Es geht um den Himmel über der Burg

Es geht um den Himmel über der Burg

Die Wahlberechtigten in Kordel können am Sonntag bis zu drei Kreuze auf zwei Wahlzetteln machen. Denn neben der Landtagswahl gibt es einen Bürgerentscheid über Windkraft. So etwas hat es in dieser Form bisher noch nicht gegeben.

Kordel. Zu sehen gibt es bisher höchstens etwas in einer Simulation. Ansonsten sieht man über den Wipfeln des Kyllwalds bisher nur den Himmel. Und einige Kordeler wollen, dass das so bleibt. Deshalb hat sich eine Gruppe zusammengefunden. Die wendet sich gegen die Pläne, gemeindeeigene Flächen zu verpachten, damit dort Windräder gebaut werden können.
Dass die Ortsgemeinde Flächen verpachten will, ist geltender Beschluss des Ortsgemeinderats. Das kann sich am Sonntag ändern, wenn die rund 1750 Wahlberechtigten ihre Stimmen nicht nur bei der Landtagswahl, sondern auch beim Bürgerentscheid abgeben können. Sollte eine Mehrheit gegen eine mögliche Überlassung sein, darf die Gemeinde erst einmal nicht verpachten. In Sachen Windkraft hat es in der Region einen ähnlichen Vorstoß noch nicht gegeben.
Die Ausgangslage: Der Verbandsgemeinderat Trier-Land beschäftigt sich derzeit mit der Frage, wo künftig Flächen für die Windkraftnutzung ausgewiesen werden sollen. Diese Gebiete müssen unter anderem eine gewisse Größe und einen Mindestabstand zu Wohnhäusern haben oder dürfen nicht in Naturschutzgebieten liegen. Ein Fachbüro hat alle möglichen Kriterien auf das Gebiet angelegt. Ergebnis: Unter anderem ist eine rund 27 Hektar große Fläche am Römerberg im Süden der Gemarkung nahe der Stadtgrenze Triers geeignet.
Die Befürworter: Ortsbürgermeister Medard Roth hat in einem Informationspapier die Fakten zusammengefasst, wie sie sich aus seiner Sicht darstellen. Er verweist beispielsweise darauf, dass 1000 Meter Abstand zu bebautem Gebiet eingehalten werden. Die Standorte von Anlagen würden in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden und dem Forstamt ausgewählt.
Er widerspricht der Aussage, wonach der Tourismus unter Windrädern leide. Er zitiert dazu eine Umfrage bei Urlaubern in der Eifel, wonach unter anderem 91 Prozent der Befragten wegen Windrädern nicht auf einen Urlaub in der Eifel verzichten würden. Auch seien keine Auswirkungen auf Immobilienpreise zu erwarten.
Roth spricht auch die noch nicht feststehenden Einnahmen an, die die Ortsgemeinde hat, wenn Windräder gebaut werden. "Es ist abzusehen, dass ohne die zusätzlichen Einnahmen mehr gespart werden muss, freiwillige Leistungen reduziert und eventuell die gemeindlichen Realsteuern erhöht werden müssen", sagt der Ortsbürgermeister.
Die Gegner: Unter anderem Christian Zoepfchen, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, und Michael Backes haben Fakten zusammengetragen, weshalb aus ihrer Sicht keine Windräder gebaut werden sollten. Sie befürchten negative Auswirkungen auf die Umwelt, "die in keinem Verhältnis zu der Energieausbeute, bei geringer bis mittlerer Windhöffigkeit in diesem Gebiet, steht." Für die Befürworter stünden laut Backes die Einnahmen der Gemeinde im Vordergrund. Mit der Argumentation, dass Trier den Zonenberg als Prüffläche für die Windkraft vorgesehen habe und die Kordeler dann Anlagen vor der Nase hätten, werde versucht, das Argument der Sichtbarkeit in unberührter Natur zu neutralisieren.
Verärgert sei man über die Tatsache, dass die Gemeinde in der Erklärung zum Bürgerentscheid ein Votum gegen die Windkraft an die Erhöhung der Steuern binde. Backes: "Hier fühlt man sich unter Druck gesetzt und sieht eine Einschränkung freier Meinungsäußerung."
Wie geht es weiter?: Die Ortsgemeinde hat für Donnerstag um 19.30 Uhr zu einer Bürgerversammlung ins Gemeindehaus eingeladen, wo über das Thema Windkraft informiert werden soll.
Sollte eine Mehrheit am Sonntag den Kurs der Ortsgemeinde bestätigen, könnten gemeindliche Flächen verpachtet werden, damit dort Windräder gebaut werden. Natürlich nur dann, wenn das Gelände am Römerberg am Ende als geeigneter Standort ausgewiesen wird.
Sollte eine Mehrheit sich gegen die Verpachtung aussprechen, darf der Ortsgemeinderat frühestens in drei Jahren erneut über eine Verpachtung diskutieren und beschließen.