Falsch parken aus praktischen Gründen

Falsch parken aus praktischen Gründen

Die einen ärgern sich über zu häufige Kontrollen, die anderen parken nahezu ungestraft täglich falsch: Schreibt die Trierer Hilfspolizei tatsächlich zu wenig Knöllchen? Um die Personal- und Verwaltungskosten zu decken, reicht es jedenfalls nicht.

Trier. Ein bisschen rebellisch ist die junge Frau zwar schon. Aber dass sie seit Jahresbeginn nahezu täglich ihr Auto in Trier-Süd schwarzparkt, hat wenig mit Auflehnung gegen eine Verwaltungsobrigkeit zu tun als mit schlichter Pragmatik: "Warum sollte ich ein Parkticket ziehen, wenn hier eh nicht kontrolliert wird?", fragt die Triererin.
Ihre Bilanz nach den ersten sechs Monaten des Jahres: ein Knöllchen zu fünf Euro. Hochgerechnet auf 12 Monate macht das zehn Euro - für Parktickets hätte sie ein Vielfaches zahlen müssen.
Eine Studie, die das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit 2009 veröffentlich hat, bestätigt den Eindruck vom unterkontrollierten Parkparadies Trier nicht ganz. Von 30 Großstädten über 100 000 Einwohnern landete Trier beim Knöllchen-Häufigkeitsvergleich im vorderen Mittelfeld: Pro 100 in der Stadt gemeldeten Fahrzeugen wurden im ersten Halbjahr 2009 81 Knöllchen verteilt. In der Spitzenreiterstadt Offenbach waren es 127, in Köln 110, in Mainz 98 und in Koblenz 80. Am wenigsten Strafzettel werden laut Zeit in Hildesheim (21 pro 100 gemeldete Autos) verteilt, auch in Hamburg ist man mit 34 Protokollen viel weniger knöllchengefährdet als in Trier.
Einnahmen decken Kosten nicht


In Saarbrücken liegt die Knollenquote immerhin bei 38 pro 100 Autos. Ob das an einer mangelnden Anzahl an Politessen liegt, oder daran, dass die Saarländer einfach besser parken können, lässt die Studie ungeklärt.
Die Trierer Stadtverwaltung ist jedenfalls keinesfalls stolz auf die vermeintliche Milde, die in Trier gegenüber Falschparkern zu herrschen scheint. Erstens seien die Zahlen der Zeit nicht aktuell. Zweitens scheine "die Herstellung eines Bezugs zwischen der Zahl der zugelassenen Fahrzeuge und der Anzahl der Verwarnungen wenig aussagekräftig", erklärt der städtische Pressesprecher Ralf Frühauf. Außerdem gäbe eine reine Quotenbetrachtung ohnehin keinen Aufschluss darüber, ob zu viel oder zu wenig protokolliert würde. Vielmehr könne ja eine geringe Quote auch bedeuten, dass die Taktik der Stadt bei Verkehrsüberwachung und -verwarnungen sowie ein gutes Parkraummanagement das Verkehrsverhalten der Trierer verbessert hätten und eben deswegen die Verwarnungszahl geringer sei.
Auch der ADAC hält die Zeit-Studie nicht für belastbar: "Als Bemessungsgrundlage die Zahl der gemeldeten Autos heranzuziehen, ist Unsinn. Gerade in Trier sind wegen des großen Einzugsgebiets ja viel mehr Autos unterwegs als in anderen, gleich großen Städten", erklärt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Dass in Trier die Zahl der tatsächlichen Autos die Zahl der gemeldeten Autos weit übersteigt im Vergleich zu anderen Städten, würde die 82-Knöllchen-Quote allerdings noch schwächer aussehen lassen. Valide Zahlen über die Knöllchengefahr in deutschen Städten hat allerdings auch der ADAC nicht.
Fest steht, dass die Einnahmen der Stadt Trier aus Strafzetteln die Ausgaben für die Gehälter der Hilfspolizisten, deren Fuhrpark und die sonstigen Verwaltungskosten bei weitem nicht decken. 2010 wurden im Stadtgebiet insgesamt 88 009 Knöllchen verteilt, die Einnahmen daraus beliefen sich auf 1 037 256 Euro. Wie viel die Überwachung des ruhenden Verkehrs pro Jahr kostet, teilte die Stadt auf TV-Anfrage allerdings nicht mit. Die Knöllchen teurer zu machen, um die Kosten zu decken, geht jedenfalls nicht: Für welches Parkvergehen welche Strafe fällig ist, regelt der bundesweit einheitliche Bußgeldkatalog.
Im Ausland ist es teurer


Fünf Euro, wie sie die Triererin zahlen musste, sieht dieser Bußgeldkatalog allerdings gar nicht vor. "Das ist eine sehr mild bemessene Verwarnung", sagt ADAC-Sprecher Maurer. Echte Knöllchen bewegen sich dagegen zwischen zehn Euro fürs Parken im Parkverbot. 15 Euro muss zahlen, wer sein Auto nicht nur im Parkverbot, sondern zusätzlich an einer unübersichtlichen Stelle abstellt. Das Zuparken einer Feuerwehreinfahrt oder eines Parkplatzes für behinderte Menschen kostet 40 Euro. Womit man im europaweiten Vergleich noch günstig dran ist: "In fast allen Nachbarländern Deutschlands ist Falschparken deutlich teurer", sagt ADAC-Mann Maurer.
Das hat auch unsere Triererin bemerkt: Nur 15 Minuten lang war ihr Parkschein in den Niederlanden abgelaufen, als sie zu ihrem parkenden Auto zurückkam. Knapp 60 Euro musste sie dafür zahlen. Dafür hätte sie in Trier gleich zwölf Mal schwarz parken können.
Leser-Echo: Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema in Kürze an trier-echo@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).

Mehr von Volksfreund