Europa zum Anfassen

"Europäische Toleranzakademie" - unter diesem Motto tauschten Schüler der Trierer BBS Wirtschaft, Schüler eines französischen Gymnasiums aus Lille und eine italienische Berufsschulklasse aus Bergamo ihre heimatlichen Schulbänke gegen die Europäische Akademie Otzenhausen.

Trier. (red) Ziel der multinationalen Studienfahrt war es, ein interkulturelles Treffen zwischen den Schülern zu organisieren, damit diese andere Kulturen besser kennenlernen und Toleranz gegenüber kulturellen Unterschieden einmal praktisch im Alltag anwenden können. Unterschiedliche Schulsysteme, Bräuche, Religion, Umweltschutz und Familientraditionen waren nur einige der heiß diskutierten Themen. Dabei stellten die Schüler fest, dass es trotz eines geeinten Europas erhebliche Unterschiede gibt. Vier Dolmetscherinnen übersetzten simultan, während sich die Schüler bei den Gruppenarbeiten auch mit Händen und Füßen verständigten. "Es war erstaunlich, wie schnell die Schüler Wege fanden, die Sprachbarrieren zu überwinden", sagte Ilka Polzin, Sozialkunde-Lehrerin an der BBS Wirtschaft. "Welchen Beitrag leisten Gleichheit, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte zur Toleranz?" war eine der Aufgaben, die erarbeitet wurden. Die Schüler diskutierten die landesspezifischen Aspekte und Schwerpunkte, tauschten Informationen aus und erklärten sich die landestypischen Ausprägungen der einzelnen Begriffe. Ein Highlight des Seminars war eine Exkursion zur Europäischen Kommission nach Luxemburg. Ein auf Europarecht spezialisierter Anwalt präsentierte aktuelle Fälle aus der Praxis. Ob Namensgebung oder Fahren in der EU mit einem deutschen Führerschein - den Jugendlichen wurde schnell klar, dass auch sie unmittelbar von Europa betroffen sind. Eine eigenständig entwickelte Umfrage der Schüler unter Passanten in der Luxemburger Innenstadt im Anschluss zeigte, dass nur wenige Bürger ausreichend über die EU informiert sind und Freiheit sowie Gleichheit für viele Bürger zwei der wichtigsten Pfeiler für Toleranz sind. Nach einer Woche Multi-Kulti-Studienfahrt stand für die Trierer Schüler fest: Anstatt nur über Toleranz und Europa in der Schule zu reden, ist es viel interessanter und lehrreicher, am eigenen Leib erfahren zu haben, wie die EU jeden persönlich direkt betrifft.