Festgestickt statt -gebunden - Karl Marx macht Mode

Festgestickt statt -gebunden - Karl Marx macht Mode

Was haben Karl Marx und 17 Modedesignstudenten der Hochschule Trier gemeinsam? Sie stellen einmal alles auf den Kopf.

Trier (jusc) Karl Marx hat vor fast 200 Jahren versucht, die Gesellschaft umzukrempeln. Die Studenten haben das zwar nicht geschafft, aber dafür die Mode einmal auf links gedreht. Zur Eröffnung ihrer Ausstellung "Intellectual Rebels" im Karl-Marx-Haus am Freitag erzählen sie die Geschichten hinter ihren Entwürfen und warum Karl Marx für die Modeindustrie heute hochaktuell ist.
Im Rahmen des Seminars "Intellectual Rebels" hatten die Modedesign-Studenten die Aufgabe, ein weißes Männerhemd auseinanderzunehmen und daraus ihre eigene revolutionäre Kreation zu entwerfen. Passend dazu nähte jeder Student einen Rock in den kommunistischen Farben Rot und Schwarz.
"Ich drehe das Hemd einfach mal auf den Kopf", dachte sich Hane Akkil (22), als er von der Seminaraufgabe hörte. Die Studenten befassten sich auch viel mit Karl Marx und der Zeit, in der er lebte. Akkil war besonders inspiriert von den Kontrasten in der Philosophie: "Es gab immer eine These und eine Antithese. Deshalb besteht mein Rock aus einem schwarzen Unterrock und einem roten Gitter, um diese Kontraste zu veranschaulichen."
Auf anderen Kleidungsstücken prangen kommunistische Symbole und Schriftzüge wie "Proletariat" und "Lebensglück". Die Leiterin des Karl-Marx-Hauses, Elisabeth Neu, ist besonders beeindruckt von der Arbeit einer Studentin, die ein Gemälde, das Marx als Prometheus gefesselt an eine Druckerpresse darstellt, mit schwarzem Garn aufgestickt hat. Hier ist Marx nicht nur metaphorisch festgebunden.
Aber warum beschäftigen sich junge Modedesigner unbedingt mit Karl Marx? Die betreuende Dozentin Elvira Kempf spricht von "Verantwortung in der Modeindustrie".
Die Entwürfe werden bis Ende August im Karl-Marx-Haus gezeigt. Eintritt frei.

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