Familiäres Klima

BIEWER. Sie ist eine der kleinsten im Stadtgebiet: die Grundschule Biewer. Vor genau 236 Jahren wurde sie erstmals als "Schuhl zu Biwer" urkundlich erwähnt. Stifter Anton Kerscht machte für die Schule 500 Reichstaler locker.

Wie die Biewerer Ortschronik von Fritz Keil verrät, war es um das Schulwesen in der damaligen Zeit äußerst dürftig bestellt. Der letzte Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus, der 1768 seine Regierung antrat, stellte fest, dass sich "das Schulwesen in einem die Menschheit abwürdigenden Zustand befindet". Zu jener Zeit waren die Lehrer überwiegend Handwerker und Tagelöhner, die als Nebenjob den Schulunterricht ausübten.So ist es nicht verwunderlich, wenn Anton Kerscht in seiner Stiftung verfügte, dass ein "tüchtiges Subjekt als Schulmeister" ausgesucht und vom Pastor geprüft werden solle. Die Schule sollte "fleißig und accurat" vor- und nachmittags gehalten werden - als Winterschule vom 4. November bis Ostern.Erste eigene Schule anno 1823

Offenbar war Kerscht von den fortschrittlichen Bemühungen von Wenzeslaus um das Volksschulwesen so angetan, dass er mit seiner Stiftung dessen Bestrebungen unterstützen wollte. Als erster hauptberuflicher Lehrer in Biewer wurde Peter Knopp nachgewiesen. Ob Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts Biewer schon ein Schulhaus hatte oder als Wanderschule von Haus zu Haus abgehalten wurde, ist nicht ermittelt. Die Ortschronik geht davon aus, dass Biewer 1823 die erste gemeindeeigene Schule hatte: ein von Johannes Kerscht gestiftetes Wohnhaus (heute St. Joststraße 7). Am 9. Dezember 1868 übernahm erstmals eine Frau, die Lehrerin Maria Hubertz, eine neu gegründete Mädchenklasse in Biewer. Wiederholt erkrankten die Kinder in Biewer - wie auch in anderen Schulen - an Massen-Epidemien.So berichtete die Trierische Zeitung am 22. Januar 1888, dass seit fünf Wochen unter den Biewerer Kindern die Masern und Röteln kursierten - zwölf Kinder waren bereits daran gestorben.Am 29. Oktober 1955 wurde in ganz Biewer die Einweihung und Übergabe eines neuen Schulgebäudes in der Johannes-Kerscht-Straße 9 gefeiert. Seitdem befindet sich die Biewerer Grundschule an diesem Platz - die Feier zum 50. Jubiläum ist in Planung. Heute gehen 76 Kinder in die Schule, die von Eltern als "kleine, überschaubare Schule mit einem familiären Klima" beschrieben wird. Der Eltern- und Förderverein ist Träger der betreuenden Grundschule.Derzeit wird geplant, eine Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag einzurichten. Seit dem Jahr 2001 nimmt die Schule an dem Projekt "Demokratie lernen und leben - Entwicklung und Erprobung von Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder" teil. Dazu gehören Streitschlichtungs-Training und das Abhalten von wöchentlichen Klassenräten.Als Ziel für das Jahr 2004/2005 hat sich die Schule unter anderem die demokratische Wahl eines neuen Schulnamens gesteckt. Fernziel für 2006/2007 ist das Übernehmen von Verantwortung in der Ortsgemeinde, wie zum Beispiel Hilfsangebote für Senioren zu machen.Morgen in unserer Serie: Was wird aus der alten B 53, wenn die Umgehung kommt?