Fähigkeit zur Selbsthilfe stärken
"Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist kein isoliertes Einzelschicksal, sondern ursächlich verantwortlich für sexualisierte Gewalthandlungen von Männern an Frauen ist das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern", so Ingrid Gödde vom Frauennotruf in Trier. Der Frauennotruf legte seinen Jahresbericht 2006 vor.
Trier. (red) "Sexualisierte Gewalt" umfasst alle Äußerungen und Handlungen, die Frauen und Mädchen in ihrer Würde und Integrität erniedrigen und verletzen. Mit "sexualisiert" wird deutlich gemacht, dass Handlungen, die kulturell mit Sexualität assoziiert werden, als Mittel zur Demütigung und Unterwerfung von Frauen eingesetzt werden", so Ingrid Gödde vom Frauennotruf Trier. Auf der Basis dieser Sichtweise arbeitet der Notruf Trier seit 15 Jahren und bietet betroffenen Frauen und Angehörigen individuelle parteiliche Unterstützung an und verdeutlicht durch eine engagierte Öffentlichkeits-, Bildungs- und Präventionsarbeit die gesellschaftliche Dimension von Gewalt an Frauen. 114 erstmalige Notrufe im Jahr 2006
Im Jahr 2006 haben sich insgesamt 114 Personen erstmalig im Zusammenhang einer sexualisierten Gewalttat mit dem Notruf telefonisch in Verbindung gesetzt. Meistens sind es die betroffenen Mädchen und Frauen selbst, die Kontakt aufnehmen, aber auch Angehörige, Freunde und Freundinnen, die um Unterstützung nachfragen, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Institutionen, die Fragen haben und um Informationen bitten. Betrachtet man die Ursachen beziehungsweise Anlässe, weswegen Personen mit dem Notruf Kontakt aufgenommen haben, so wird deutlich, dass der überwiegende Teil (29 Anrufende) sich aufgrund von sexualisierter Ausbeutung (in der Kindheit und aktuell) meldete. 21 Anrufe erfolgten wegen Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung sowie sexueller Nötigung. Eine weitere Gruppe der Anrufenden (insgesamt 35) berichtete von sexualisierten Belästigungen, erlittenen Misshandlungen und massiver Bedrohung - häufig in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt. Dabei nehmen vor allem Frauen zwischen 21 und 50 Jahren Kontakt zum Notruf auf. Die von den anrufenden Personen benannten Täter kommen zu 86 Prozent aus dem nahen sozialen Umfeld wie Vater, Bruder, Onkel, Cousin, Bekannter, Ehemann oder Freund.Möglichkeit der persönlichen Beratung
Neben der telefonischen Beratung bietet der Notruf betroffenen Frauen und Mädchen auch die Möglichkeit der persönlichen Beratung in der Beratungsstelle (zum Beispiel Gespräche, Begleitung zu Polizei und Gericht). Die Stärkung der Selbsthilfepotenziale von betroffenen Frauen ist ein wichtiges Anliegen des Notrufs. Auch im Jahr 2006 konnte eine neue Selbsthilfegruppe für Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt und überlebt haben, gegründet werden. Die Auswertung aller durchgeführten Präventions- beziehungsweise Fortbildungsveranstaltungen bescheinigte dem Frauennotruf eine hohe Fachkompetenz zum Thema "Sexualisierte Gewalt" und belegte eindrucksvoll, dass von den Teilnehmerinnen ein großer Bedarf an Aufklärung sowie weiterführenden Trainings mit Angeboten wie Selbstbehauptung und Selbstverteidigung gesehen wurde.