Fehlende Kitaplätze in Trier: "Wir kommen mit dem Bauen nicht hinterher"

Fehlende Kitaplätze in Trier: "Wir kommen mit dem Bauen nicht hinterher"

Die Stadt Trier will auch in den nächsten beiden Jahren viel Geld für neue Kita-Plätze ausgeben. Das hat einen Grund: Derzeit fehlen 764 Betreuungsplätze. Besonders groß ist der Bedarf für zweijährige Kinder.

Trier. In das Kita-Portal der Stadt hatte Maria K. große Hoffnungen gesetzt. Weil die junge Mutter ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes wieder arbeiten wollte, um zur Finanzierung des Häuschens beitragen zu können, suchte sie dringend einen Kita-Platz für Louis. "Zuerst hat es so ausgesehen, als könnte er tatsächlich im Kindergarten hier im Stadtteil unterkommen", sagt die 26-Jährige, "aber dann sind wir leider doch enttäuscht worden." Auch bei den in der seit Oktober 2015 aktiven Internetseite ( www.kitaportal-trier.de ) angegebenen optionalen Kindergärten habe sich bislang nichts ergeben. "Die Plätze, die wir nehmen könnten, sind für uns einfach zu weit weg, das wäre zu kompliziert." Maria K. hat ihren beruflichen Wiedereinstieg nun noch einmal verschoben.Ein exemplarischer Fall


Dieser aufgrund von Hinweisen unserer Leserinnen und Leser konstruierte Fall hat sich so oder ähnlich tatsächlich zugetragen. Denn in Trier gibt es trotz der Einrichtung von 700 neuen Kita-Plätzen in den vergangenen zehn Jahren noch viel zu wenige davon. Die Stadt hat Nachholbedarf, das weiß auch Sozialdezernentin Angelika Birk. "Vor allem die Nachfrage bei den kleinen Kindern steigt deutlich. Wir kommen mit dem Bauen nicht hinterher."
764 Kita-Plätze fehlen nach Berechnungen der der Stadtverwaltung derzeit in Trier. 338 für Kinder unter drei Jahren und 426 für Drei- bis Sechsjährige. "Wir werden in den kommenden drei Jahren zumindest 605 neue Plätze bauen", sagt Birk und verweist auf eine lange Liste mit Neubau-, Erweiterungs- und Sanierungsprojekten, für die in den kommenden beiden Jahren insgesamt 22,3 Millionen Euro investiert werden sollen. Die tatsächliche Summe wird noch deutlich größer sein, denn für sieben der 16 aufgelisteten Projekte fehlen noch die Beschlüsse im Stadtrat.
Größtes genehmigtes Einzelprojekt ist der Neubau der in Verzögerung geratenen Kita im Neubaugebiet BU 13 bei Filsch, der mit 4,1 Millionen Euro im Haushalt der Stadt vermerkt ist. Sie soll Mitte 2018 fertig sein und dann Platz und Personal für 45 Kinder unter drei Jahre und 88 ältere Kinder bieten. Im Kita-Portal findet sich diese dringend benötigte neue Einrichtung noch nicht. Auch deren Plätze werden schnell belegt sein, das steht außer Zweifel. "Derzeit melden fast 90 Prozent der Eltern von Kindern zwischen zwei und drei Jahren einen Betreuungsbedarf an", sagt Sozialdezernentin Angelika Birk. Die hohe Zahl der Alleinerziehenden in Trier und viele in Luxemburg arbeitende Eltern nennt sie als Grund für diesen außergewöhnlich hohen Bedarf. Insgesamt, so belegen es die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wird in Trier derzeit aber nicht einmal jedes dritte Kind unter drei Jahren in einer Kita oder von Tageseltern betreut (30,9 Prozent). Mit einer Betreuungsquote von 38,5 Prozent schneidet der Kreis Trier-Saarburg deutlich besser ab - er steht landesweit (Durchschnittsquote 29,9 Prozent) damit auf Platz eins.
Bis die Pläne für die 16 Neubau- und Erweiterungsprojekte in Trier realisiert sind, wird die Suche nach einem Kindergartenplatz für viele Eltern eine Sache von Geduld und Glück bleiben, besonders wenn der Wunsch nach Betreuung zu ungewöhnlichen Zeiten besteht. "Die Hälfte der Kitas in Trier hat länger als acht Stunden geöffnet", kontert Sozialdezernentin Birk die Kritik am noch nicht ausreichenden Angebot. "Bei zwei Einrichtungen sind es sogar zwölf Stunden."
Das noch neue und von verschiedenen Trägern betriebene Kita-Portal soll zumindest die Suche nach dem passenden freien Platz erleichtern. Es soll für deutlich mehr Transparenz bei der Anmeldung sorgen und vor allem Doppelbelegungen bei unterschiedlichen Trägern vermeiden, indem nur ein Anmeldeprozess je Kind auf dem Portal vorgesehen ist. Die Eltern können dennoch mehrere Wunschkitas angeben und Prioritäten festlegen.
"Die Einführung des Portals wird grundsätzlich positiv bewertet und hat eine hohe Akzeptanz bei Eltern, Kita und Stadt", heißt es dazu aus dem Jugendamt. Allerdings seien immer wieder Nachbesserungen erforderlich gewesen, um die Funktionalität zu optimieren. "Leider hat das System in Einzelfällen Doppelanmeldungen zugelassen."
Für den Sohn von Maria K. und andere Kinder wurde durch solche Schummeleien einzelner Eltern möglicherweise der Weg in die Wunschkita versperrt.Meinung

