Fahrradschloss in Sekunden geknackt - Tipps gegen Fahrraddiebstahl

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Oft ist das Fahrradschloss in Sekunden geknackt

Fahndungserfolge sind selten, wenn ein Rad gestohlen wird: volksfreund.de gibt Tipps, wie sich Radfahrer gegen Diebstahl schützen können und erklärt, warum nur wenige Fälle aufgeklärt werden.

Fahrrad-Diebstahl kann richtig frustrierend sein. Manchmal verzichten die Opfer sogar auf rechtliche Schritte, weil sie nicht an den Fahndungserfolg glauben. Torsten Richter zum Beispiel. Er ist eines der Opfer, die sich nach einer Facebook-Umfrage bei der Redaktion gemeldet haben. Richter schreibt, dass ihm sein Fahrrad am 11. August  gestohlen worden sei – direkt hinter seinem Haus in Trier-Nord. „Zur Polizei bin ich diesmal leider nicht, da es schon das vierte Fahrrad ist, das mir geklaut wurde“, führt der Trierer weiter aus. „Die Polizei konnte mir nie helfen und hat sich auch nicht wirklich dafür interessiert. Daher habe ich mir diesmal eine Anzeige gespart.“ Es sei frustrierend, immer dasselbe zu hören, ohne dass es etwas nütze. Dabei brauche er das Rad, weil er jeden Tag damit zur Arbeit fahre, sagt Richter auf Nachfrage. Andere Bestohlene sind ebenfalls nicht begeistert von den Ergebnissen der Ermittlungen. Das zeigen einige Reaktionen einiger Opfer auf eine Facebook-Umfrage des Trierischen Volksfreunds (siehe Fall 1 bis Fall 4). Nur ein Opfer hat sein Fahrrad zurückbekommen. Die meisten wurden nicht entschädigt, weil sie nicht versichert waren.

Erklärungen der Polizei Die Polizei spricht in Bezug von Fahrraddiebstahl von einem „Massendelikt“. Das ist einer der Gründe für die niedrige Aufklärungsquote. Die Fallzahlen sind von 2014 auf 2015 leicht zurückgegangen und bis 2018 beständig gestiegen. Laut der Halbjahresbilanz für 2019 könnten sie erstmals zurückgehen (siehe Grafik). Die dunklen Herbst- und Wintermonate stehen aber noch bevor.

Fahrraddiebstähle im Bezirk. Foto: TV/Schramm, Johannes

Dass die Zahl der schweren Diebstähle größer als die der einfachen ist, führt Uwe Konz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Trier, unter anderem darauf zurück, dass der Diebstahl älterer, weniger wertvoller und deshalb oft ungesicherter Räder weniger häufig angezeigt wird. Wertvollere Räder würden hingegen fast immer mit Schlössern gesichert. „Deren Diebstahl lässt eine höhere Anzeigebereitschaft erwarten bei annähernd gleich geringen Fahndungshinweisen“, sagt Konz. „Dies wiederum hat Einfluss auf die Dunkelziffer bei den einfachen Fahrraddiebstählen – sie dürfte höher sein.“ Beziffern kann Konz die nicht polizeilich erfassten Diebstähle nicht.

Dass die Taten nur selten aufgeklärt werden, liegt auch daran, dass gestohlene Fahrräder mit wertvollen Komponenten oft umlackiert, ummontiert und in Einzelteilen verkauft würden, sagt Konz. Sie würden auch schnell aus der Nähe des Tatorts weggebracht. „Auch hier ist die Fahndung und Aufklärung erschwert bis unmöglich“, sagt Konz. Er geht zudem davon aus, dass bei gesicherten Rädern eher professionelle Diebe am Werk sind, während bei unabgeschlossenen Zweirädern oft die Gelegenheit zur Tat führt. Konz appelliert deshalb an alle Radler, ihr Fahrzeug so gut wie möglich zu sichern.

Tipps zum Diebstahlschutz Der Diebstahlschutz bei Rädern beginnt aus Sicht der Polizei und der Verbraucherzentralen mit einem guten Schloss. „Zur Sicherung eignen sich massive Stahlketten-, Bügel- oder Panzerkabelschlösser“, heißt es bei der Polizei. Das Fahrrad sollte dabei immer mit dem Rahmen, Vorder- und Hinterrad an einen festen Gegenstand an- und nicht nur abgeschlossen werden, damit es nicht weggetragen werden kann.

