Falsches Futter tötet Ziegen im Wildfreigehege im Weishauswald in Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Weißhauswald : Tiere im Trierer Wildfreigehege sterben an falschem Futter

Weil Besucher Ziegen Brot und rohe Nudeln zu fressen geben, sind fünf Tiere innerhalb weniger Wochen qualvoll verendet. Die Stadt Trier appelliert an die Menschen, sich an die Regeln zu halten, und zieht weitere Konsequenzen.

Es ist idyllisch im Wildfreigehege in Trier. Während der Woche wird das Areal am Weißhauswald, wo sich Wildschweine, Rehe, Hirsche und Ziegen tummeln,  zu einer erholsamen Oase für Menschen, die dem Stadtlärm entfliehen und ein Stück Natur erleben wollen.

Am Wochenende, wenn Hunderte Familien aus Trier und dem Umland ins Naherholungsgebiet pilgern, kann es auch  mal enger werden. Und genau diese Tage bringen die Gefahr: Menschen, die Hinweisschilder ignorieren und alles an die Tiere verfüttern – ohne Wissen über die Natur und ohne Rücksicht auf die Tiere. Mehrere Zeugen schildern im Gespräch dem TV, dass sie schon häufig Besucher beobachtet haben, die verschimmeltes Brot und rohe Nudeln ins Gehege geworfen hätten. Aus Sicht der Stadtverwaltung und von Tierfreunden ist das unverantwortlich. Denn damit haben sie wohl Tod und Krankheit ins Wildgehege gebracht.

Seit Mitte Juli sind laut dem Trierer Rathaus durch falsches Futter fünf Ziegen getötet worden. Mehrere kranke Tiere konnten gerade noch gerettet werden. Das sei vor allem einem engagierten Tierarzt zu verdanken, sagt Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier. Der Mann stehe auch am Wochenende uneingeschränkt zur Verfügung, wenn etwas passiere.

Verwaltung bestätigt Verdacht
Mit seinen Angaben zu den toten Tieren bestätigt Schmitz einen Verdacht, den eine 42-jährige Triererin an den TV herangetragen hatte: Solche Todesfälle treten dieses Jahr gehäuft auf. Normalerweise registriert  die Stadtverwaltung ein bis zwei tote Ziegen oder Mufflons pro Jahr, die an falschem Futter gestorben sind. Die aktuelle Situation ist deshalb sehr ungewöhnlich. Die meisten Todesfälle wurden laut Schmitz nach besucherstarken Wochenenden registriert. Schon am Ostermontag sei ein Mufflon eingeschläfert worden, das wegen falschen Futters todkrank gewesen sei.

Fünf tote Ziegen im Wildfreigehege

Unwetter verschärft Problem Die Todesserie begann laut der Stadtverwaltung nach dem schweren Unwetter am 12. Juli, bei dem Teile von Trier-Olewig überflutet wurden (der TV berichtete). Die Regenmassen schossen da aus Richtung Waldstadion und aus den benachbarten Kleingärten durch das Gehege. „In diesem Wasser waren Bakterien, sogenannte Clostridien“, sagt Schmitz. „Praktisch alle Tiere in den Gehegen hatten diese Bakterien später im Körper.“ Das könne die Ziegen schwächen. Wenn sie dann zusätzlich Brot verdauten, verändere das den pH-Wert. Schmitz: „Die Bakterien vermehren sich massenhaft und sondern Toxine ab, an denen das Tier in kürzester Zeit stirbt.“ Dazu kommen noch die „normalen“ schädlichen Folgen von Brot (siehe Info).


