Feuchtfröhliche Feier

TRIER. (daj) Seit 75 Jahren wird im Stadtbad geschwommen, gesprungen und geplanscht. Am Wochenende feierten Betreiber und Besucher das Jubiläum mit einem Festprogramm.

Schon die Zwischenzeiten lassen den Weltrekord von Ian Thorpe über 200 Meter bedenklich wackeln. Am Ende zeigt die Stoppuhr tatsächlich eine neue Bestmarke an. Offizielle Anerkennung wird die fabelhafte Zeit von 1:40,28 aber dennoch nicht finden. Ein wenig geschummelt haben sie nämlich, die Schwimmer aus Völklingen und Trier, und sich die Strecke als Staffel aufgeteilt. Ein Beleg für die guten Leistungen der Sportler aus der Region ist es aber allemal. Doch nicht nur Vereine, auch Schulen und Familien sind regelmäßige Gäste im Stadtbad. Im Schnitt sind es über 1000 Besucher pro Tag, die sich ins Wasser oder in die Sauna begeben. "Ein solches Bad kann nicht kostendeckend geführt werden", betont zwar der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Helmut Schröer, doch kann sich die Bilanz durchaus sehen lassen. Der rege Zuspruch lässt die Einnahmen sprudeln. "Wir haben einen Kostendeckungsgrad von 60 Prozent, im Bundesdurchschnitt sind es gerade einmal 40 Prozent", verkündet Werner Bonertz, Bereichsleiter des Stadtbades, in seiner Festansprache. Unterschiedliche Bedürfnisse unter einem Dach zu vereinen, dieses Konzept geht offensichtlich auf. Auch beim Jubiläum waren sowohl Schwimmer als auch Turmspringer und Wasserballer vertreten und gaben Kostproben ihres Könnens. Die Modernisierungen der vergangenen Jahrzehnte haben zu Effizienz und Attraktivität des Bades beigetragen. Das Blockheizkraftwerk als letzte größere Innovation spart Energie, die Betriebskosten sind heute kaum höher als 1971. Durch die Erweiterung der Saunaanlage konnte zudem neues Publikum gewonnen werden. Energiekosten wie anno dazumal

Nach Auskunft von Werner Bonertz sind die Besucherzahlen in diesem Bereich seitdem um 50 Prozent angestiegen. Anderen Überlegungen, etwa eine große Rutschbahn aufzustellen, wurde indes eine Absage erteilt. "Das hätte nicht zum Charakter unseres Bades gepasst." Ein Mann der ersten Stunde, der schon die Eröffnung miterlebte, ist Rolf Arnold. "Hier habe ich Schwimmen gelernt, mit zehn Jahren bin ich dann in den Verein eingetreten." Damals gab es nur ein Becken, die Erweiterung der Halle wurde erst vor 25 Jahren eingeweiht, ein weiteres rundes Jubiläum also. Der 83-Jährige Arnold ist zugleich der lebende Beweis dafür, wie fit Schwimmen bis ins Alter halten kann. Heute noch kommt er viermal wöchentlich, zieht seine zwanzig Bahnen, betreut die Koronargruppe und dürfte es noch mit manch Jüngerem aufnehmen können. Dass der rüstige Senior beim Angriff auf die Weltrekordzeit nicht selbst ins Becken steigt, dafür hat er eine einfache Begründung. Lachend erklärt er: "Ich bin zu schnell für diese jungen Leute."