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Es war Liebe auf den ersten Blick

Es war Liebe auf den ersten Blick

Gleich zwei Hochfeste an ein und demselben Tag haben im Hause Cordel in Issel dafür gesorgt, dass sich die Gratulanten die Klinke in die Hand gegeben haben. Am Tag seines 90. Geburtstags hat Heinrich Cordel auch eiserne Hochzeit mit seiner Frau Katharina gefeiert.

Schweich-Issel. Sie sind so lange verheiratet wie die Bundesrepublik alt ist und was sie erzählen, hört sich nicht nur für ihre drei Kinder und drei Enkel nach gelebter deutscher Geschichte an.
Die begann für den damals 17 Jahre alten Pfalzeler Jung, als er sich nach der Gesellenprüfung als Klempner und Installateur freiwillig zur Marine meldete und bei der Wehrmacht "eine harte Ausbildung mit viel Drill" zu absolvieren hatte. Marinesoldat Heinrich Cordel wurde U-Boot-Fahrer.
"Die Ernüchterung kam schnell. Wir liefen damals mit vier U-Booten aus, zwei kamen zurück. 68 Monate lang haben 40 000 deutsche U-Boot-Fahrer auf allen Ozeanen der Welt gekämpft. Für 30 000 von uns gab es keine Heimkehr mehr." Heinrich Cordel geriet in englische Gefangenschaft, wie er im Kreis seiner Gratulanten - darunter Bürgermeisterin Christiane Horsch, Kreis-Beigeordneter Helmut Reis und Ortsvorsteher Kurt Heinz - erzählt. "Ich hatte da allerdings eine sehr gute Zeit, weil ich ein guter Sänger war und im neu gegründeten Chor eine Heimat fand. Wir sind sogar in der Royal Albert Hall London aufgetreten."
Als Heinrich Cordel 1947 aus der Kriegsgefangenschaft nach Pfalzel zurückkehrte, da geschah dann das, was ihn "ein Leben lang zu einem glücklichen Mann gemacht hat": Er lernte beim Tanztee in der Klosterschenke seine Katharina kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt seine Frau und wenn man sieht, wie sie ihn heute nach 65 Ehejahren noch ansieht, glaubt man das aufs Wort. "Mein Heinrich ist ein Charmeur und ein ganz wunderbarer Unterhalter."
Zwei Jahre später heirateten die beiden, und als die Bundeswehr in der neuen Republik gegründet wurde, da meldete sich Heinrich Cordel wieder zur Marine und kam nach Wilhelmshaven, wo er als Ausbilder auch englische und amerikanische U-Boot-Fahrer schulte. Sie blieb mit den Kindern in Pfalzel wohnen. "Keine leichte Zeit für uns, aber es ging alles!"
Erst als die drei Kinder schon in der Ausbildung waren, wurde Heinrich Cordel ins Verteidigungsministerium versetzt, und das Ehepaar zog auf die Bonner Hardthöhe, bevor es dann zurück kam nach Pfalzel, wo der Pensionär Cordel viele Jahre das Pfalzeler Bötchen fuhr und sich im Männergesangverein auch als Vorsitzender engagierte. Längst ist er auch Ehrenvorsitzender des Gesangvereins Pfalzel.
Vor 15 Jahren sind die Cordels mit Tochter Anne und Familie nach Issel gezogen, wo sie heute im Grünen wohnen und sich wohl fühlen. sbn