Faszination Natur: Spielend lernen

Trier · Über mangelndes Interesse an den Wald-Jugendspielen kann das Forstamt Trier nicht klagen. Dieses Jahr beteiligen sich 74 Klassen aus Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg mit insgesamt rund 1500 Schülern und Lehrern. Drei Tage lang ist der Meulenwald bei Quint fest in den Händen von Kindern, Lehrern und Forstpaten.

Foto: Rolf Lorig (flo), Rolf Lorig ("TV-Upload Lorig"

Trier. Zweimal noch, dann steht ein Jubiläum ins Haus: Seit 1982 gibt es die Wald-Jugendspiele. Landesweit haben seither rund eine halbe Million Kinder das Ökosystem Wald so kennengelernt. Maßgeblichen Anteil daran hat das Forstamt Trier, das landesweit den größten Veranstaltungsort dafür stellt. "Aufgrund der außerordentlich hohen Nachfrage bieten wir den Schulen die halbtägigen Streifzüge durch die Natur an drei aufeinanderfolgenden Tagen an", erläutert Forstamtsleiter Gundolf Bartmann.
Birgit Moll von der Keune Grundschule lobt die Veranstaltungsreihe: "Die Kinder finden das Thema Wald superinteressant und freuen sich wahnsinnig auf diesen Termin. Ein ganz großer Vorteil liegt in der Förderung der Klassengemeinschaft, weil die Klasse hier als Ganzes in den Wettbewerb eintritt." Dabei könnten auch Kinder ihre Stärken ausspielen, die im normalen Unterricht nicht zu den besten zählten. Das bringe ihnen Anerkennung der Mitschüler, was sich positiv auf das Selbstbewusstsein auswirke, sagt die Lehrerin.
Wer glaubt, dass es nur ums Spielen geht, der irrt. "Wir wollen die Kinder spielerisch an die Materie Wald heranführen", erklärt Büroleiter Helmut Steuer und zeigt, wie das funktioniert: An einer Station im Wald behandeln die Kinder das Thema Nachhaltigkeit. Sie stehen vor einzelnen Baumscheiben, die sie zu Bäumen zusammentragen müssen. Dabei erfahren sie, dass das Holz erst geerntet werden kann, wenn es ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Größe hat. Und auch, dass permanent aufgeforstet werden muss, damit der Wald erhalten bleibt.
Lorena hat gut aufgepasst: "Der Wald muss immer alte, mittelalte und junge Bäume haben", fasst die Neunjährige von der Eurener Johann-Herrmann-Grundschule zusammen. Was ihr besonders gefällt: "Man kann hier spielen, aber lernt dabei ständig etwas Neues." Das will sie später beruflich nutzen: "Ich will Tierärztin werden und kranken Tieren helfen. Oder ich werde Polizistin", sagt sie nach einer kleinen Pause.
"Tag, der in Erinnerung bleibt"


Forstdirektor Gundolf Bartmann freut sich über solche aufgeweckten Kinder. "Ich finde es erfreulich, wie intensiv sich die Kinder auf diesen Tag in der Schule vorbereiten. Und bei dem Spaß, den sie dabei haben, wundert es nicht, wenn so ein Tag oft bis ins Erwachsenenalter in Erinnerung bleibt."
Damit alles wie am Schnürchen läuft, hat Organisator Peter Neukirch Generalstabsarbeit geleistet. Um die Aufgaben an den zehn Stationen auf dem jeweils 2,5 km langen Parcours musste er sich nicht kümmern, die kamen aus Mainz. Wohl aber um die rund 80 ehrenamtlichen Helfer, die gewonnen werden mussten. Viele davon fungieren als Paten, begleiten die Gruppen auf ihrer Wanderung. Alle sind Revierleiter oder Förster, kennen den Wald wie ihre Westentasche. Dreieinhalb bis vier Stunden dauert ein Rundgang, bei dem alles Wissenswerte über Waldbäume, -tiere und -funktionen vermittelt wird.
Danach dürfen die Kinder spielen oder einen Imbiss einnehmen. Neukirch ist am Ende des ersten Tages zufrieden. "Die Kinder haben sich mit allen Sinnen auf den Wald eingelassen." Der neunjährige Elias bestätigt das: "Mir gefällt am besten, dass man hier in der Natur sein kann und dass das auch noch entspannend ist."