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Fest van Cleef: Zwischen Wolf und Walzer

Fest van Cleef: Zwischen Wolf und Walzer

Sieben Stunden Programm, jede Menge Akustikgitarren und etwas HipHop: Eine mutige Mischung von Casper bis Element of Crime hat am Samstag 1200 Zuschauer in die Trierer Messeparkhalle gelockt.

"3,2,1, der Druck steigt"? Ach was, der Deckel fliegt weg: Zum wiederholten Male hat Casper Trier fest im Griff. Dutzende Teenies mit dem Namen des 1Live-Kronenträgers auf dem TShirt kreischen begeistert auf, als der im Extertal geborene, aber weitgereiste Rapper beim Fest van Cleef mit seiner Band auftritt: Mit schön gruseligen Wolfsmasken, aus deren Augen Lichtstrahlen schießen, stehen die Musiker da, während der Frontmann mit hocherhobenen Armen auf einer Monitorbox steht, dann wieder wie ein Irrwisch über die Bühne springt. Seine kraftvolle Mischung aus meist wütend rausgerotztem Sprechgesang und hymnischem Stadionrock reißt mit - subtil geht zwar anders, aber trotz ihres tonnenschweren Pathos vermittelt Caspers Musik mit ihren hörenswerten Texten, die Lichtjahre von den dicken Hosen irgendwelcher Aggro-Rapper entfernt sind, dass man erst dann wirklich cool ist, wenn man nicht mehr krampfhaft versucht, es zu sein. Zum schmissigen "Xoxo" kommt Thees Uhlmann zum Duett auf die Bühne: "Wir sind 30 Fuß high und steigend!". Casper bedankt sich später auf seine Weise - mit einem Kurzauftritt während Thees Uhlmanns "Und Jay Z singt uns ein Lied", samt inniger Umarmung. Sieben Stunden Programm, jede Menge Akustikgitarren und etwas HipHop: Eine mutige Mischung von Casper bis Element of Crime hat am Samstag 1200 Zuschauer in die Trierer Messeparkhalle gelockt. Uhlmann ist auch die einzige Konstante zum ersten Trier-Abstecher des Plattenlabels Grand Hotel van Cleef vor fünf Jahren: Damals stand er als Tomte-Sänger auf der Bühne, diesmal als Co- Headliner mit seinem Soloprojekt - und als Ansager jeder Band. Wer denkt, Dinosaurier seien zwar majestätisch, aber irgendwie träge, den belehrte Element of Crime eines Besseren: Die 1985 gegründete Band beglückte mit einem knappen, aber beseelten Set, das nicht nur den Trademark- Sound mit der melancholischen Trompete im Walzertakt zu den ironisch-poetischen Texten Sven Regeners bot, sondern sich auch regelmäßig in schön bratzigen Gitarrenwelten verlor, die das Gründungsmitglied Jakob Friderichs erschuf: Ganz unangestrengt haben die alten Haudegen gezeigt, dass sie mit ihren oft ein Vierteljahrhundert jüngeren Kollegen mehr als nur mithalten können. Das sorgte auch für ein bunt gemischtes Publikum. Alles dabei - von Casper-Teens bis zum "Best of Ü35" bei Element of Crime. Einen echten Höhepunkt gab's schon früh: Der Engländer Frank Turner musste zwar kurzfristig ohne Band auftreten (O-Ton: "Mein Schlagzeuger ist kaputt"). Aber wer so viel Leidenschaft und Verve besitzt wie Frank Turner, dem reicht auch eine Akustikgitarre fürs große Kino. Nur schade, dass Ghost of Tom Joad schon als erste Band am Nachmittag ran mussten. Die hätten auch gut zwischen die eher betulichen Songwriter wie Maike Rosa Vogel oder Moritz Krämer gepasst.