Fahrer vergisst dreijähriges Mädchen im Bus

Fahrer vergisst dreijähriges Mädchen im Bus

Ein dreijähriges Mädchen aus Echtershausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist auf seiner Heimfahrt im Kindergartenbus vom Fahrer übersehen und deshalb nicht nach Hause gebracht, sondern samt Fahrzeug auf dem Betriebshof abgestellt worden. Während der Vater voller Sorge an der Haltestelle wartet, sitzt das Kind allein und verzweifelt im Bus.

Echtershausen. Noch immer hat Marco Fleckner aus Echtershausen das Bild der weinenden Tochter vor sich, die völlig verstört und alleine im Bus sitzt. Fast hätte er mit einem Stein die Scheibe eingeschlagen, um die Dreijährige zu befreien, doch dann sah er, dass das Fenster der Fahrertür offen war. So konnte der Vater die kleine Kim ohne Gewalt aus dem Bus holen. Wobei eine eingeschlagene Scheibe für ihn noch die kleinste Sorge gewesen wäre. Verglichen mit dem, was er davor durchmachte.
Vater Fleckner hatte an der Bushaltestelle in Echtershausen auf die Ankunft der Tochter gewartet. Diese besucht die Kita in Wißmannsdorf und steigt auch an diesem Freitagnachmittag in den kleinen Bus, der die Kinder nach Hause bringt. Da nicht immer die gleichen Kinder mitfahren und deswegen auch nicht immer alle Orte angefahren werden müssen, sind die Ankunftszeiten in den Heimatorten unterschiedlich. So macht sich Fleckner zunächst auch noch keine Gedanken, als der Bus gegen 16.45 Uhr noch nicht in Echtershausen angekommen ist. Eine Viertelstunde später ruft der besorgte Vater dann aber im Kindergarten an. Der hat bereits geschlossen. Nach einigen Telefonaten und einer weiteren Viertelstunde hat Fleckner schließlich den Fahrer und Chef des Busunternehmens am Hörer. Der ist völlig überrascht: Er sei bereits auf der nächsten Tour - jedoch mit einem anderen Bus. Den Kindergartenbus habe er zuvor auf dem Betriebshof in Hermesdorf abgestellt. Vater Fleckner steigt umgehend ins Auto und rast nach Hermesdorf. Als er völlig aufgelöst dort ankommt, sieht er im Bus die verzweifelte Tochter. Wenig später kommt auch der Busfahrer, der seine Tour abgebrochen hat.
Vater und Tochter sind mit den Nerven am Ende, doch der Busunternehmer bleibt gelassen. "Der hat sich nicht mal richtig entschuldigt", ärgert sich der Vater noch Tage später über das aus seiner Sicht gleichgültige Verhalten des Fahrers. Er meldet den Vorfall deshalb am Montagvormittag umgehend der Kreisverwaltung, wo ihm erklärt wird, dass der Fahrer die Behörde bereits informiert habe.
Konfrontiert mit dem Vorwurf des Vaters, er habe auf den Vorfall nahezu gleichgültig reagiert, verweist der Fahrer auf seine 30-jährige Berufserfahrung. "So etwas ist jedem von uns schon mal passiert. Ich bedauere den Vorfall, aber es bringt doch nichts, wenn wir alle nervös reagieren."Extra

Rüge und Entschuldigung: Laut Kreisverwaltung Bitburg-Prüm sind in den vergangenen zehn Jahren drei bis vier ähnliche Fälle gemeldet worden. Im konkreten Fall stellt nach Auskunft der Verwaltung das Verhalten des Fahrers einen Verstoß gegen den Maßnahmenkatalog für die Beförderung von Kindergartenkindern dar. Demzufolge ist der Bus an der letzten Ausstiegshaltestelle auf Kinder zu kontrollieren. Der Busunternehmer, der laut Verwaltung "bereits seit Jahrzehnten zu unserer Zufriedenheit mit der Beförderung von Schülern und Kindergartenkindern betraut ist", sei für sein Fehlverhalten telefonisch und schriftlich gerügt worden. Zudem habe er sich gegenüber der Verwaltung ausdrücklich entschuldigt. uhe