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Weltfrauentag: „Feminismus radikal, ihr lasst uns keine Wahl“

Weltfrauentag : „Feminismus radikal, ihr lasst uns keine Wahl“

Beim ersten Frauentag 1911 ging es um Gleichberechtigung und Wahlrecht. Mehr als hundert Jahre später gehen in Trier junge Menschen auf die Straße.

(kat) Sonntagmittag in der Trierer Innenstadt: Laut skandierenden ziehen rund 100 Frauen und Männer vom Kornmarkt aus durch die Innenstadt. „Lila Fahnen, schwarzer Stern, Feminismus hab´ ich gern“ und „Feminismus radikal, ihr lasst uns keine Wahl“ rufen die junge Frauen und Männer. Einige von ihnen halten Plakate hoch. „Der Kampf geht weiter“ ist darauf zu lesen.

Während Kundgebungen heißt es: „Wir leben in einer Welt, die von Männern für Männer gemacht wurde.“ Das zeige sich heute weltweit durch alltägliche Unterdrückung von allem, was nicht „männlich“ sei, durch körperliche Gewalt eines einzelnen Mannes oder durch strukturelle Ungerechtigkeit.

Organisiert hat den Aktionstag auf dem Kornmarkt und die Demo das neue Trierer Bündnis Weltfrauentag (siehe Info). Besucher informieren sich über feministische Themen, einige lernen in einem Workshop Handgriffe, um sich im Notfall verteidigen zu können, andere hören von grausamen Schicksalen. Auf Bannern sind am Stand des Deutsch-Kurdischen Gesellschaftszentrum Sara Gesichter von Frauen zu sehen, die ermordet wurden. Das sagt Münevver Kaplan. Ruth Petri vom Frauennotruf ist eine der Sprecherinnen an diesem Tag, sie informiert, dass in Deutschland alle drei Minuten eine Frau vergewaltigt wird.

Pippi-Lotta, Handwerkerin, Mitte 20, macht mit bei Stella Nigra – Anarchistisches Kollektiv/Plattform Trier. Ihren echten Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Sie hat Dienst im Awarenesszelt. Ein Ort, an den sich Menschen zurückziehen können, die von den Themen emotional aufgewühlt sind. Wer reden möchte, kann wählen, ob mit einer Frau oder einem Mann. Sexismus erlebe sie als Frau im Handwerk ständig, sagt Pippi-Lotta. In ihrer Familie gebe es viele starke Frauen, die hätten kämpfen müssen, um stark sein zu dürfen, erzählt sie. Aber es müsse noch um vieles gekämpft werden. Frauen leisteten etwa hauptsächlich Reproduktionsarbeit – also sie kochen, putzen, kümmern sich emotional um Familienmitglieder. Allein zu kämpfen sei sehr mühsam, sie sei heilfroh, sich mit anderen organisieren zu können.

Der Aktionstag am Weltfrauentag soll keine Eintagsfliege sein. „In eine E-Mail-Liste können sich Menschen eintragen, die sich vernetzen möchten“, sagt Aurelia Haas, ebenfalls von Stella Nigra. Und sich gemeinsam mit Frauen und Queers auf der ganzen Welt solidarisieren.

Während Besucherinnen in der feministischen Bibliothek in einem Zelt auf dem Kornmarkt in Büchern schmökern, miteinander reden, oder aufschreiben, was sie bewegt, finden in Trier weitere Veranstaltungen zum Weltfrauentag statt: Im Kurfürstlichen Palais referiert Julia Sander auf Einladung des Zonta Clubs Trier darüber, wie Frauen in Unternehmen leichter an die Spitze kommen können, im Simeonstift geht es um Frauen, die Spuren in Trier hinterlassen haben, im Rheinischen Landesmuseum um Frauenbilder in der Antike – und die städtische Frauenbeauftragte Angelika Winter hat zu einem Filmnachmittag ins Broadway-Kino eingeladen.

Zum Bündnis „Weltfrauentag gehören: Antifa Trier, das ARA Trier, das Autonome Queerreferat Trier, der BesD (Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen), das Deutsch-Kurdischen Gesellschaftszentrum „Sara“ , die Küche für Alle Trier, das Multikulturelle Zentrum Trier, pia – pro familia in action Trier, das Queerfeministischen Frauenreferat Trier, das SCHMIT-Z Trier und die Stella Nigra – Anarchistisches Kollektiv | Die Plattform Trier sowie einige Privatpersonen.


Edit: In der ursprünglichen Version des Artikels war die Rede von einem Wellnesszelt auf dem Kornmarkt, tatsächlich handelte es sich allerdings um ein Awarenesszelt - einen Rückzugsraum für Gespräche über emotional aufwühlende Themen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.