Fahndung auf Schornsteinen

TRIER. Bis Ende April soll die Ursache der in Pfalzel gemessenen Schadstoff-Niederschläge feststehen – das verspricht die rheinland-pfälzische Umweltministerin Margit Conrad (SPD). Die Zentrale Expertengruppe Umweltschutz (Zeus), eine mobile Sondereinheit des Landesumweltamtes, überprüft alle als Verursacher in Frage kommenden Firmen im Trierer Hafen.

"Wir können den Termin halten", bestätigte gestern Ministeriumssprecher Wolfgang Raber. "Die Expertengruppe sitzt gewissermaßen auf den Schornsteinen im Trierer Hafen, um die Quelle der Schadstoff-Belastungen zu finden."Die Spezialisten von Zeus - die Gruppe besteht aus Ingenieuren und Naturwissenschaftlern - überprüfen auch das Trierer Stahlwerk und die Recyclingfirma Theo Steil GmbH. Beide stehen als große metallbearbeitende Unternehmen im Trierer Hafen in der Kritik, die Schadstoff-Belastungen zu verursachen oder maßgeblich zu ihnen beizutragen. Die Unternehmen wiesen diesen Vorwurf bisher zurück.

Zu hohe Werte in Pfalzel und im Hafen

Das Landesumweltamt hatte von Juni 2005 bis Oktober 2005 Luftschadstoff-Messungen im Gebiet und Umfeld des Trierer Hafens durchgeführt. Die Standorte der Mess-Stationen schlossen die maßgeblichen Betriebe im Hafen ein und erfassten auch benachbarte Wohngebiete.

Über den gesamten Zeitraum sind am Messpunkt Trierer Hafen keine Überschreitungen der europäischen Luftgrenzwerte aufgetreten. Doch der Niederschlag - Verunreinigungen, die sich aus der Luft im Boden ablagern - von Blei und seinen Verbindungen überschritt in Pfalzel und im Hafengebiet den Grenzwert deutlich, im Juni 2005 im Hafen fast um das Sechsfache.

Das Gesundheitsamt Trier-Saarburg will den Anwohnern in Abstimmung mit den Umweltministerium freiwillige Blutuntersuchungen anbieten. Der Blutbleigehalt von 50 Menschen in Pfalzel soll kontrolliert werden, um zu bestätigen oder zu widerlegen, dass die gemessenen Schadstoffe die Gesundheit der Anwohner gefährden. Der Termin: Samstag, 29. April, von 10 bis 14 Uhr im Amtshaus in Pfalzel (Residenzstraße 37). Eine Anmeldung unter 0651/715552 ist notwendig.

Ortsbeirat Biewer fordert Messungen

Nicht nur Pfalzel ist betroffen. Sorgen macht man sich auch in den Stadtteilen Biewer, Ehrang und Ruwer. Der Ortsbeirat Biewer forderte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig Schadstoffmessungen. Anwohner von Ruwer berichten von dunklen Wolken über dem Trierer Hafen, einem rußigen Geruch und gelegentlichen Staubfilmen auf Autos und Fensterbänken.

Das Ergebnis der Zeus-Ermittlungen könnte Auswirkungen auf das Genehmigungsverfahren haben, auf dessen Ergebnis das Trierer Stahlwerk mit Spannung wartet. Laut Mitteilung der Geschäftsführung geht es um eine grundlegende Sanierung der gesamten Anlage. Ziel sei eine "höhere Produktivität mit geringeren Umweltauswirkungen". Im Mai soll das Genehmigungsverfahren abgeschlossen werden.