Auf dem richtigen Weg
Die Verwaltung ist im Zugzwang. Durch den gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz auch für Kinder unter drei Jahre ist vor allem in größeren Städten wie Trier ein erheblicher Druck entstanden. Es war absehbar, dass gerade in der Nähe zum lukrativen Arbeitsmarkt Luxemburg Eltern zunehmend diesen Anspruch wahrnehmen werden. Hinzu kommen der Trend zu wieder mehr Kindern und der Zuzug von jungen Familien, darunter auch vielen Migranten. Die 700 zusätzlichen Plätze, die innerhalb der vergangenen zehn Jahre von der Stadt und den überwiegend kirchlichen Trägern geschaffen wurden, reichen bei weitem nicht aus, um den noch immer steigenden Bedarf zu decken. Dutzende zusätzliche Millionen Euro müssen ausgegeben werden, um in den nächsten Jahren noch einmal so viele neue Kita-Plätze zu schaffen. Für eine finanziell klamme Stadt ist es da fast existenziell wichtig, dass die Kirchen weiterhin als finanzkräftige Träger aktiv bleiben. Denn alleine die Personalkostenzuschüsse, zu der die Stadt verpflichtet ist, betragen schon jetzt 35 Millionen Euro jährlich - Tendenz deutlich steigend. Auch weil im Einzelfall Klagen und noch kostspieligere Tagesmutterkosten drohen, sind die Anstrengungen groß, möglichst rasch das Angebot zu erweitern. Das Kita-Portal ist zudem ein Instrument, um die häufig unklare Vergabe von Plätzen besser zu regeln. Das gelingt, auch wenn einige Eltern noch immer glauben, aus Doppelmeldungen ihres Kindes Profit schlagen zu können. Sie schaden damit anderen. Sicher gibt es noch viele Dinge, die in Trier verbessert werden können. Der Weg, den Verwaltung und Stadtrat beschreiten, führt aber in die richtige Richtung. Und vieles hängt auch von den Einrichtungen ab. r.neubert@volksfreund.deExtra

Bedarf: 65 Einrichtungen der Kindertagesbetreuung verschiedener Träger gibt es in Trier. Sie bieten Plätze für insgesamt 4038 Kinder bis sechs Jahre. Benötigt werden 4802 Plätze. Kosten: Im Doppelhaushalt 2017/2018 sind 87,6 Millionen Euro für die Kindertagesbetreuung vermerkt. Die Anteil Personalkostenzuschüsse an Kita-Träger beträgt 70,4 Millionen Euro. Historie: Die Ausgaben im Bereich der Kindertagesstätten steigen seit über zehn Jahren deutlich an und werden sich 2018 fast verdreifacht haben. Mehr als 700 Kita-Plätze sind in dieser Zeit zusätzlich geschaffen worden. Im Jahr 2006 lag die Summe für die Kitas bei 16,4 Millionen Euro. Im Jahr 2018 werden es 44,5 Millionen Euro sein. r.n.Extra

Kita St. Anna Olewig (U3: 13 Plätze; 3- bis 6-Jährige: 5 Plätze), geplante Inbetriebnahme Mitte 2017. St. Maternus Heiligkreuz (10; 0), offen. Kita Heiligkreuz (0; 10), Mitte 2018. Kita St. Helana Euren (17; -7), Mitte 2017. Kita BU13 Filsch (45; 88), Mitte 2018. Kita Grundschule Feyen (38; 57), Ende 2018. Kita St. Adula Pfalzel (16; -6), Ende 2018). Kita St. Clemens Ruwer (10; 0), offen. Bauspielplatz Trier-West (6; 14), Ende 2018. Kita St. Peter/Unter Gerst Ehrang (0; 50), Mitte 2017. Kita Christi Himmelfahrt Ehrang (0; 25), Mitte 2017. Kita Liebfrauen (14; -12), Mitte 2018. Kita Trier-Süd/St. Matthias (35; 40), offen. Kita Altstadt (30; 95), offen. Montessori Fliederbusch (22; -9), offen. Waldkindergarten (0; 12), Mitte 2017. r.n.

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