Exhaus Trier: Sanierung wird noch Monate dauern – Festival in den Sommer verschoben

Trier · Die Stadt Trier kämpft darum, das Exhaus und damit ihr beliebtestes Jugendkulturzentrum ohne wirtschaftlichen Zusammenbruch durch die nächsten Monate zu bringen. „Bunker Bebt“, das Traditionsfestival der härteren und lauteren Töne, wird im Januar nicht stattfinden – dafür aber als Open Air in den Sommer wandern.

 Laute Party: Das Musik-Festival “Bunker Bebt„ fand seit 1994 am ersten Samstag im Januar statt. Doch 2016 ist damit Schluss - vorerst. TV-Foto: Archiv/Frank Göbel

Laute Party: Das Musik-Festival “Bunker Bebt„ fand seit 1994 am ersten Samstag im Januar statt. Doch 2016 ist damit Schluss - vorerst. TV-Foto: Archiv/Frank Göbel


Der Brandschutz hat das Exhaus als Konzert- und Partystätte vorerst verbrannt. Die Stadt Trier, Besitzerin des Gebäudes, hat die maximal zulässige Zuschauerzahl wegen Brandschutz- und Sicherheitsbedenken stark beschränken müssen. Die Besucherzahl im Keller wurde halbiert und im Balkensaal im ersten Stock sogar gedrittelt. Nur noch 350 Fans dürfen rein.

Viele Partys und Konzerte, die das Exhaus seit Jahren zum Mittelpunkt vieler Terminplanungen machen, lohnen sich deshalb nicht mehr, die Veranstalter springen ab. In der Sommersaison konnte der Innenhof noch vieles auffangen, aber im Herbst und Winter sind die inneren Qualitäten des historischen Gebäudes an der Zurmaiener Straße gefragt.
Die Stadt Trier hat die Exhaus-Krise zwar aus Sicherheitsgründen auslösen müssen, tut aber dennoch alles, um das Zentrum zu unterstützen. "Wir sind sehr nahe dran an einer Ersatzspielstätte für die kalten Monate", sagt Ralf Frühauf vom Trierer Presseamt. Noch sei nichts unterschrieben. "Aber es sieht gut aus. Wir setzen alles daran, dass es klappt."

Ein alternativer Spielort für Exhaus-Projekte würde den selbstständigen Betreiberverein finanziell gewaltig stärken und entlasten, während die Stadt die Sicherheitsmängel im Exhaus Schritt für Schritt behebt, um dem Jugendkulturzentrum wieder seine alten Kapazitäten zurückzugeben. Der Aufwand zur Erfüllung aller Brand- und Sicherheitsauflagen in allen Teilen des Gebäudes ist gewaltig und wird Monate dauern. Die Regie als Architekt führt Dominik Heinrich, Mitglied der Grünen-Fraktion im Stadtrat und Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld. "Wir ermitteln den Aufwand und tasten uns an die Kosten ran", sagt Heinrich. "Die finalen Entscheidungen treffen dann die Verwaltung und natürlich der Stadtrat."

Eine finale Entscheidung ist bereits gefallen. "Bunker Bebt" ist seit mehr als 20 Jahren eines der gefragtesten und wichtigsten Live-Festivals für regionale Spezialisten der lauteren und härteren Musik. Es findet traditionell im Januar in allen Exhaus-Räumen statt - jedoch nicht im Jahr 2016. Mit maximal 350 erlaubten Fans kann kein Bunker beben.
Die Musiker des Bunkers trafen sich am Montagabend mit Organisator Rino Dzur vom Exhaus, um eine Lösung zu finden. Sie waren erfolgreich.

"Die Stadt bietet uns an, das Festival im Juni oder Juli im Innenhof zu machen", sagt Dzur. Zwar bietet der Hof nur eine statt der bisher gewohnten drei Bühnen, doch auch hier gibt es Hoffnung. Je nach dem Baufortschritt im Exhaus könnte eine zweite Bühne im großen Exil oder im Balkensaal dazukommen.

Die Bands finden die Idee offenbar gut. "Das Votum am Montagabend war einstimmig", sagt Dzur.

Schlagzeuger Michael Weber (20) spielt in gleich zwei Bunker-Bands, Surface Sky und Anderland. Er sagt: "Das Festival Bunker Bebt hat für die regionale Musikszene eine hohe Bedeutung, es ist ein wichtiges Aushängeschild. Zum einen sind die Auftrittsmöglichkeiten in Trier mehr als begrenzt, wodurch es gerade jungen Bands schwerfällt, sich einen Bekanntheitsgrad zu erspielen. Zum anderen ist Bunker Bebt immer eine Veranstaltung gewesen, bei der sich Veteranen und junge Punkrocker beweisen konnten. Ein Treffen völlig unterschiedlicher Fans und Musiker."

Der Name "Bunker Bebt" bezieht sich auf das Ludger-Kern-Haus in der Karl-Grün-Straße. Dieser ehemalige Luftschutzbunker wurde Anfang der 90er in ein Domizil für Bands aus der Region Trier umgewandelt und nach dem verstorbenen Trierer Blues-Musiker Ludger Kern benannt. 24 Proberäume bietet der Bunker, die regelmäßige Heimat von 35 lokalen und regionalen Bands sind. 1994 feierte das Festival im Exhaus Premiere. 2014 kamen 900 Fans und 24 Bands zum 20-jährigen Bestehen, 2015 waren es 750 Fans und 20 Bands.