Fall Tanja Gräff: Um 4.13 Uhr reißt die Informationskette ab

Fall Tanja Gräff: Um 4.13 Uhr reißt die Informationskette ab

Die Sonderkommission im Vermisstenfall Tanja Gräff umfasste zu Beginn 30 Polizisten und schrumpfte im Lauf der Monate und Jahre zuerst auf 20, dann auf 15 Köpfe. Im Januar 2009 wurde sie aufgelöst. Heute analysieren drei Beamte alle Daten und Fakten des Falles noch einmal von Anfang an - in der Hoffnung, neue Ermittlungsansätze zu erkennen.

Drei Jahre und neun Monate sind vergangen, seit die damals 21-Jährige verschwunden ist. Bis heute haben die Polizei, die verzweifelt kämpfenden Freunde - ihre Internetseite www.suche-tanja.fh-trier.de ist noch online - und die unsagbar leidenden Eltern keinen einzigen konkreten Hinweis, was mit Tanja Gräff geschehen ist. Schränke voller Aktenordner künden davon, dass die Kripo Trier alles Menschenmögliche versucht hat.

Das letzte Telefongespräch



"Wir haben im Lauf der Zeit 800 Aussagen und Ansätze verfolgt", sagt Kriminalhauptkommissar Christian Soulier. "Unsere Ermittlungsgruppe geht alle Punkte noch einmal von A bis Z durch, analysiert und gleicht ab."

Tanja Gräff verschwand in der Nacht zum 8. Juni 2007. Tausende feierten das Sommerfest der Fachhochschule, auch sie war dort. "Wir haben diese Nacht sehr gut rekonstruieren können", sagt Soulier. "Bis um 4.13 Uhr, dem Zeitpunkt ihres letzten Telefongesprächs per Handy." Danach reißt die Informationskette ab. Mit aufwendigen Messverfahren hat die Polizei den ungefähren Standort der jungen Frau während dieses Telefonats ermittelt. "Sie befand sich zu dem Zeitpunkt noch auf dem Gelände der FH", sagt der Hauptkommissar. Doch wohin sie anschließend ging oder fuhr und mit wem - dieses Rätsel ist bis heute offen. Mehrere Suchaktionen auf dem Gelände der Fachhochschule und im angrenzenden Waldgebiet mit Hunderten Polizisten brachten kein Ergebnis. "Wir haben keinen Tatort, keinen stabilen Ermittlungsraum", so Soulier. "Die klassi schen Ermittlungsmethoden können erst gar nicht eingesetzt werden."

Das Fehlen von Fakten befeuert die Entstehung wilder Theorien. "Vor allem im Internet", sagt Christian Soulier. "In Foren und Blogs blühen Gerüchte, Geschichten und Theorien. Manche sind massive Spinnereien." Ein Zeuge will Tanja Gräff im thailändischen Bangkok gesehen haben. "Völliger Unsinn." Vor zwei Jahren sei sie in einem Hotel am Genfer See gesehen worden. "Wir haben diesen Hinweis in der Silvesternacht überprüfen lassen", berichtet Soulier. "Die junge Frau war die Tochter des Wirts."

Schon lange zweifelt niemand mehr daran, dass die junge Frau Opfer eines Verbrechens wurde. "Wir haben auch über Alternativen diskutiert", sagt der Ermittler. Ist sie freiwillig verschwunden und hält sich seitdem versteckt? Das sei sehr unwahrscheinlich, sagt Soulier mit einem Kopfschütteln, in dem auch Ratlosigkeit mitschwingt. "Tanja Gräff war eine beliebte junge Frau mit einem sehr guten und innigen Verhältnis zu ihren Eltern und einem großen Freundeskreis."

Auch wenn die dreiköpfige Ermittlungsgruppe alle Punkte des Falls Tanja Gräff durchgearbeitet und dabei keine neuen Erkenntnisse gewonnen hat, wird die Akte nicht geschlossen. "Natürlich nicht", so Soulier. "Wir werden jedem neu hereinkommenden Hinweis mit aller Konsequenz nachgehen."

"Wo ist mein Kind?" lautet der Titel der Sondersendung von Aktenzeichen XY ungelöst, die am 30. März um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. Moderator Rudi Cerne stellt vier Vermisstenfälle vor, darunter auch die Suche nach Tanja Gräff. Hanna Schwab übernimmt in den gespielten Szenen die Rolle der verschwundenen Studentin.

7. Juni 2007: Tanja Gräff besucht das Sommerfest der Fachhochschule Trier. Sie kommt nicht nach Hause. 10. Juni 2007: Mehr als 100 Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr durchkämmen das FH-Gelände. Auch Suchhunde werden eingesetzt. Die Sonderkommission Fachhochschule beginnt mit der groß angelegten Befragung aller Freunde und Bekannten. 13. Juni 2007: Die Polizei durchsucht Häuser in Trier-West/Pallien. Eine Hundertschaft in schusssicheren Westen sperrt den Stadtteil ab. 26. Juli 2007: Für Hinweise, die zum Auffinden Tanjas oder zur Ermittlung des Täters führen, setzt die Trierer Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 15 000 Euro aus, die der Trierische Volksfreund noch einmal um die gleiche Summe erhöht. Tanja Gräffs Vater ist Beschäftigter einer TV-Tochtergesellschaft. 21. März 2008: Mit einem öffentlichen Appell wenden sich Tanja Gräffs Eltern an den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter. "Lassen Sie uns einen Hinweis zukommen, wo wir Tanja finden."