Fehlender Fahrstuhl bewegt Besucher
Trier · Für alles gibt es hierzulande Vorschriften - wie kann es da sein, dass ausgerechnet ein Krankenhaus ein Parkhaus ohne Fahrstuhl bauen darf? TV-Leserin Marianne Lutz ärgert sich seit langem über diese Situation im Trierer Brüderkrankenhaus und hat sich nun mit ihrer Kritik an den TV gewandt. Der ist der Sache auf den Grund gegangen.
Trier. Ein Parkhaus ohne Aufzug direkt an einem Krankenhaus - darüber wundert sich TV-Leserin Marianne Lutz. Der TV hat in dem Fall recherchiert und beim Brüderkrankenhaus nachgehört.
Der Fall: Spätestens, wenn man ein Haus bauen will, wird man mit der Bauordnung konfrontiert, die für fast jeden Aspekt Vorschriften macht. "Und das ist auch gut so. Dann bleibt einem sicher so manche unliebsame Überraschung erspart", findet Marianne Lutz aus Wasserliesch und fügt hinzu: "Umso erstaunlicher ist es für mich, dass man bei einem großen Krankenhaus ein mehrgeschossiges Parkhaus ohne Personenaufzug bauen durfte." Die wenigsten Nutzer des Parkhauses am Brüderkrankenhaus hätten einen Behinderten-Ausweis. "Und die Parkplätze, die auf der Erdgeschoss-Ebene liegen, sind immer als erstes belegt", macht Lutz deutlich. Viele Autofahrer, die dieses Parkhaus nutzten, hätten orthopädische Beschwerden und kämen, um im Krankenhaus einen Arzt aufzusuchen. "Als ich wegen eines neues Kniegelenks ins Krankenhaus musste, habe ich selbst die Erfahrung machen müssen", berichtet die 77-Jährige. "Damals wollte mich mein Sohn aus dem Krankenhaus abholen und hat nur einen Parkplatz in einem der oberen Stockwerke bekommen."
Die Nachfrage vor Ort: Andere Besucher des Krankenhauses nehmen den fehlenden Aufzug unterschiedlich auf. Der 63-jährige Hartmut Stilzinger sagt: "Ich verstehe die Diskussion, aber man kann doch mit dem Auto vor den Eingang fahren und jemanden einsammeln." Silke Rollfried, 46, fügt hinzu: "Es sind generell genügend barrierefreie Parkplätze vorhanden. Das Problem ist, dass man nicht kontrollieren kann, ob ihre Benutzer tatsächlich Barrierefreiheit benötigen."
Anne Britten, Pressesprecherin des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier, erklärt: "Beim damaligen Bau wurde ausführlich abgewogen, ob ein Aufzug notwendig sei. Mit Blick auf die hohe Zahl an Parkplätzen im Erdgeschossbereich sowie der Möglichkeit, gehbeeinträchtigte Patienten und Besucher von Begleitpersonen direkt vor dem Eingang absetzen zu können, hat man sich entschieden, den Aufzugbau, der damals technisch und finanziell einen deutlichen Mehraufwand bedeutet hätte, nicht zu bauen." Die Erweiterung des Parkhauses durch einen Aufzug sei nicht geplant, sagt Britten.
Die Reaktion: Marianne Lutz reagiert ungläubig auf die Stellungnahme des Krankenhauses: "Schon der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, dass ein Aufzug in einem Krankenhaus mehr als sinnvoll ist. Das wurde sicherlich nur aus Kostengründen so entschieden."
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Extra
Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder wird von den Barmherzigen Brüdern von Maria-Hilf geführt. Die Klinik beschäftigt etwa 2400 Menschen. Das Brüderkrankenhaus ist eines von fünf notfallmedizinischen Zentren in Rheinland-Pfalz und gehört zu den größten Krankenhäusern der Region. Es stehen mehr als 632 Betten und 15 medizinische Fachabteilungen zur Verfügung. Jährlich werden 27 000 Patienten stationär und rund 49 000 Patienten ambulant versorgt. nst