Tiere : Wo die Esel ein neues Zuhause finden

Sie sind weder störrisch noch dumm, sondern intelligent und anspruchslos. Auf einem abseits gelegenen Hof ist eine Auffangstation für Esel entstanden, die sonst vielleicht in der Salami gelandet wären.

Esel sind keine Pferde. Das ist die erste und wohl auch wichtigste Erkenntnis, die Rosemarie Müller dem Besucher auf dem Hof irgendwo im Niemandsland zwischen Langsur-Metzdorf und Trierweiler-Grewenich vermittelt. Der Hof hat die offizielle Anschrift Zum Galgenberg, liegt etwas abseits von der K 4 und ist Heimat von inzwischen 30 Eseln geworden. „Das ist auch ganz gut so“, sagt Müller. Denn das Iiiiiiiiiiahh der Tiere ist so laut, dass es einem schon den Schlaf rauben kann. Besonders auch deshalb, weil auf das Rufen des einen Esels ein anderer Esel zurückruft. „Das hören wir gar nicht mehr“, sagt Rosemarie Müller.

Bereits 2016 kam Müller gemeinsam mit ihrem Sohn Chris sowie zwei weiteren Tierfreunden von Neuhütten, wo sie sich bereits um Tiere kümmerten, in die Eifel. Doch aufgrund eines lange Zeit ungeklärten Mietverhältnisses in der Nachbarschaft konnten die vier Eselbegeisterten erst vor wenigen Tagen so richtig loslegen. Seitdem wird saniert, gefegt, ausgebaut und hergerichtet. Denn am Wochenende soll das „Eselzentrum am Galgenberg – wo Mensch und Esel sich vertrauen“ offiziell eröffnet werden (siehe Info). Diese Einrichtung ist einzigartig in der gesamten Region.

Womit noch nicht die Frage geklärt ist, was denn die großen Unterschiede zwischen Eseln und Pferden sind. „Da gibt es viele“, sagt Müller und berichtet geduldig davon, dass Eseln eher karges Futter guttut. Eine saftige, grüne Wiese sei hingegen ungesund für die Tiere. Die seien auch nicht störrisch. „Pferde laufen bei Gefahr weg, Esel bleiben erst einmal stehen und analysieren die Situation“, sagt sie. Und älter werden sie auch noch. 40 Jahre könnten die Tiere alt werden. Reittiere sind Esel auch nicht. Dafür fressen sie ungefähr alles. Disteln, Schwarz- oder Weißdorn. Alles kein Problem. Selbst vor gemähten Brennnesseln machen sie nicht halt.

Und wie kommt man zu so vielen Eseln? „Manchmal sind die Halter einfach überfordert mit den Tieren“, sagt Rosemarie Müller. Manchmal sind die Halter auch zu alt, um sich noch um die Esel zu kümmern. Einige Tiere wurden vor dem Metzger gerettet. Wieder andere sind falsch gehalten worden, beispielsweise als Einzeltiere.

 Angefangen haben die Tierfreunde auf dem Galgenberg mit 16 Tieren. Inzwischen sind es 30. Es gebe zwar nach Auskunft der ausgebildeten Pferdewirtin noch mindestens fünf Esel, die ein neues Zuhause suchen. „Doch irgendwann ist auch unsere Kapazität erschöpft“, sagt Müller. Schließlich müsse man sich auch noch um die Tiere kümmern können.

Die Eselfreunde begnügen sich nicht damit, Tiere aufzunehmen und sich um sie zu kümmern. Sie bringen auch Menschen und Esel zusammen. Eselkuscheln nennt sich das. Dabei gehen Menschen zu den Tieren, um ihnen über das Fell zu streichen oder sie zu kraulen. Müller: „Wir hatten auch schon verhaltensauffällige Kinder hier.“ Man habe richtig sehen können, wie sich das Verhalten der Jungen und Mädchen verändert habe. Ebenfalls im Angebot sind Eselswanderungen. Dabei sind dann zwei oder drei Esel mit Gruppen unterwegs.

Bleibt zum Schluss noch eine Frage. Wie finanziert sich das Eselzentrum? Schließlich kostet allein das Futter für die Tiere pro Monat mehr als 1000 Euro. Hinzukommen Tierarztrechnungen, Wasser- und Stromkosten und, und, und ... Dazu sagt Rosemarie Müller, dass kein Verein oder eine Organisation hinter der Einrichtung stehe, sondern nahezu alles von Privatleuten finanziert werde. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Müller, der man anmerkt, wie sie von der Mission Esel beseelt ist.