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Fast so alt wie die Medarduskapelle

Fast so alt wie die Medarduskapelle

Der eine ist am vergangenen Donnerstag 70 geworden, der andere am gestrigen Sonntag 80. Und weil sie "schon immer beste Freunde waren", feiern Berthold Wagner und Horst Orth morgen ihren "gemeinsamen 150. Geburtstag". Und ganz St. Medard feiert seine beiden Originale.

Trier-Süd. Kernechte Lokalpatrioten aus dem Moseltal sind nicht "nur" Trierer. Sie sind vor allem auch Zugehörige ihres Heimatstadtteils. Zum Beispiel Palliener, Kürenzer, Biewerer. Oder, wenn sie im südlichen Trier-Süd leben, Medarder, im Volksmund "Moaderdser". Zwei besonders kernechte Medarder sind Horst Orth und Berthold Wagner.
"Die beiden gehören zum Stadtteil wie die Medarduskapelle", sagen Freunde und Nachbarn. Das kleines Gotteshaus wurde um 1860 erbaut, ist also etwa 156 Jahre alt. "Wir sind ihr aber altersmäßig dicht auf den Fersen", sagen Horst Orth und Berthold Wagner. Ihre spezielle Altersrechnung: Orth ist am 23. Juni 80 geworden, Wagner hat am gestrigen Sonntag die 70 voll gemacht - "Macht zusammen 150 Jahre!"
Ein Grund, gemeinsam zu feiern, wie überhaupt die Erz-Moaderdser ihr Leben lang viel zusammen unternommen haben. Seit Kindesbeinen sind die beiden dicke Freunde, wobei der Altersunterschied den Jüngeren vor viel Ungemach bewahrte: "Ich hab den Bert in jungen Jahren immer beschützt. So wie einen kleinen Bruder."
Möglicherweise war Wagner beteiligt an der Spitznamensgebung für den "großen Bruder". Orth ist weithin bekannt als "Hockey". Lange hat er selbst die Mär verbreitet, das komme von seinem Hobby, im Winter auf zugefrorenen Tümpeln Eishockey zu spielen.
Das Spitznamens-Geheimnis


Aber die Wahrheit ist, wie er jetzt schelmisch lächelnd, zugibt, weniger sportlich: "Es gab kleine Pänz, die konnten Horst noch nicht richtig aussprechen und haben stattdessen ,Hocki' gesagt." Lang ist's her, der Name ist geblieben, auch als der gelernte Gas- und Wasserinstallateur bei den Stadtwerken anheuerte und zeitweilig Vize-Personalratschef war. Hockeys tatsächliches Hobby: das Singen. Als stimmgewaltiger Bass wirkte er im Stadtwerkechor mit, außerdem war er mehr als ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des gemischten Chors St. Medard. Zudem trug er über Jahrzehnte den Trierischen Volksfreund in der Südstadt aus.
Berthold Wagner blickt ebenfalls auf ein Berufsleben als Stadtwerker zurück. Er war 30 Jahre lang Stadtbusfahrer und streitet erst gar nicht ab, als solcher sehr beliebt gewesen zu sein: "Das lag wohl an meinem lockeren Medarder Mundwerk und Humor. Ich hatte für jeden und alle Gelegenheiten einen passender Scherz parat." Sein Hobby? "Das Angeln im ASV Trier-Süd und mein Gärtchen passenderweise gleich am Mattheiser Weiher." Die Medarder kennen und schätzen das Duo Orth/Wagner aber auch wegen seiner ausgeprägten Hilfsbereitschaft. "Sie waren und sind immer auch für andere da. Sie sind die guten Geister von St. Medard", loben Nachbarn, Freunde und Familienangehörige.
Ständchen vom Stadtwerkechor


Sie alle, aber auch frühere Kollegen und der Stadtwerkechor wollen die Jubilare gebührend und im Doppelpack feiern, was aber erst am morgigen Dienstag möglich ist. Grund: Wagner weilte übers Wochenende mit seiner Frau Klothilde in Hamburg und besuchte Musicals - ein Geschenk der Kinder Thomas, Daniela und Matthias zum 70.
Horst Orth, seine Frau Brigitte und Tochter Petra haben am Sonntag schon einmal "daheim ganz gemächlich privat gefeiert", sagt der frischgebackene 80er. "Denn ich bin gesundheitlich nicht mehr so gut dran und muss mich schonen für unser nächstes Ziel. Wenn alles gut läuft, haben Bert und ich 2026 zusammen 170 Jahre auf dem Buckel und damit die Medarduskapelle altersmäßig überholt."