Faktencheck: So viel Bauland gibt es in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Wohnungsmarkt : Faktencheck: So viel Bauland gibt es in Trier

Der Preisdruck auf dem Trierer Grundstücks- und Wohnungsmarkt ist groß. Wird sich das in den kommenden Jahren ändern? Die Meinungen dazu gehen deutlich auseinander. Der TV lädt ein zum Faktencheck.

Nachdem der neue Stadtrat das lange geplante Baugebiet Brubacher Hof gestoppt hat, geht die Diskussion um mögliche Alternativen weiter. „Die Entscheidung war knapp“, sagt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Anja Reinermann-Matatko. „Mit einer Stimme Mehrheit haben sich die demokratischen Parteien für den Erhalt des Brubacher Hofes ausgesprochen.“ Seit Jahrzehnten sei immer wieder versucht worden, den wichtigen Naherholungsraum neben dem Naturschutzgebiet Mattheiser Wald zuzubauen. Dem hätten Bündnis 90/Die Grünen mit ihrer Initiative im Rat nun einen Riegel vorgeschoben. „Wenn jetzt von Seiten des Stadtvorstandes behauptet wird, es gäbe keine Alternativen zum Bebauungsgebiet Brubacher Hof, dann ist das schlicht nicht wahr.“

Dem widerspricht Baudezernent Andreas Ludwig mit Verweis auf den neuen Flächennutzungsplan und die darin festgeschriebenen Potenziale für die Wohnbebauung deutlich: „Wir sind jetzt in einer sehr schwierigen Lage. Die alternativen Flächen sind sehr schwierig zu entwickeln und ganz sicher nicht kurzfristig verfügbar.“ Auch sei bei den im Raum stehenden Alternativen zum jetzt abgelehnten städtebaulichen Entwicklungsgebiet nicht mehr Akzeptanz durch die dort lebenden Menschen zu erwarten.

HIER WERDEN IN TRIER NEUE HÄUSER GEBAUT

Aber wie ist der tatsächliche Sachstand bei den von den Grünen genannten möglichen Alternativen? Die Jägerkaserne und das ehemalige Busdepot in Trier-West, das Burgunderviertel in Kürenz und das ART-Gelände in Trier-Süd nennt Thorsten Kretzer, Grünen-Sprecher für Wohnungspolitik. „Hier müssen unverzüglich Fakten geschaffen werden, damit mehrere Hundert Wohnungen für Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen gebaut werden können.“ Die Grünen verweisen auch auf die Gebiete Zentenbüsch (Ruwer) und das nicht im Flächennutzungsplan 2030 aufgeführte Areal Langenberg zwischen Euren und Zewen.

Der Trierische Volksfreund hat die Daten für diese und alle weiteren in der Prüfung oder Planung befindlichen Baugebiete in einer übersichtlichen Tabelle gegenübergestellt (HIER). Wesentliche Erkenntnisse daraus: Es wird in den kommenden Jahren nur noch wenige Grundstücke für Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhäuser geben. Vor allem verliert die Stadt aber die Möglichkeit, in größerem Umfang auf die Preisentwicklung auf dem Grundstück- und Wohnungsmarkt Einfluss zu nehmen.

Stefan Leist, langjähriger Sachgebietsleiter im Stadtplanungsamt, verweist auf die bislang aus seiner Sicht gute Steuerung: „In Trier nimmt die Verwaltung seit 30 bis 40 Jahren aktiven Einfluss auf die Grundstückspreise. Das war durch das Instrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme möglich, bei denen die Stadt die Flächen erschließt und vermarktet.“ Zum Beispiel auf dem Petrisberg oder bei den Baugebieten auf der Tarforster Höhe seien dadurch moderate Preise möglich gewesen.

Auch Amtsleiterin Iris Wiemann-Enkler ist vom bisherigen Erfolg dieser Strategie überzeugt: „Ohne das wären die Grundstücke in Trier längst viel teurer.“ Das Ende der Entwicklungsmaßnahme Brubacher Hof werde die Situation für viele Jahre verändern. „Wir werden dieses Instrument nicht mehr nutzen können. Denn die Stadt hat nicht die finanziellen Ressourcen, schnell zusätzliche Flächen zu kaufen.“

Zwar greift seit Mitte 2014 bei neuen Bebauungsplänen für Geschosswohnungsbau die Verpflichtung, mindestens 25 Prozent im sozial geförderten Wohnungsbau und barrierefrei umzusetzen. Auch die vom Rat mit großer Mehrheit beschlossene Erhöhung auf 33 Prozent wird nach Meinung der Experten aber nicht ausreichen, um positiven Einfluss auf den freien Wohnungsmarkt zu haben. So werden beim nächsten wirklich großen Baugebiet Castelnau Mattheis nach Angaben des Projektentwicklers EGP mindestens Grundstückspreise von 300 bis 350 Euro pro Quadratmeter aufgerufen.

So sieht urbanes Bauen in Trier aus. Das neue Quartier an der Christuskirche in Heiligkreuz zeigt, dass für Einfamilien- und Reihenhäuser in der Stadt kaum Baugrund vorhanden ist. Foto: Rainer Neubert

Hinzu kommt eine Tatsache, die weder die Stadtverwaltung noch private Bauträger deutlich benennen wollen: Viele der im Flächennutzungsplan vorgemerkten Bereiche für den Wohnungsbau sind das, was ein Insider „Gurke“ nennt. Sie sind nur sehr schwer und mit hohen Kosten zu erschließen.

Mehr von Volksfreund