1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Glaube im Alltag: Fastenzeit to go

Glaube im Alltag : Fastenzeit to go

Am Aschermittwoch gab es in Trier am Hauptmarkt und anderswo, zum Beispiel in Neuwied, das „Aschenkreuz to go“, also „zum Mitnehmen“ bei einem kurzen Stopp in der Stadt. Das mag manchen Katholiken befremdlich erscheinen, besonders diejenigen, die sich bewusst Zeit nehmen für den Gottesdienstbesuch.

Sie stimmen sich auf die Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest ein und sehen darin eine Zeit der Besinnung und Orientierung, evtl. sogar der Neuausrichtung für ihr Leben. Verzicht auf Alkohol, aufs Rauchen, auf unnötige Autofahrten oder Ähnliches können zu bewussterem Leben helfen, ebenso spirituelle Angebote oder Achtsamkeit im Umgang miteinander.

Scheinbar steht ein Aschenkreuz im Vorübergehen geradezu im Gegensatz zu diesen Anliegen. Ich glaube das nicht. Das Lebensgefühl vieler Menschen ist heute geprägt von einer Schnelllebigkeit, in der sie vieles selbstverständlich im Vorübergehen erledigen. Dabei innezuhalten um sich mit dem Aschenkreuz an die eigene Endlichkeit erinnern zu lassen, ist bemerkenswert. Und Kirche tut gut daran, auf neuen Wegen Menschen entgegenzukommen, denen Überliefertes fremd geworden ist. Stellt sich die Frage, wie Fastenzeit jenseits bekannter Muster zu gestalten sein könnte – ohne großen Aufwand. Ein sichtbares Zeichen aktuellen Lebensgefühls sind die allgegenwärtigen Smartphones, auf die man nicht verzichten kann. Aber man kann sich beim Benutzen einen Augenblick des Nachdenkens gönnen, etwa bevor man jede Nachricht in den sogenannten sozialen Netzwerken für wahr hält, bevor man sie teilt und kommentiert oder bevor man Fotos macht und ins Netz stellt. Das bewahrt davor, Lügen aufzusitzen und dient einem bewussteren Umgang mit sich und anderen. Und das kostet nichts, das geht ganz nebenbei – „to go“ eben.

Ingrid Müller

Pastoralreferentin in Trier