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"Es werden nur Kosten produziert"

"Es werden nur Kosten produziert"

In der Kita "Rasselbande" in Gutweiler ist vor zwei Jahren ein Wasserspielplatz mit Handschwengelpumpe und Schlammplatz gebaut worden. Genutzt wurde die mit Regenwasser gespeiste Anlage kaum. Die Kinder könnten sich ja Keime einfangen. Wie weit darf Naturhygiene gehen?

Gutweiler/Trier. Ralf Meyer, Geschäftsführer einer Installationsfirma und Ratsmitglied in Gutweiler, wurde es zu bunt. Er wollte endlich Klarheit vom Land und vom Gesundheitsamt: Wie verhält es sich mit dem naturnahen Wasserspielplatz auf dem Kita-Gelände in Gutweiler? Dürfen die Kinder bedenkenlos Regenwasser aus der Zisterne hochpumpen, Schiffchen in der gemauerten Rinne fahren lassen und mit Förmchen im Matsch spielen?
Schöne Kindheitserfahrung


Wenn es nach dem Land geht, ist die Antwort ein klares Ja. "Wasser genießen, im Matsch waten und spielen gehört zu den schönsten Erfahrungen der Kindheit", heißt es im Leitfaden "Wasser und Natur erleben" des Umweltministeriums. Das Spielmedium Wasser müsse dabei keine Trinkwasserqualität aufweisen. Die Nutzung von Regenwasser war sogar Voraussetzung dafür gewesen, dass die 160 000 Euro teure Außenanlage in Gutweiler mit Wasserspielplatz, Erlebnis- und Klangmauer, Pflanzungen, Barfußpfad und Kletterböschung überhaupt förderfähig war. 22 000 Euro hat Mainz zugeschossen, später weitere 12 000 Euro, als Ortsbürgermeister Günter Jakobs (CDU) in der Landeshauptstadt vorstellig geworden war. Heute ist der kommunale Dreigruppen-Kindergarten in der ehemaligen Grundschule ein Vorzeigeobjekt.
Noch vor zwei Wochen, als die Kita ihr 40-jähriges Bestehen feierte, war das Herzstück der Wasserspielanlage, die Schwengelpumpe, mit einem rot-weißen Absperrband umwickelt. Die Kinder sollten nicht damit spielen, wie auch schon in den Monaten zuvor. Die Anlage sei nur kurz nach dem Bau in Betrieb gewesen, sagt Erzieherin Melanie Rausch. Bei der Abnahme habe das Gesundheitsamt die Anlage wegen der Regenwassernutzung beanstandet und jährliche Untersuchungen gefordert. Daraufhin habe die Kita den Wasserspielplatz quasi stillgelegt. Nur die Feuerwehr sei hin und wieder angerückt, um die Zisterne auszupumpen. Planer Karlheinz Fischer hatte beim Bau der Anlage schon geahnt, dass es Probleme geben könnte. Sicherheitshalber ließ er eine Trinkwasserleitung mitverlegen. Um die in Betrieb zu nehmen, müsste man allerdings Zisterne und Pumpe ersetzen.
Die Anlage in Gutweiler sei nicht verboten worden, sagt Thomas Müller, Sprecher der für das Gesundheitsamt zuständigen Kreisverwaltung. Die Beanstandung sei technischer Natur und habe den Auslauf in Mundhöhe der Kinder betroffen. Es handele sich ja um Brauchwasser, und das sollten die Kinder nicht trinken. Die Hygienerichtlinien verlangten "Badewasserqualität", keine Trinkwasserqualität. Im Übrigen habe die Kita um eine Kontrolle gebeten, sagt Müller. Bei den Trie rer Anlagen werden nach Mitteilung des Presseamtes alljährlich zu Beginn der Saison Wasserproben von den Stadtwerken genommen (Ergebnisse siehe Extra).
Jeden Tag andere Werte


Um den "Disput" mit dem Gesundheitsamt aus der Welt zu räumen, wie er sagt, hat Installateur Ralf Meyer die Zisterne gereinigt und eine Vorrichtung angebracht, damit die Kinder keine Trinkbehälter unter den Auslauf stellen können. Außerdem hat er das Zisternenwasser kürzlich in einem Labor der Stadtwerke Trier analysieren lassen. Bis auf eine Grenzüberschreitung bei den Kolibakterien, die vermutlich von Sandrückständen im geschöpften Wasser herrühre, sei die Qualität in Ordnung, sagt Meyer. Eine jährliche Probenentnahme hält er für unsinnig. "Jeden Tag können die Werte anders aussehen." Nach einem ergiebigen Regenguss seien sie gut, werde mal Vogelkot vom Dach eingespült, seien sie schlecht. Meyer: "Es werden nur Kosten produziert, für die Sicherheit unserer Kinder ist das jedenfalls nicht zuträglich." Eine hundertprozentige Sicherheit auf keimfreies Wasser könne es nur durch den Einsatz einer UV-Lampe oder chemischen Zusätzen wie Chlor geben. Kinder müssten kontrolliert mit Keimen in Berührung kommen, damit ihre Abwehrkräfte gestärkt werden.Meinung

Und die Sandkästen?
Kinder gänzlich vor Kolibakterien schützen zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Es wäre zudem unsinnig, schließlich sind Darmbakterien auch nützlich. Natürlich sollte darauf geachtet werden, dass auf Wasserspielplätzen die Hygieneanforderungen erfüllt werden. Der Gesetzgeber verlangt aber kein Trinkwasser und auch kein gechlortes Wasser wie in Schwimmbädern. Badewasserqualität reicht vollkommen. Hysterie ist also fehl am Platz, auch wenn man die übertriebene Vorsicht so mancher Erzieherinnen gut verstehen kann. Sie sind es nämlich, die den Druck der Kita-Träger, der amtlichen Stellen und nicht zuletzt der Eltern zu spüren bekommen, wenn einem Kind mal was passiert. Wenn der Gesetzgeber aber so weit geht und jedes Jahr Laboranalysen für öffentliche Wasserspielplätze vorschreibt, dann müsste auch jeder Sandkasten getestet werden. Die sind nämlich tausend Mal mehr mit schädlichen Keimen belastet. a.follmann@volksfreund.deExtra

Naturnaher Wasserspielplatz Velterstraße Ehrang: Nutzung von Grundwasser, Anlage ist ausgefallen, derzeit nicht in Betrieb. Eine Wasseranalyse ist vorgesehen, wenn die Ursache der Störung gefunden ist. Matschspielanlage Im Schammat, Trier-Süd: Derzeit wegen zu hoher Keimbelastung außer Betrieb, Wasser kommt von der Benediktinerabtei St. Matthias, nach der Ursache des Ausfalls wird gesucht. Matschspielanlage Mattheiser Weiher, Feyen: Anlage mit Trinkwasser ist in Betrieb, keine signifikante Keimbelastung festgestellt Spielpunkt Olbeschgraben-Tarforst: Anlage mit Trinkwasser in Betrieb, keine signifikante Keimbelastung Wasserspielplatz Petrisberg und SWT-Trinkwasserstele Neukürzenz: Trinkwasser, keine Keimbelastung festgestellt. alf