Esel und Schweine

1000 Dinge unterscheiden sich von Kulturraum zu Kulturraum, darunter auch die Schimpfwörter. Zwar haben sie eins gemeinsam: Meist werden Tiernamen genutzt, um das Gegenüber herabzuwürdigen.

Doch während in Deutschland vor allem das Schimpfwort Schwein verbreitet ist, entfällt in den arabischen Ländern der Löwenanteil unflätiger Bemerkungen auf den Esel. Er gilt als Symbol für die Dummheit.Auch auf höchster Ebene muss der Esel herhalten, häufig wird er für politische Witze benutzt. So erzählt man sich im Irak vom Esel, der versuchte, illegal zu fliehen und vom Geheimdienst geschnappt wurde. Auf die Frage, warum er habe fliehen wollen, antwortete er: "Ich kann die dummen Politiker nicht mehr ertragen." Auffallend schnell lernen viele arabische Flüchtlinge die deutschen Schimpfwörter und nennen sich auch schon mal: "Du Schwein!" Dann lachen sie - während Verunglimpfungen im arabischen Kulturraum schnell in Schlägereien enden. Da frage ich mich: Sind wir noch nicht integriert und reagieren deshalb nicht auf die Beschimpfung als Schwein? Oder sind wir in unserer neuen Umgebung ruhiger geworden?Alle reden über Muslime - von diesen selbst ist dagegen wenig zu hören. Deshalb schildert Ayad Abed Lateef (Foto: privat), ein in Konz lebender gebürtiger Iraker, in dieser Volksfreund-Kolumne, wie er und seine arabischen Freunde Trier erleben. Er erzählt, was hier ganz anders ist als in ihren Herkunftsländern, und findet unerwartete Gemeinsamkeiten. Lateef stammt aus der irakischen Hauptstadt Bagdad und verließ sein Heimatland aus politischen Gründen. Er promoviert an der Uni Trier und möchte später als Journalist arbeiten. Kolumne Neue Heimat