Euren und Zewen unter einer Decke

Euren und Zewen unter einer Decke

Wo sollen in Trier neue Flächen für Wohngebiete entstehen? Im Streit um den Flächennutzungsplan gibt es Entwicklungen: Euren und Zewen wollen ihre herzliche Rivalität überwinden und mit einem Neubaugebiet entlang der Bahnstrecke zusammenwachsen.

Korrektur vom 3. Juli 2015
Keine Sondierungsgespräche zum Flächennutzungsplan und die Alternativvorschläge dazu hat es offiziell zwischen den Ortsbeiräten Mariahof und Feyen gegeben. Anders als am Freitag im Artikel "Euren und Zewen unter einer Decke" berichtet, hat lediglich die Bürgerinitiative "Gegen den Landfraß in Trier - Brubacher Hof" Gespräche mit Vertretern der SPD Mariahof und Rainer Lehnart, SPD-Sprecher im Dezernatsausschuss IV, geführt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. red

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In einer gemeinsamen Sitzung haben die Ortsbeiräte der Trierer Stadtteile Euren und Zewen am späten Mittwochabend eine historische Entscheidung getroffen: Einstimmig beantragen sie die Ausweisung eines großen Baugebiets zwischen den beiden Orten. Es würde die bislang in herzlicher Konkurrenz befindlichen Stadtteile zusammenwachsen lassen.Neue Straße zur Erschließung

Die laut Auskunft des Stadtplanungsamtes 50 Hektar große Fläche soll nach dem einstimmigen Votum der beiden Räte im neuen Flächennutzungsplan für Wohnbebauung vorgesehen werden. Abzüglich der notwendigen Straßen- und Abstandsflächen blieben etwa 30 Hektar für Baugrundstücke übrig. Die bislang geplanten und heftig umstrittenen Flächen im Bereich des Moselvorlandes sollen dafür unangetastet bleiben. Dort haben unter anderem die Bauern Grundhöfer und Greif ihre Felder.

Wie die Ortsvorsteher Christoph Schnorpfeil (Zewen) und Hans-Alwin-Schmitz (Euren) deutlich machten, ist allerdings eine eigenständige Verkehrserschließung des riesigen Areals von der Luxemburger Straße aus Voraussetzung für die Ausweisung und Erschließung des verbindenden Neubaugebiets. Dazu ist eine Querung der West-Bahnstrecke zum Beispiel im Bereich der Gottbillstraße notwendig, was von der Stadtverwaltung bislang aus Kostengründen grundsätzlich abgelehnt wird. "Unser Bahnübergang in Zewen verträgt einfach keinen zusätzlichen Verkehr", argumentiert Christoph Schnorpfeil.

Die vom Zewener Ortsvorsteher initiierte Grundsatzentscheidung der beiden Räte ist auch deshalb bedeutend, weil am 31. Juli der Gesamtausschuss IV in einer "kleinen" Klausurtagung noch einmal grundsätzlich über Kompromisse für den Entwurf des Flächennutzungsplanes Trier 2025 diskutieren wird. Am Samstag, 15. September, wird dann die große Tagung folgen, an deren Ende die geänderten Eckpunkte für das Planwerk feststehen sollen.

Wesentliche Streitpunkte sind dabei neben der bisherigen Planung von insgesamt 35 Hektar Wohnungsbaufläche in Zewen auch die von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen 37 Hektar im Bereich Mariahof/Brubacher Hof. Gegen die schrittweise Bebauung des bislang landwirtschaftlich genutzten Gebietes gibt es heftigen Protest von Anwohnern, Landwirten und Umweltschützern. Sie haben sich in der Bürgerinitiative "Stoppt den Landfraß in Trier - Brubacher Hof" zusammengeschlossen und mit Unterstützung des CDU-Ortsverbandes eine alternative Nutzung von 13 Hektar im Bereich oberhalb der Härenwies bei Trier-Feyen vorgeschlagen. Kein Protest in Ruwer

Eine dritte große Fläche für Neubaugebiete ist in Trier-Ruwer im Zentenbüsch vorgesehen. Gegen die Aufnahme dieser 32 Hektar großen Fläche am Rande zur Gemarkung Kenn gibt es keine Proteste. Der Ortsbeirat begrüßt das Vorhaben sogar, sofern die damit verbundenen Verkehrsprobleme gelöst würden.

Insgesamt sieht die Stadtverwaltung in den kommenden zwei Jahrzehnten einen Bedarf von 8500 Wohnungen in Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern in Trier. 120 Hektar Bauland wären dafür erforderlich.

Baudezernent Andreas Ludwig besucht derzeit alle Stadtteile, um sich ein Bild von diesen zu machen - auch für die Diskussion um den Flächennutzungsplan. Gestern Abend war er zu Gast bei einem Treffen des Ortsbeirats Mariahof.Extra

Ein Flächennutzungsplan (FNP) ist kein Bauplan, sondern ein "vorbereitender Bauleitplan". Darin wird für die Zukunft festgelegt, wie eine Kommune ihre Flächen nutzen will. Also beispielsweise: Wo soll künftig Platz fürs Wohnen sein, für Verkehr, für Handel und Gewerbe, wo darf sich die Natur ausbreiten und wo darf es Sondernutzungen geben? Wenn solch eine Nutzung im Plan erst einmal festgelegt ist, muss sich die Stadt bei ihren künftigen Bebauungsplänen und Baugenehmigungen an die vorgeschriebene Nutzung der Flächen halten. In den Flächennutzungsplan werden darüber hinaus die Ziele des Landschaftsplans und der Stadtklimaanalyse integriert. Der derzeit gültige Flächennutzungsplan der Stadt Trier stammt aus dem Jahr 1982 und ist stark überarbeitungsbedürftig. Um den Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan Trier 2025 gibt es heftige Diskussionen, vor allem um die vorgesehenen neuen großen Areale für Wohnbebauung in Mariahof, Ruwer und Zewen. mic/r.n.

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