Feuer und Flamme für Europa

TRIER. Helmut Kohl gilt als einer der Väter Europas. Auch fünf Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Bundeskanzlers brennt in ihm die europäische Flamme. In seiner Festansprache anlässlich des 150-jährigen Bestehens der deutschen Vinzentiner Provinz forderte er in Trier eine bessere Integration mittel-, ost- und südosteuropäischer Länder.

"Wir haben keinen Grund zu Resignation." Wenn einer wie Helmut Kohl das sagt, dann glauben es ihm die Menschen. Quittieren es mit Szenenapplaus in St. Maximin. Wie wichtig ihm die "Sache Europa" ist, beweist er fast 60 Minuten lang. Der Christdemokrat spricht über Europa im Allgemeinen, über den Euro, die dringend nötige Osterweiterung, über Nächstenliebe, Säkularisierung, über die Arbeit des Vinzentiner-Ordens, über die Wichtigkeit christlicher Werte in Politik und Gesellschaft.Ihm sei immer klar gewesen, dass das Haus Europa ohne die östlichen Länder ein Torso bleiben würde, sagte Kohl. "Die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas sind Teil unserer Kultur. Deshalb ist es wichtig, dass sie eine Chance kriegen." Stets habe Europa östlichen Ländern gesagt, sie seien herzlich willkommen. Nun beobachte er, wie heute immer mehr Politiker sagen, sie seien im Prinzip für eine Erweiterung, aber momentan sei man im Westen genug mit sich selber beschäftigt. "Ich halte das für eine schändliche Denkweise", sagte der Altbundeskanzler.Die Arbeit der Vinzentiner - besonders in den osteuropäischen Ländern - sei ein wichtiger Gegenpol zu dieser Entwicklung. "Ich möchte sie ganz, ganz herzlich ermutigen, in all diesen Ländern weiter zu arbeiten", motivierte Kohl die vielen anwesenden Ordensbrüder. "Europa bietet die große Chance, im Miteinander voneinander zu lernen." Diese gelte es zu nutzen.Im christlichen Glauben sieht Helmut Kohl dabei einen wichtigen Pfeiler. Christliche Wertvorstellungen haben Europa maßgeblich geprägt, sagte der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. "Ich glaube, wir brauchen uns im Jahr 2003 mit unserem Glauben nicht zu verstecken." Er forderte, die christlichen Überzeugungen in allen Bereichen der Gesellschaft kraftvoll zu vertreten.Samstag und Sonntag feierte die deutsche Vinzentiner-Provinz in Trier ihren 150. Geburtstag. Höhepunkt dabei war nach einem Pontifikalamt am Sonntag Nachmittag im Trierer Dom der Festakt in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin. Am Samstagnachmittag trafen sich die Trierer Vinzentiner und ihre Gäste aus der ganzen Welt zum Fest der Begegnung im Park des Vinzentinums an der Schöndorfer Straße.