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Falsch gebaut im falschen Biewertal?

Falsch gebaut im falschen Biewertal?

Die Beschwerden über den Ausbau der Kreisstraße 5 zwischen Trier-Biewer und Altenhof reißen nicht ab. Sorgten zunächst Verzögerungen bei der Kanalverlegung für Unmut bei Kraftfahrern und Anwohnern, hagelt es jetzt Kritik wegen der unebenen Deckschicht.

Aach/Newel/Trier-Biewer. Als unsere Zeitung im Herbst vergangenen Jahres die Leser dazu aufrief, "Bummel-Baustellen" zu melden, wurde die K 5 zwischen Biewer und dem Altenhof gleich mehrfach genannt. Drei Tage Vollsperrung und eine Ampellösung, so lautete die Ankündigung der Stadtwerke Trier (SWT), bevor sie dort neue Kanäle verlegten. Aus den drei Tagen wurden mehrere Monate, zum Leidwesen vieler Autofahrer und Anwohner, darunter die auf Publikumsverkehr angewiesenen Eigentümer des Ausflugslokals Altenhof und des Gartenbetriebs Hermesdorf (der TV berichtete).
"Schlechter als vorher"


Die Verzögerungen begründeten die Stadtwerke Trier mit dem Mehraufwand wegen ungünstiger Bodenverhältnisse und Problemen mit den alten Leitungen, die nicht wie vermutet seitlich, sondern in der Straßenmitte lagen. Als im TV dann auch noch aufgebrachte Anwohner der Aacher Straße (K 5) schimpften, sie müssten bei Lärm und Dreck überwintern, waren die Stadtwerke um Wiedergutmachung bemüht: "Wir haben aufgrund des schlechten Zustands der Straßenoberfläche mit dem Tiefbauamt eine Möglichkeit gefunden, die Straße mit einer neuen Decke zu überziehen", so SWT-Sprecher Carsten Grasmück.
Gut einen Monat ist die Deckschicht aus Raps-Asphalt (siehe Extra) nun aufgebracht, und erneut wird Kritik laut. Die Straße sei schlechter als vorher, "absolut uneben", regt sich Ewald Müllers aus Butzweiler auf. Sie weise jetzt schon Schlaglöcher auf und werde den nächsten Winter wohl kaum überstehen. Hier sei Geld verschleudert worden, offenbar habe man wegen der Sperrung der B 51 am Trierer Berg unter Zeitdruck gestanden und die K 5 als Ausweichstrecke rechtzeitig fertigstellen wollen, so Müllers. Klaus Lauterborn aus Trier-Biewer spricht von "Flickschusterei in Vollendung", es sei eine Zumutung, die Straße zu benutzen. Der viele Split, der hinterlassen wurde, sei ein Gefahrenherd für Motorrad- und Fahrradfahrer.
Die Stadtwerke wundern sich über die Kritik. Man habe ja nicht nur die Gräben zugeschüttet, sondern die Oberflächenbehandlung als kostenlose Zusatzleistung übernommen, um keinen Flickenteppich zu hinterlassen, sagt Grasmück. Der SWT-Sprecher unterstreicht, dass es sich nicht um einen Vollausbau handelt: "Wegen der geringen Schichtdicke können wir keinen Niveauausgleich schaffen." Die Abnahme der Straße ging übrigens glatt über die Bühne. Es seien keine fachmännischen Mängel festgestellt worden, berichten die Stadtwerke.Meinung

Wer zu spät kommt …
Hätte es eines Beweises bedurft, dass Murphys Gesetz auch im Straßenbau gilt, dann könnte man die Kreisstraße 5 heranziehen. Da ging wirklich fast alles schief, was schiefgehen konnte. Natürlich können Bauverzögerungen eintreten - das akzeptieren die Bürger auch, wenn es im Rahmen bleibt. Aber wenn neben der schlechten Witterung, die so schlecht nicht war, auch noch ungünstige Bodenverhältnisse und falsch liegende Kanalrohre als Grund genannt werden, dann muss die Frage erlaubt sein: Hat man sich etwa nicht gründlich genug auf dieses Projekt vorbereitet? Oder ließ das Zeitmanagement während der Bauphase zu wünschen übrig? Zumindest hätten die Stadtwerke und das Tiefbauamt die Probleme rechtzeitiger kommunizieren können und nicht erst dann, wenn mal wieder ein Bericht über grantelnde Anwohner in der Zeitung stand. Wer zu spät kommt, kriegt halt eher Prügel. a.follmann@volksfreund.deExtra

Der 1994 patentierte Raps-Asphalt enthält bis zu 20 Prozent Rapsöl. Entwickelt wurde er, um das ansonsten im Bitumen enthaltene Erdöl zu ersetzen und so eine umweltfreundlichere und kostensparendere Asphaltform zu erhalten. Dabei wird anstelle der herkömmlichen weichen Bitumenlösungen hartes Bitumen eingesetzt, das durch die Zugabe von Rapsöl auf eine verarbeitungsfähige Konsistenz gebracht wird. Die Aushärtung und die Verkehrsfestigkeit ausgebesserter Oberflächen wird mit Raps-Asphalt schneller erreicht, er hat auch eine längere Lebensdauer. alf