). Wichtig sei eine ausreichende Beleuchtung. Die weiter südlich beginnende Route ab der Straße "Zum Meulenwald" sei zu gefährlich. Einige Räte stellten die Notwendigkeit des Weges infrage ("Die Eltern fahren ihre Kinder lieber zur Schule"), andere sagten, die Verbindung werde ja von vielen Bürgern genutzt, nicht nur von Schülern. alf

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