Es klappert die Mühle...

SCHWEICH. Ein Handgriff und auf vier Etagen setzt sich eine Maschinerie in Bewegung, dass Böden wackeln, Räder knattern und Körner zu Mehl werden. Kinder und Erwachsene, die gestern am TV-Ferienspaß teilnahmen, erlebten den Mühlenalltag vergangener Tage in der Molitorsmühle hautnah.

Jetzt geht es rund: Mit großen Augen bestaunen Isabell und ihre Schwester Viktoria wie sich die Antriebsriemen und riesige Räder in Bewegung setzen, sich immer schneller drehen und der Holzboden unter ihren Füßen vibriert. Drei Etagen unter ihnen hat die "echte" Müllerstochter Gisela Scholtes mit einem einzigen Handgriff den Wassereinlauf der Mühle, die aus dem 19. und den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammt, freigegeben. Vorher hat sie den 26 interessierten Kindern und Erwachsenen allerhand über den Mühlenalltag anno dazumal erklärt und gezeigt, wie einst aus Korn Mehl wurde. Alles funktioniert: So etwa wird in der Schälmaschine das Korn geschält und in der Bürstmaschine blitzblank geschrubbt. In imposanten Schüttelkästen wird ausgesiebt, bevor das Korn zwischen Mühlsteinen zu Mehl gemahlen wird. Lastenaufzug die besondere Attraktion

"Rickeracke, geht die Mühle mit Geknacke", ist auf einem großen Schild zu lesen und Gisela Scholtes erzählt den Streich, den Wilhelm Buschs Figuren, Max und Moritz, dem Müller spielten. "Alles ganz fantastisch", lobt Adolf Kaiser aus Kleinblittersdorf die kurzweilige Führung durch die historische Molitorsmühle. Kindheitserinnerungen werden bei ihm wach: "Ich bin ein Müllerssohn und ich weiß, was es heißt, hundert Kilo zu tragen". Als Junge habe er sich damals sein erstes Taschengeld mit dem Flicken der Säcke verdient. "Die Mäuse hatten sie angeknabbert", erzählt Kaiser, während er die zahlreichen Stufen herabsteigt. Dort wartet wieder eine besondere Attraktion: "Mit diesem Aufzug ist mein Vater von hier unten bis in die vierte Etage gefahren", erzählt Gisela Scholtes. Schöner als Karussell zu fahren, ist der Moment, als die Mühlenführerin die Kinder zu einer kurze Extrafahrt mit dem klapprig anmutenden, aber doch sehr stabilen Fahrstuhl einlädt. Gekrönt wird das Mühlenerlebnis mit dem Stockbrotbacken. Der nach frischer Hefe und Mehl duftende Teig wird um einen Stock gedreht und ein paar Minuten in der Glut gewendet. Während die glücklichen "TV-Ferienspaßler" sich das knusprige Backwerk schmecken lassen, ist im Inneren der Mühle Ruhe eingekehrt. So lange, bis sie wieder für neugierige Besucher klappern wird.

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