Et leit Betglock, et leit …

Et leit Betglock, et leit …

Weil der Legende nach die Glocken an Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier nach Rom "fliegen", sagen die Rubbel-Kinder in Fell den Menschen die Tageszeit an. Und zwar insgesamt sechs Mal.

Fell. Trotz Ferien sind 40 Jungen und Mädchen aus Fell am Karfreitag und am Ostersamstag schon in aller Herrgottsfrühe auf den Beinen. Um halb sieben ziehen zehn Gruppen durch die Straßen des Ortes. Und wieder zur Mittagszeit und um 18 Uhr. Das lautstarke Rubbeln wird von Rufen begleitet. Morgens schreien die Kinder: "Et leit Betglock" (Es läutet Betglocke.). Mittags heißt es: "Et leit Mittich de Grumbeern sin mill." (Es läutet Mittag, die Kartoffeln sind gar.)Küsterin Klara Krämer kümmert sich darum, dass alles reibungslos abläuft. "An Gründonnerstag erklingen bis zur Auferstehungsfeier zum letzten Mal die Orgel und die Glocken", erläutert Krämer. Der Legende nach heißt es, dass sie nach Rom geflogen seien. Traditionell sagen dann anstelle der schweigenden Glocken Kinder und Jugendliche durch Holzraspeln die Tageszeiten an, früher wiesen sie auf die Gebetsstunden hin. Am Samstag werden die Rubbel-Kinder noch ein zusätzliches Mal von Haus zu Haus ziehen, um ein frohes Osterfest zu wünschen und um eine kleine Gabe zu bitten. "Wie heißt der Spruch noch mal", möchte Michael wissen. "Glück ent Haus, Ostereier raus", entgegnet die Küsterin. Die Geldspenden kommen in die Messdienerkasse, Süßigkeiten und Ostereier sind der Rubbellohn für die fleißigen jungen Leute, die den Brauch hochhalten. Extra "Rubbeln": Die Bezeichnung für diesen österlichen Brauch ist von Ort zu Ort verschieden. Er wird auch als Kleppern, Klappern, Raspeln oder Ratschen bezeichnet.

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