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Fall Tanja: Polizei nimmt Ermittlungen wieder auf

Fall Tanja: Polizei nimmt Ermittlungen wieder auf

Die am Montag im Trierer Stadtteil Pallien entdeckten sterblichen Überreste gehören zur vermissten Studentin Tanja Gräff. Daran haben Polizei und Staatsanwaltschaft keinen Zweifel, wie sie am Dienstag mitteilten. Der Fall soll noch einmal komplett von vorne aufgerollt werden.

Wie Triers leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Dienstagmittag auf einer Pressekonferenz mitteilte, habe ein Arbeiter bei Rodungsarbeiten zunächst den Schädelknochen und ein paar weiße Turnschuhe gefunden. Später sicherte die Polizei nahezu das gesamte Skelett sowie persönliche Gegenstände der Vermissten, darunter eine Armbanduhr, Ohrringe, eine Halskette und den Studentenausweis sowie ein Handy sowie eine Geldbörse. Der frühere örtliche Zahnarzt der Vermissten verglich den Zahnstatus des Schädels mit dem Zahnstatus von Tanja Gräff, laut Fritzen ergab das eine Übereinstimmung. "Es spricht alles dafür, dass es sich um die sterblichen Überreste von Tanja Gräff handelt. ... Zweifel bestehen unserer Ansicht nach nicht mehr", so der Staatsanwalt. Letzte Gewissheit soll eine DNA-Analyse erbringen.

Die Fundstelle liege etwa einen Kilometer von dem Gelände der Hochschule Trier entfernt, wo Tanja Gräff 2007 zuletzt gesehen worden war. Bis zur Rodung sei die Stelle direkt unterhalb des roten Felsens dicht bewachsen gewesen. Das Skelett habe unmittelbar am Fuß des Felsens gelegen. Die Ermittler nehmen an, dass der Körper von oben hinab gestürzt und in dichtes Gestrüpp gefallen sei, so Fritzen. Zur Ursache könnten die Ermittler aktuell noch nichts sagen. Fritzen: "Voreilige Schlussfolgerungen wären, ich denke, auch im Interesse der Hinterbliebenen, völlig kontraproduktiv und unseriös."

SEK-Beamten seien dabei, den Felsen erneut abzusuchen. Auch das Waldstück oberhalb des Felsen werde abgesucht. "Die Maßnahmen dauern noch an", sagte Fritzen.

Die Kriminalpolizei Trier nimmt die Ermittlungen wieder auf. Laut Polizei sollen fast 20 Beamte den Fall aufnehmen, unterstützt durch LKA und Kriminaltechnik. Alle Erkenntnisse würden erneut überprüft und bewertet. Insgesamt liegen den Ermittlern mehr als 2000 Hinweise vor, das Material umfasst 200 Aktenordner. Auch die gefundenen Kleidungsreste und das Skelett sollen von der Rechtsmedizin untersucht werden.

Mehrmals hatte die Polizei in den vergangenen Jahren das Gelände rund um die Hochschule, an der Tanja Gräff 2007 kurz vor ihrem Verschwinden an einer Feier teilgenommen hatte, durchforstet. Kriminalhauptkommissar Christian Soulier sagt, dass man dabei an vielen Stellen immer wieder auf undurchdringbares Dickicht gestoßen sei.

Auch an der Fundstelle hatte die Polizei bereits gesucht. Die Felswand ist an dieser Stelle bis zu 50 Meter hoch. Damals hatten sich Einsatzkräfte vom Felsen abgeseilt, bis an den Fundort sei man aber aufgrund der dichten Vegetation nicht gelangt, so Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner. Er erkennt keinen Fehler bei den Ermittlungen. Von unten sei die Fundstelle nicht zu erreichen gewesen, so Kriminalhauptkommissar Christian Soulier. Es blieb nur die Möglichkeit, sich abzuseilen. Auch die Wärmebildkamera eines Helikopters versagte an dieser Stelle, weil ein sich daneben befindliches Dach sehr stark Hitze reflektiert habe.

Die Ermittler haben die Gegend rund um die roten Felsen von Beginn an untersucht. Hätte es einen Anhaltspunkt gegeben, hätte man sofort den Wald an der Fundstelle gerodet. Laut Kriminalhauptkommissar Christian Soulier gab es aber keine Hinweise.

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