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Feuerwehren starten ins digitale Netz

Feuerwehren starten ins digitale Netz

Bei den Feuerwehren der Verbandsgemeinden Schweich, Trier-Land und Ruwer hat das digitale (Funk-)Zeitalter begonnen. Noch wird die neue Technik probeweise parallel zum alten Analog-Sprechfunk eingesetzt, um die Schwachstellen im Übertragungssystem zu erkennen und zu beseitigen.

Schweich/Waldrach/Aach. Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste begannen Ende der 40er-Jahre mit der Sprechfunkverständigung. Zunächst kamen in Ballungsräumen umgebaute Röhrengeräte der ehemaligen Wehrmacht zum Einsatz. Ihnen folgten die leichteren Transistorgeräte, doch die Nachteile der analogen Sprechfunkerei blieben bis heute erhalten. Von den sogenannten Blaulicht-Organisationen - im Amtsdeutsch "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)" - sendet bisher jede in eigenen Analog netzen mit eigenen Frequenzen.
Der Funkkontakt ist daher auf die jeweils eigene Organisation (Polizei, Feuerwehren im Kreis, Feuerwehren Stadt Trier, DRK etc.) beschränkt. Die Reichweite der einzelnen Netze ist kurz, der Funkverkehr ist nicht an allen Orten gewährleistet und kann durch äußere Einflüsse (etwa Wetter) gestört werden. Die Übertragung von Text-Daten ist seit 1980 in sehr beschränktem Umfang möglich. Außerdem lassen sich die Gespräche von jeden Unbefugten mit einem leicht modifizierten UKW-Empfänger mithören.
Digitaler Probebetrieb läuft



Schon bald jedoch sollen diese Probleme Vergangenheit sein - bei den Blaulicht-Organisationen hat das digitale Zeitalter begonnen. Nach jahrelanger technischer und politischer Vorarbeit wurde im Auftrag des Bundes deutschlandweit ein digitales Netz für Sprech- und Datenfunk aufgebaut, das in seinen Grundzügen den privaten Mobilfunknetzen für Handys gleicht. Der Betrieb des Netzes ist Sache des jeweiligen Bundeslandes.
In Rheinland-Pfalz nahm das "Tetra" genannte Netz Mitte April 2011 den Betrieb auf. Seit 2007 hatte ein Expertenteam des Mainzer Innenministeriums, die Projektgruppe Digitalfunk, an seinem Aufbau mit zahlreichen Basisstationen im Land gearbeitet. Inzwischen läuft bei den Blaulicht-Organisationen der digitale Probebetrieb - vorsichtshalber noch parallel zum alten Sprechfunk. Mit dabei sind die Feuerwehren der Verbandsgemeinden Schweich, Trier-Land und Ruwer.
In der Verbandsgemeinde (VG) Schweich probt die Feuerwehr seit rund vier Wochen im Digitalnetz. Auftretende Fehler, insbesondere Gebiete mit noch vorhandenen Funklöchern, sollen innerhalb der nächsten sechs Monate dem Mainzer Expertenteam gemeldet werden. Gleichzeitig erwerben alle ausgebildeten Sprechfunker - 250 von rund 520 Wehrleuten - neue Zertifikate für die Digitaltechnik.
Noch läuft nicht alles ganz rund. Wehrleiter Alexander Loskyll: "Wir haben noch Problembereiche. Etwa ein Funkloch in Naurath/Eifel. Da geht noch gar nichts." Die Umrüstung auf die neue Technik laufe. Jedes Löschfahrzeug in der VG erhalte in der Regel fünf Geräte: ein fest installiertes im Wagen und vier Handgeräte, die in der Größe und mit ihren Kurzantennen den Handy-Modellen Ende der 90er-Jahre gleichen. Ihr Stückpreis für die Feuerwehr beträgt bei 50-prozentiger Landesförderung 150 Euro.

Extra

In der VG Trier-Land mit insgesamt 30 Feuwehren und rund 650 Einsatzkräften wird der Probebetrieb zunächst auf die Feuerwehren Aach, Newel, Welschbillig, die Führungsstaffel und die Einsatzzentrale beschränkt. "Von der eingeschänkten Teilnehmerzahl erhoffen wir uns eine effektive und qualitativ hochwertige Erprobung, von der aus wir dann in die Breite gehen können", sagt Marc Buschmann, Sprecher der Feuerwehr Trier-Land.
Die Funkabdeckung sei digital wesentlich besser im Vergleich zum alten System. Aber es gebe auch noch Funklöcher in Trier-Land, die sofort an die Experten in Mainz gemeldet würden.
Aus der VG Ruwer berichtet Wehrleiter Josef Hartmann über die ersten Erfahrungen mit dem Digitalfunk: Zurzeit würden dort die Fahrzeuge mit den neuen Geräten ausgestattet, und wie anderenorts habe die Umschulung der Sprechfunker unter den insgesamt 450 Wehrleuten begonnen.
Hartmann sagt: "Funktechnisch gesehen haben wir an der Ruwer schwierige topografische Verhältnisse mit Höhen und tiefen Tälern. Da ist noch einiges zu verbessern - besonders im Bereich Osburg, Farschweiler, Herl und Sommerau."
Die Mainzer Projektgruppe Digitalfunk nahm Anfang 2007 ihre Arbeit auf. Inzwischen umfasst sie 32 Experten aus den unterschiedlichen Fachrichtungen. Die Polizei bildet mit insgesamt 15 Mitarbeitern die größte Gruppe. Hinzu kommen Vertreter der Feuerwehr, des DRK, der Kommunen und externe Fachkräfte.

Hintergrund

Unbefugte Zuhörer haben künftig schlechte Karten: Zum Schutz der übertragenen Daten ist im Tetra-Digitalfunknetz ein sogenanntes Ende-zu-Ende Verschlüsselungssystem vorgesehen. Sämtliche Sende- und Empfangsgeräte müssen damit ausgestattet sein. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat dazu ein spezielles Verschlüsselungssystem entwickelt. Zum Betrieb im Tetra-Digitalfunknetz werden nur Geräte zugelassen, die diese Codiersysteme aufnehmen und nutzen können. Für Privatleute sind diese Geräte und Programme nicht erhältlich.