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Eselzentrum Trierer Land bangt um Existenz

Corona-Krise : Jetzt brauchen die Tierfreunde Hilfe

Die Corona-Krise macht auch vor dem Eselzentrum in Langsur nicht halt. Schwere Zeiten für die Betreiber. Wenn es keine Hilfe gibt, stehen sie vor dem Aus. Der TV hat das Zentrum besucht.

Es herrscht sonniges und warmes Wetter auf dem Galgenberg in Langsur. Man betritt das Gelände des Eselhofes und wird gleich mit einem „Iah – iah“ begrüßt. Der Mundschutz wird als allgemeiner Schutz angezogen und schon öffnet Rosemarie Müller mit einem „Herzlich Willkommen“ das große Eingangstor.

Sie zeigt un zunächst das ganze Gelände und gibt uns einen Einblick in das Tierleben und die Arbeit im Zentrum. Das Eselzentrum bietet Tieren, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr gewollt waren, aus schlechter Haltung kamen und vom Veterinäramt beschlagnahmt wurden oder aus anderen Gründen nicht mehr bei ihren Vorbesitzern bleiben können, ein sicheres Zuhause.s

Wir starten den Rundgang bei den Eseln und Mulis und kommen an den Gänsen und Laufenten vorbei. Immer wieder begegnen uns Katzen und die Hühner mit ihrem Hahn, welche frei herumlaufen. Was auf den ersten Blick so fröhlich aussieht, ist auf dem zweiten Blick jedoch bitterer Ernst. Das Eselzentrum, das von einem gemeinnützigen Verein getragen wird, hat schwer mit der Corona-Krise zu kämpfen.

Vor dem großen Stall liegt frisch geliefertes und abgedecktes Holz, um weitere Überdachungen zu bauen. „Eigentlich sollten in diesen Tagen die Arbeiten für ein neues Dach beginnen, doch das ist im Moment nicht möglich“ erklärt Müller – die Eselmutti, wie sie sich selbst nennt. Wir gehen durch den großen Stall in den Innenhof. „Normalerweise haben wir hier unsere Bierzeltgarnituren stehen und empfangen zahlreiche Besucher. In der Mitte des Hofes ist unser kleiner Kiosk, doch im Moment steht alles still und niemand ist da“, sagt sie.

Auf dem Hof kann man das ganze Jahr über an Wanderungen mit den Tieren teilnehmen, es findet regelmäßig das beliebte Schmusen mit den Eseln und Mulis statt und viele weitere saisonale Veranstaltungen. „Es triff nicht nur uns Pfleger hart, auch die Tiere spüren, dass es anders ist und vermissen die Menschen“, ist sich Müller sicher.

In diesem Frühjahr hätten auch Kooperationen mit sozialen Einrichtungen im Landkreis Trier-Saarburg starten sollen. Das Zentrum hätte die Sommerfreizeiten unterstützen sollen, doch daraus wird nun erst einmal nichts. Alles steht still und es kann nicht weiter geplant werden. Somit fallen auch weitere Zuschüsse und Finanzierungen aus.

Deshalb stehen Rosemarie Müller und ihr Team vor einem großen Problem. „Nachdem bekannt wurde, dass wir auch unser Zentrum nicht mehr öffnen dürfen, habe ich mich ans Telefon gesetzt und die Behörden abtelefoniert, um Unterstützung zu erhalten“, erklärt die Betreiberin. Doch sie wurde von einer Zuständigkeit zur anderen weitergeleitet und niemand zeigte sich verantwortlich. Das Eselzentrum ist ein gemeinnütziger Tierschutzverein. Schriftlich heißt es von der Landesregierung „Die üblichen Zuschüsse für solche Einrichtungen laufen regulär weiter. Weiter gehende Maßnahmen sind derzeit nicht geplant.“ Doch das reicht laut Müller nicht. Durch die Schließung fehlten Einnahmen.

Während des Gesprächs kommen wir zum jüngsten Bewohner des Hofes: „Melody“. Sie steht bei ihrer Mutter „Bonnie“ und ihrer Tante „Missy“. „Das ging im Januar ganz schnell. Innerhalb von fünf Minuten wurde „Melody“ geboren zu einer Zeit, als noch niemand von uns Pflegern damit gerechnet hatte“, freut sich Müller. Da der nötige Unterstand und Schutz für den Rück­zug noch nicht gebaut war, wurde das in einer Nacht- und Nebelaktion nachgeholt. Heute zu Ostern geht es dem Neugeborenen sehr gut und es ist putzmunter. „Das wäre jetzt eigentlich unser Highlight für unsere Besucher. Viele Kinder würden sich an unserer ‚Melody’ erfreuen und mit ihr schmusen“, erzählt die Eselmutti wehmütig. Sie macht viele Bilder von der kleinen Familie und stellt diese zumindest online, so dass sich viele daran erfreuen können.

Zum Abschluss kommen wir an den Heuvorraten vorbei. „Dank großzügiger Spenden haben wir erneut acht neue Heuballen bekommen. Das ist für uns schon mal viel wert. Aber auch das Futter ist irgendwann mal leer und dann wissen wir nicht mehr weiter“, sagt Müller und muss schlucken. „Neben dem Futter haben wir laufende Kosten, die monatlich gedeckt werden müssen. Hohe Ausgaben an Medikamenten und der Pflege fallen an.“

Das ganze Team, welches mit großem Herzblut an den Tieren hängt, ist nun auf Geld- und Futterspenden angewiesen. „Sonst müssen wir in wenigen Wochen komplett schließen“, sagt Müller. „Wir wissen dann nicht mehr, wie es weiter gehen soll!“

Doch sie bleibt zuversichtlich: „Viele kennen uns, viele haben schon geholfen. Normalerweise helfen unsere Tiere in vielen sozialen Projekten, nun müsst ihr unseren Tieren helfen.“