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Familien fühlen sich ausgegrenzt

Familien fühlen sich ausgegrenzt

Leserbrief zum Artikel "Teurer Traum vom Eigenheim", TV 124 (1.6.2010)

Die Angaben zur aktuellen Wohnpreisentwicklung und den damit verbundenen strukturellen Veränderungen der Stadtteile müssten die Stadtoberen nachdenklich stimmen.

Die Aussage, dass "den Schwerpunkt im Käuferspektrum von Neubauten Personen über 50 Jahre" bilden, zeigt sich in Trier-Süd bestätigt.

Das Herz-Jesu-Viertel wird im allgemeinen Sprachgebrauch als "Wohnanlage Ü 50" tituliert.

Viele Familien fühlen sich ausgegrenzt, weil der Zuzug nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Hürden weitgehend auf ältere Menschen aus den Randbezirken und dem Umland beschränkt ist.

Für die Durchschnittsfamilie gestaltet sich die Suche nach Wohneigentum im Viertel als nahezu unlösbare Aufgabe.

Die jüngsten Sanierungspläne von Altbauten in Trier-Süd sehen Wohneinheiten vor, die zwar viele Quadratmeter bieten. Die Raumaufteilung, zum Beispiel zwei bis drei Zimmer, Küche, Bad, verteilt auf 107 Quadratmeter, orientiert sich aber nicht an familiären Bedürfnissen. Von den Preisforderungen ganz zu schweigen.

So könnte man sich zu der Ansicht versteigen, dass derjenige, der es sich finanziell nicht leisten kann, eben wegziehen soll.

Nicht jeder wünscht sich jedoch ein Leben in einem Familienviertel oder auf dem Land.

Zudem gibt man gewachsene Strukturen nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern auch aus emotionalen Gründen nur ungern auf.

Welche gesellschaftliche Entwicklung ist für die Stadt Trier eigentlich gewünscht?

Die Lebensqualität eines Stadtteils lässt sich nicht nur anhand versorgungstechnischer Indikatoren bestimmen. Wesentlich ist doch auch die Atmosphäre.

Eine Durchmischung aller Altersgruppen wäre eine erstrebenswerte Zielsetzung.

Dem Wegzug der Familien aus Verzweiflung über die Wohnraumsituation könnte eine Wohnungsbaupolitik entgegenwirken, die Wohnraum zu erschwinglichen Preisen schafft. Daraus könnten sich für die Stadtteile auch andere Synergieeffekte etwa auf gesellschaftlicher Ebene ergeben.

Und das scheint - mit Blick auf die aktuelle Bevölkerungsentwicklung - kein zu vernachlässigendes Moment zu sein.

Dorothée Bores, Trier

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