"Es war schlimmer, als ich dachte"

Über mehrere Stunden hinweg kämpften rund 80 Feuerwehrleute am 16. September um den Erhalt eines brennenden Wohnhauses in Fell-Fastrau. Eine junge Familie verlor ihre komplette Wohnungseinrichtung. Doch viel Zeit, um sich von dem Schreck zu erholen, blieb den Betroffenen nicht.

Noch unter dem Eindruck des Geschehens: Raimund Wollscheid vor seinem beschädigten Haus. TV-Foto: Friedhelm Knopp

Fell-Fastrau. (f.k.) Das Gebäude an der Straße "Im Herrengarten" wirkt auf den ersten Blick fast unversehrt. Doch eine Plane auf dem zum Teil offenen Dach, der noch immer beißende Geruch und ein Container voller verkohlten Mobiliars erinnern daran, dass es dort vier Tage zuvor gebrannt hat.

Hauseigentümer Raimund Wollscheid hat sich nach dem Brand Urlaub genommen, um aufzuräumen und um die Schadensabwicklung mit dem Sachverständigen und der Versicherung zu regeln. Auch ein Architekt für den Wiederaufbau des fast zur Hälfte zerstörten Hauses wurde hinzugezogen. Wollscheid wirkt müde. Doch so makaber es klingt: Er und seine Frau Pia haben noch Glück gehabt. Die massive Betondecke zwischen ihrer Wohnung und dem ausgebauten Dachgeschoss verhinderte noch Schlimmeres. "Wir haben nur ein paar Wasserflecken an der Decke, sonst ist alles heil geblieben", sagt Wollscheid.

Die Erinnerung an den Brand-Tag sitzt noch tief. Kurz nach elf Uhr hatte ihn Ortsbürgermeister Helmut Schneiders auf der Arbeitsstelle in Trier angerufen und mitgeteilt, dass sein Haus brenne. Seine Frau sei auch schon informiert. Die anschließende Fahrt nach Fastrau sei bedrückend gewesen. "Doch so schlimm hatte ich es mir doch nicht vorgestellt", erinnert er sich. Wenigstens kehrt für Eheleute Wollscheid nach fast einer Woche so etwas wie Normalität ein. Davon kann das junge Ehepaar Jürgen und Nadine Kopp, in dessen Küche der Brand durch einen technischen Defekt ausgebrochen war, nur träumen. Auch Kopp befand sich auf der Arbeit, als die Nachricht kam - seine Frau weilte mit Tochter Leonie (18 Monate) bei einer Freundin.

"Als ich hier eintraf, musste ich erstmal heulen", sagt sie. Erst eine Stunde nach Brandausbruch traf ihr Mann von der Arbeitsstelle in Baumholder ein. Jürgen Kopp: "Ich hatte in Trier angerufen und erfahren, dass es zwar stark brenne, es aber keinen Personenschaden gebe. Dies war für mich die wichtigste Mitteilung - ich war erleichtert." Der größte Teil der Habe des jungen Paars liegt nun verkohlt in einem Container. Doch die Anteilnahme von Nachbarn und anderen Ortsbewohnern half der Familie über die erste schwere Zeit hinweg. Die Kopps danken allen für die große Hilfsbereitschaft. Zurzeit wohnen sie kostenlos in der Gaststätte "Feller Tal". Die Kaninchen, die das Feuer überlebt haben, sind bei Nachbarn untergekommen. Und nach einem Sammelaufruf im Kindergarten traf säckeweise Kinderkleidung für Leonie ein.

Auch Raimund Wollscheid ist überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft, für die er an dieser Stelle dankt. "Bürgermeister Berthold Biwer von der Verbandsgemeinde und Ortsbürgermeister Helmut Schneiders kamen zur Brandstelle und boten uns spontan Hilfe an", sagt er. Sein Dank gilt aber auch allen beteiligten Feuerwehren, die durch harten Einsatz noch Schlimmeres hätten verhindern können.