Europahalle in Trier: Zwei Jahre Gnadenfrist für das sanierungsbedürftige Gebäude

Europahalle in Trier: Zwei Jahre Gnadenfrist für das sanierungsbedürftige Gebäude

Die Schließung der Europahalle nach dem 31. Dezember 2017 ist offenbar vom Tisch. OB Wolfram Leibe und Baudezernent Andreas Ludwig wollen "übergangsweise" den Weiterbetrieb um zwei Jahre ermöglichen. Was nach dem 31. Dezember 2019 aus der Halle wird, ist derzeit völlig offen.

Triers OB Wolfram Leibe ist normalerweise nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Aber beim Stichwort Europahalle fällt es ihm sichtlich schwer, die Contenance zu wahren. Was ihm nicht über die Lippen kommt, verrät sein grimmiger Blick: Noch so ein ärgerliches Problemfeld, das er "geerbt" hat, obwohl seit vielen Jahren klar ist, was da aufs Rathaus zukommt.

Am 31. Dezember 2017 laufen elementare vertragliche Bindungen aus. Dann ist die Trierer Bürgerverein AG nicht mehr Pächter und das Penta-Hotel nicht mehr Betreiber der Stadthalle. Die fällt dann an die Stadt zurück, die damit ein dickes Problem hat: Die Halle kann nach jetzigem Stand nicht weitergenutzt werden. Es sei denn, sie würde gründlich auf Vordermann gebracht.
OB Leibe bestätigt "die absolut unbefriedigende Situation, für die es längst eine Lösung geben müsste". Gibt es aber nicht, und so wird auch dieser Fall "Chefsache" - der bislang zuständige Dezernent Thomas Egger ist vorletzte Woche abgewählt worden.

Ganz untätig war Egger in Sachen Europahalle aber nicht, denn er hat das Münchner Unternehmen Bevenue (spezialisiert auf Beratung für Veranstaltungsstätten) beauftragt, Entwicklungsszenarien zu erarbeiten. Die Expertise ist im vergangenen Mai in Ausschüssen vorgestellt worden und hat mittelschweres Entsetzen ausgelöst.

Eine Revitalisierung, also Generalsanierung und Modernisierung, würde rund zehn Millionen Euro kosten. Zahlen zu den weitergehenden Szenarien - Teilneubau oder Abriss/Neubau - gibt es nicht. Wohl aber ein Bekenntnis des Stadtoberhaupts: "Wir brauchen eine Stadthalle, ganz klar. Aber erst müssen wir wissen, was dort stattfinden soll." Leibe und Baudezernent Andreas Ludwig sind "zunächst bestrebt, die Möglichkeit des Betriebs zu verlängern. Dazu wird es intensive Beratungen mit der Feuerwehr und der Bauaufsicht geben." Angepeilt seien zwei Jahre.

Damit hätten Veranstalter fürs Erste Planungssicherheit. "Buchungsanfragen für Gastspiele etwa von Jürgen von der Lippe und Eckart von Hirschhausen für 2018 konnten wir bislang nicht bestätigen, weil wir ja nicht wissen, ob und wie es weitergeht", sagt Alexandra Meusel (31), Veranstaltungsleiterin von Europahalle und Penta-Hotel.

Popp-Concerts-Geschäftsführer Oliver Thomé (38) ist noch skeptisch: "Erst einmal abwarten, unter welchen Bedingungen die Halle weiter bespielt werden kann. Unseres Erachtens muss es beim Fassungsvermögen von 2000 Besuchern unbestuhlt wie bei Guildo-Horn-Konzerten und 1200 bestuhlt bleiben, sonst lässt sich nicht wirtschaftlich arbeiten.

Auch für den Stadtvorstand ist die Betriebsverlängerung wichtig - um, wie Leibe sagt, "in Ruhe endlich eine vernünftige Lösung zu finden, ob und wie es mit der Europahalle weitergeht".

Die Betreiberfrage scheint das kleinste Problem. So könnte etwa die Messe- und Veranstaltungs-GmbH (MVG), die den Betrieb von Arena und Messepark managt, einspringen. Schwierig wird's bei den Kosten: Mit Zuschüssen etwa für eine Sanierung darf die Stadt nicht rechnen.Meinung

Zukunft ungewissAls die Europahalle 1977 in Betrieb ging, brachte sie Trier einen Hauch von großer weiter Welt. Endlich ein Ersatz für den abgerissenen Treviris-Saalbau, endlich gab's auch große Nummern in der Provinz zu bestaunen. BAP und Lindenberg spielten in den 80ern vor deutlich mehr als 2000 Leuten. Die Trierer kamen in den Genuss des Heimspiels eines gewissen Ernst Ulrich Deuker aus Mariahof, der als Bassist der Berliner Neue-Deutsche-Welle-Band Ideal Furore machte. Aus Popfan-Sicht war's tatsächlich ideal, während es den Verantwortlichen im Rathaus langsam dämmern musste, dass der Laden seine finanziellen Tücken hat. Mit 40 gilt die Stadthalle längst als Veranstaltungsstätten-Zombie. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sie überhaupt eine Zukunftschance hat. r.morgen@volksfreund.deExtra

Auch wenn's von außen nicht so aussieht: Die Europahalle ist ein Sanierungsfall. TV-Foto: Roland Morgen. Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Die Europahalle Trier wurde nach zweijähriger Bauzeit am 1. Oktober 1977 eröffnet. Für die Stadt schien das moderne Veranstaltungs- und Kongresszentrum ein echtes Schnäppchen zu sein. Die 16,1 Millionen Mark Baukosten (8,23 Millionen Euro) trug zu 80 Prozent das Land. Aus dem Stadtsäckel flossen umgerechnet rund 1,64 Millionen Euro. Doch seit 1994 waren mehrfach große Investitionen für Modernisierung und Sanierung nötig, für die allein die Stadt aufkam. Inzwischen liegen die geleisteten Ausgaben für Instandhaltung plus Betriebskostenzuschuss von jährlich 200 000 Euro deutlich höher als die ursprüngliche Bausumme. Die baulichen Verhältnisse sind aus heutiger Sicht ebenso schwer nachzuvollziehen wie das Betreibermodell. Küche und Restaurant des Penta-Hotels gehören zur Europahalle, sind also städtisch. Pächter der Europahalle ist die Trierer Bürgerverein AG (inzwischen im Alleinbesitz der Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung), betrieben wird sie vom Penta-Hotel. Diese vertraglichen Bindungen laufen am 31. Dezember 2017 aus. Dann fällt die Europahalle an die Stadt zurück. rm.

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