Ein Billig-Schloss reicht nicht

Wie einfach ein billiges Schloss – auch ohne Bolzenschneider – zu knacken ist, zeigt ein Experiment der Redaktion. Ein Kabelschloss, das sich der TV für 8,99 Euro gekauft hat, konnte innerhalb von drei Minuten mit Hilfe eines Maulschlüssels aufgehebelt werden. Eine Faustregel besagt, etwa fünf bis zehn Prozent des Fahrradwerts in ein Schloss zu investieren. Bei einem 700 Euro teuren Rad wären das 35 bis 70 Euro. Ist das Schloss gefunden, sollte es eng um den Rahmen angelegt werden, um wenig Platz zum Aufhebeln zu schaffen.

Doch nicht nur das Schloss, auch der Stellplatz ist aus Sicht der Polizei entscheidend: Große Stellplätze – zum Beispiel an Bahnhöfen, Bädern oder Sport- und Freizeiteinrichtungen – seien bei Fahrraddieben aufgrund der großen Auswahl besonders beliebt. „Dunkle Ecken, einsame Plätze oder schlecht einsehbare Straßen locken Fahrraddiebe ebenfalls an“, heißt es. Ein Rad sollte zudem nie über einen längeren Zeitraum am selben Platz stehen, weil Diebe es ausspähen könnten. Polizeipressesprecher Konz empfiehlt verschließbare Garagen. Auch Unterstellmöglichkeiten wie die Fahrradgarage am Hauptbahnhof Trier oder in der Unterführung an der Porta Nigra hält er für sicher.

Codierung und Fahrradpass Polizei und Verbraucherzentralen empfehlen zudem die Individuelle Codierung der Räder bei Fachhändlern samt deutlichem Hinweis darauf auf dem Rahmen. Codierungen können graviert oder bei Carbonrahmen per Aufkleber angebracht werden. Zusätzlich empfiehlt die Polizei einen Fahrradpass, der hilft, gestohlene Räder zweifelsfrei zu identifizieren. Im Pass sind neben Rahmennummer und Codierung auch Name und Anschrift des Radbesitzers notiert sowie ein Foto des Fahrrads angebracht.  Den Fahrradpass gibt es als Printversion und als kostenlose App für Smartphones. Bei besonders hochwertigen Rädern sei eine Anschaffung von GPS-Trackern sinnvoll, die eine Ortung des Rads im Fall eines Diebstahls erleichtern, sagt Konz.

Weitere Infos im Internet unter www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/diebstahl-und-einbruch/diebstahl-von-zweiraedern/

Wenn der Schutz versagt Wenn keine Vorkehrung geholfen hat und das Fahrrad weg ist, hilft nur noch eine Versicherung. Diese bringt das Gefährt zwar nicht zurück, aber sie lässt auf Schadenersatz hoffen. Möglich ist die Mit-Versicherung über die Hausratspolice oder Spezialversicherungen. Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sagt: „Gute Spezialversicherungen bieten oft einen wesentlich umfassenderen Schutz, als die klassische Hausratversicherung.“ So seien bei diesen Policen auch einfacher Diebstahl, Vandalismus, Unfall- oder Elektronikschäden mit abgesichert.

Einen konkreten Betrag, ab welchem Wert er ein Fahrrad auf jeden Fall versichern lassen würde, nennt Wortberg nicht. „Sobald es den Kunden so sehr schmerzt, dass er das Rad nicht mehr aus laufenden Mitteln ersetzen kann, lohnt sich eine Versicherung“, sagt er. Zu bedenken gibt er zudem, dass bei einer Hausratsversicherung in der Regel nur ein Prozent der gesamten Versicherungssumme abgesichert ist. Bei einer Police über 100 000 Euro sind das 1000 Euro fürs Rad. Wortberg empfiehlt einen Blick in Vergleichsportale im Internet. Laut Verbraucherzentrale sind Beiträge für E-Bike-Versicherungen in den vergangenen Jahren „drastisch gesunken“. Der Marktanteil dieser eher teuren Räder ist in den vergangenen Jahren hingegen beständig gestiegen ist (siehe Info).

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