„Es ist schwierig geworden, Landwirt zu sein”

Landwirtschaft : „Es ist schwierig geworden, Landwirt zu sein”

Kampfpreise im Einzelhandel, Tierkrankheiten, Strukturwandel: Der Bauern- und Winzerverband erwartet Hilfe von der Politik.

Gut gefüllt sind die Plätze im Leinenhof immer, wenn der Bauern- und Winzerverband zur Jahreshauptversammlung einlädt. Am Montagnachmittag war der Andrang aber besonders groß, sicherlich auch ein Indiz für die derzeit großen Sorgen vieler Landwirte und Winzer. „Die Not schweißt zusammen”, sagte Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. „Es ist schwierig geworden, Landwirt zu sein.”

Im Beisein von Hauptredner Andy Becht (FDP), Staatssekretär im Mainzer Landwirtschaftsministerium, sprachen Horper, Kreisvorsitzender Walter Clüsserath (Pölich) und Landrat Günther Schartz die „Risiken und Nebenwirkungen” der Branche an: Die afrikanische Schweinepest steht in Belgien vor den Toren des Kreises, die Blauzungenkrankheit ist bereits hierzulande aufgetreten. Das Höfesterben geht weiter, auch deshalb, weil nach Ansicht der Standesvertreter die Leistung der Produzenten nicht angemessen honoriert wird – von der Politik, aber auch vom Verbraucher.

Auch der Konsument sei in der Verantwortung, so Staatssekretär Becht. Dieser gebe an der Theke seine Stimme ab. 60 Prozent wollten laut einer Umfrage mehr Geld für qualitativ hochwertiges Fleisch ausgeben, doch wenn es darauf ankomme, kauften doch die meisten das billige Produkt beim Discounter. Präsident Horper wünscht sich hier ein generelles Umdenken: „Die Gesellschaft muss bereit sein, hierfür auch Steuergeld in die Hand zu nehmen.”

Vom Land fordert Horper, sich von der „Nichtimpfpolitik” zu verabschieden. „Wenn Nutztiere krank sind, erwarten wir, dass das Land Verantwortung übernimmt.” Tierhalter müssten bessergestellt werden. Auch die zunehmende Bürokratisierung ist Horper ein Dorn im Auge: „Wenn ich 50 Prozent meiner Zeit fürs Büro aufwenden muss, ist das demotivierend. Und draußen wächst uns die Arbeit über den Kopf.”

Staatssekretär Becht sagte eine weitere Förderung der „professionellen bäuerlichen Familienbetriebe” zu. Das gehe nur mit einer ganzheitlichen Strategie und Impulsen für benachteiligte Gebiete, wobei eine gezielte Förderung besser sei als das Gießkannenprinzip. An die Winzer gerichtet, sagte Becht, eine Steillagenförderung müsse weiter möglich sein. Mit dem „Geo-Box”-Projekt förderte das Rheinland-Pfalz den effizienten Datenaustausch in der Landwirtschaft mit einer Million Euro.

Der Trierer Dezernent Andreas Ludwig, der in Vertretung von OB Leibe teilnahm, will noch in diesem Jahr eine Lösung für das „Problem B 51” finden. Landwirte dürfen die Gefällstrecke nach Trier nicht benutzen und müssen mit ihren großen Fahrzeugen auf enge Straßen, etwa durch Herresthal, ausweichen.

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