Polizei ermittelt
Die Stadt hat auch die Polizei eingeschaltet, weil sie wegen der vielen Todesfälle eine Vergiftung zunächst nicht ausschließen konnte. „Die Ermittlungen dürften aber vermutlich nicht viel bringen“, sagt der Pressesprecher. Es sei kaum nachweisbar, welches Brot bei welcher Ziege zum Tod geführt habe. Und dann müsse man noch nachweisen, wer es ins Gehege geworfen habe. „Die Folgen der falschen Fütterung zeigen sich ja erst zeitverzögert oder nachts“, erläutert Schmitz. „Es kann auch sein, dass ein krankes Tier von mehreren Leuten Brot bekommen hat.“ Zudem sei es nicht nachweisbar, ob eine Vorschwächung durch ein Bakterium eine Rolle gespielt habe. „Und wenn man jemanden beim Falschfüttern in flagranti erwischt, ist das Tier ja noch nicht krank“, sagt Schmitz.


Eindringlicher Appell Deshalb bleibt der Stadt nur ein Appell an die Besucher: „Brot tötet Tiere. Spaghetti gehören in den Kochtopf, nicht ins Tiergehege“, sagt der Pressesprecher. „Bitte halten Sie sich an die Hausordnung und respektieren Sie die Regeln zum Füttern der Tiere.“ Das macht die Stadt inzwischen an den Gehegen sehr deutlich. Dutzende gelbe Schilder hängen dort herum. „Falsches Futter tötet Tiere! Wir brauchen Ihre Hilfe!“, steht darauf. Es folgt ein Hinweis, dass Tiere gestorben sind und nur das in den Automaten erhältliche Wildfutter genutzt werden soll. Neu dürfte das aufmerksamen Besuchern jedoch nicht sein: Schon seit mehreren Jahren weisen große Tafeln auf die Gefahren falschen Futters hin: keine Spaghetti, kein Brot, kein Obst und auch kein selbst gerupftes Gras verfüttern, weil es durch Hundekot und -urin verunreinigt sein könnte.

Die Reaktion Zumindest die wenigen Besucher, die am frühen Donnerstagnachmittag im Wildpark unterwegs sind, als auch der TV sich dort umsieht, halten die Hinweise der Verwaltung für selbstverständlich. Sie selbst würden nie etwas anderes an die Tiere verfüttern als das vorgeschriebene Wildfutter, sagen alle auf Nachfrage. Die neuen gelben Zettel mit dem Hinweis auf die Todesfälle seien ihnen bisher nicht aufgefallen, sagen vier von fünf Befragten. Eine Frau aus Trier-Süd, die oft im Wildgehege unterwegs ist, sagt: Für sie sei es vollkommen unverständlich, dass Leute bei den ganzen Hinweisen noch Brot verfütterten.

Konsequenzen Trotz aller Hinweise und Appelle hat sich die Situation verschlechtert. Laut Schmitz werden noch größere Schilder aufgehängt: in Signalgelb. Im Wildgehege sind schon jetzt ehrenamtliche Helfer unterwegs. Diese sprechen Besucher an, wenn sie falsches Futter auspacken, und melden frühzeitig Krankheitssymptome weiter, sagt Schmitz. Auch das „offizielle“ Futter sei optimiert worden. Die Tiere würden zudem verstärkt auf Durchfall-Symptome kontrolliert und gegen Bakterien geimpft. Außerdem hat die Stadt neue Tiere hinzugekauft, damit sich die Falschfuttermengen zur Not auf möglichst viele Tiere verteilen.

Trotz allem ignorieren einige Besucher weiter die Regeln. Manche würden sogar frech, wenn man sie darauf anspreche, sagt der Pressesprecher: „Sie glauben sogar, sie wüssten besser, was die Tiere vertragen, als unsere Mitarbeiter. Oder sie behaupten, es ginge uns nur darum, möglichst viel Geld mit dem Wildfutter zu machen. Das ist für die Mitarbeiter wirklich frustrierend.“

Die Ziegen sind besonders anfällig, wenn ihnen die Wildparkbesucher falsches Futter geben. Foto: TV/Christian Kremer

Was passiert, wenn sich die Lage nicht verbessert, wird laut Schmitz zurzeit abgestimmt. Die 42-Jährige, die den TV auf die toten Ziegen hingewiesen hat, befürchtet die schlimmste Konsequenz: „Es wäre schade, wenn es den Tierpark nicht mehr geben würde.“

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